+++ Eilmeldung +++

Retter eilen über Grenze zu Hilfe

Schweres Zugunglück in Tschechien: Rund 30 Verletzte, mehrere Tote - Zug startete in Deutschland

Schweres Zugunglück in Tschechien: Rund 30 Verletzte, mehrere Tote - Zug startete in Deutschland

Versammlung der Forstberechtigten im Chiemgau

„Viele Gemeinsamkeiten zwischen Almbauern und Naturschützern“

+
Landrat Siegi Walch und Geschäftsführerin und zweite Vorsitzende Maria Stöberl danken Reinhold Strobl, der heuer zum letzten Mal die Bayerischen Staatsforsten bei der Versammlung der Forstberechtigten vertreten hat, da er in den Ruhestand tritt.

Ruhpolding - Zahlreichen hohe Vertretern aus Politik, Behörden und Vereinen besuchten die Versammlung der Forstberechtigten Chiemgau im Hotel zur Post.

„In einer Zeit, in der latentes Misstrauen gegenüber allen besteht, die etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben, ist es umso wichtiger Klartext zu reden und einen starken Verband hinter sich zu wissen“, sagte der erste Vorsitzende des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau, Landrat Siegfried Walch, bei der Begrüßung von rund 200 Verbandsmitgliedern im Hotel Zur Post in Ruhpolding, darunter zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Behörden und Vereinen. Der Verband vertritt insgesamt rund 800 Mitglieder, davon 550 aus dem Landkreis Traunstein, 250 aus dem Berchtesgadener Land und einige aus anderen Landkreisen. Zu Anfang wurde besonders des im letzten Jahr im Alter von 99 Jahren verstorbenen Ehrenvorsitzenden Leonhard Schmucker gedacht, der den Verband 1952 gegründet hatte. 


Aus der Not heraus hatte der Sohn eines Bauernbündlers damals die Bauern zu gemeinsamem Handeln gegen die Staatsforsten aufgerufen, weil diese gedroht hatten, ihnen die althergebrachten Forstrechte mehr und mehr zu nehmen. 1958 gelang es Schmucker mit Weitblick und großem Verhandlungsgeschick das Forstrechtegesetz durchzusetzen, das den Bauern weitgehend ihre alten Rechte sichert. Seinem Wunsch gemäß tätigte der Verband anstatt eines Kranzes bei der Beerdigung eine Spende an das Barholomäus-Schmucker-Heimatmuseum in Ruhpolding, informierte der Vorsitzende. 

„Sonderprogramm Berghütten“ 

Zum wegen des Klimawandels besonders wichtigen Thema „Wasser auf Almen“ sagte Maria Stöberl in ihrem Geschäftsbericht, dass es jetzt erstmalig das „Sonderprogramm Berghütten“ gebe. Förderfähig sei damit der erstmalige Bau kommunaler Trinkwasserleitungen und kommunaler Abwasserkanäle zur Ver- und Entsorgung von bestehenden Einrichtungen wie Berghütten in Bergregionen über 1000 Meter Höhe. 


In der Regel müssten die jeweiligen KommunenTräger solcher Maßnahmen sein. Der Anschluss weiterer Einrichtungen, zum Beispiel Almhütten, im Rahmen des Förderprogramms könne möglich sein, wenn sie auf der Trasse dieserförderfähigen Maßnahmen lägen. Der Verband organisiere „Runde Tische“ mit den Kommunen um auszuloten, ob etwas über das „Sonderprogramm Berghütten“ durchgeführt werden können, so Stöberl. Für die „Hemmersuppenalm“ und die „Grassauer Almen“ sei ein solch Runder Tisch bereits einberufen worden. Bei vielen Almen sei die Sanierung der Wasserversorgungen ein Riesenthema, sagte die Geschäftsführerin. Die alten Quellfassungen brächen häufig weg, und die Wasserquellen lägen meist in Bereichen, die naturschutzrechtlich streng geschützt seien. Daher sei für Eingriffe und Grabungen häufig eine Ausnahmegenehmigung notwendig. 

Es empfehle sich, die Untere Naturschutzbehördevon Anfang an mit einzubeziehen und die Neufassung von Quellen unbedingt beim zuständigen Landratsamt anzuzeigen. Für eine „almübliche“ Bewirtung auf Almen seien einwandfreies Trinkwasser, eine ordnungsgemäße Entsorgung und die Einhaltung der Hygienevorschriften grundsätzlich notwendig, so Stöberl. Bei den vorhandenen Wasserquellen und Wasserfassungen im Almbereich könne oft nur mit technischer Aufbereitung einwandfreies Trinkwasser erzeugt werden. Daher stehe das Gesundheitsamt beratend zur Seite. Die „almübliche Bewirtung“ sei nur im Rahmen einer landwirtschaftlichen Nebentätigkeit zulässig und sollte sich überwiegend auf selbst erzeugte Produkte beschränken. 

Zum Verkauf von Holzbezugs- und Weiderechten informierte Frau Stöberl, dass bei einem Kauf oder Verkauf von Forstrechten grundsätzlich eine Transferierung (Übertragung) von einem Anwesen auf ein anderes notwendig sei. Der Verpflichtete, also der Forst, müsse dieser Übertragung grundsätzlich zustimmen. Vor Abschluss des Kaufvertrags sei deshalb das Einverständnis des Verpflichteten einzuholen. Dann müsse die Übertragung notariell ins Grundbuch eingetragen werden. Es gebe viele, die gerne ein Forst- oder Almrecht kaufen wollten, sagte Frau Stöberl. 

Bei der Übertragung von Almweiderechten sei zusätzlich die Genehmigung nach dem Almgesetz erforderlich, wobei das jeweilige Landratsamt zuständig ist. Aus dem Kassenbericht von Ludwig Böddecker und dem Kassenprüfbericht von Sepp Zeller (Großgstatter), der die Kasse gemeinsam mit Johann Meier (Knogler) geprüft hatte, ging eine solide Finanzlage des Verbandes hervor. Durch einstimmigen Beschluss gab es wiederkeinen eigenen Haushaltsplan, sondern die Mitglieder ermächtigten die Vorstandschaft, die Mittel in gewohnter Weise den Verbandszwecken entsprechend zu verwenden. 

Almen als „Hotspot der Biodiversität“ 

Über „Naturschutzförderung auf Almflächen“ sprachen danach die „Biodiversitätsbeauftragte“ der Regierung von Oberbayern Christiane Mayr und Wolfgang Selbertinger von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein. „Almbauern und Naturschützer haben wesentlich mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze“, sagte Selbertinger. Die Anzahl der Almen und Alpen sei auch dank der Förderungen weitgehend konstant, aber an den „Rändern“ gebe es Handlungsbedarf. Die Almen seien der Grünlandtyp mit der höchsten Pflanzendiversität. Beide Referenten zeigten das anhand zahlreicher Lichtbilder. 

Im Landkreis Traunstein gibt es insgesamt 2780 Hektar Vertragsnaturschutzflächen, 739 Hektar auf Almen. In 2020 seien 345 Hektar neue Vertragsflächen dazu gekommen, also in einem Jahr fast 80 Prozent, so Selbertinger. Die Fördersumme im Landkreis Traunstein beträgt 1,2 Mio. Euro pro Jahr, die Fördersumme für die Almen 110 785 Euro. Dabei würden nicht große neue Auflagen gemacht, sondern das bereits Geleistete gefördert, betonte Selbertinger. Ziel der Staatsregierung sei die Erhöhung der Vertragsnaturschutzflächen von derzeit 100 000 Hektar auf 180 000. Almen seien eine „Hotspot der Biodiversität“, sagte Christiane Mayr, denn zum Beispiel 42 Prozent aller in Bayern lebenden Tagfalterarten seien auf Almen beheimatet. Die Almwirtschaft habe entscheidend dazu beigetragen, dass diese Lebensräume mit ihrer Artenvielfalt entstanden sind. 

Da die Nutzungsbedingungen der Almwirtschaft heute andere seien und viele Almbauern notwendiger Weise die Almen nur noch im Nebenerwerb bewirtschaften, seien Pflegemaßnahmen zu Förderung seltener und geschützte Lebensräume von Tieren und Pflanzen notwendig geworden. Frau Mayr betonte, dass die Landschaftspflegemaßnahmen auf Almen von Seiten der Grundeigentümer und Bewirtschafter freiwillig sein müssen. Doppelförderung sei ausgeschlossen, aber da das Kulturlandschaftsförderprogramm (KuLaP) weitgehend ausgelaufen sei, gebe es durch die Vertragsnaturschutzprogramme mehrere neue Förderungsmöglichkeitenen für die Almen. 

Bei der Aussprache bedauerten mehrere Landwirte, dass die Schafbeweidung auf Almen noch nicht gefördert würde. Christiane Mayr und Wolfgang Selbertinger hielten das auch nicht grundsätzlich für richtig und versprachen, die Vorschläge der Bauern an höherer Stelle vorzutragen, so dass sich auch hier etwas ändern könne. Wegen der kurz bevorstehenden Kommunalwahl sprachen heuer weder die anwesenden Landtagsabgeordneten, Gisela Sengl und Klaus Steiner noch Bürgermeister Claus Pichler ein Grußwort. In einer kurzen Ansprache verabschiedete sich der langjährige Vertreter der Bayerischen Staatsforsten Reinhard Strobl von den Forstberechtigten, da er nun in den Ruhestand gehen werde. 

Er sagte, dass die Forstwirtschaft, die immer im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie stehe, derzeit in keiner guten Situation sei. Nach Schätzungen habe es in Europa 100 Millionen Festmeter Windwurf gegeben. Er sei froh, dass die Politik die Staatsforsten nicht unter Druck setze, denn es brauche Zeit, mit den Problemen fertig zu werden. In den bisher 15 Jahren Bayerische Staatsforsten habe sich eine „gute Streitkultur“ und ein „gutes Miteinander leben“ entwickelt. Landrat Siegi Walch dankte ihm für die stets gute Zusammenarbeit in all den Jahren. 

Auch ders tellvertretende Landrat von Berchtesgaden, Rudolf Schaupp verabschiedete sich, da er nicht mehr zur Wahl antreten werde. Er dankte „der guten Seele der Forstberechtigten, Maria Stöberl“ sowie Landrat Siegfried Walch für die jahrelange gute Zusammenarbeit auch im Namen von Landrat Georg Grabner. Er sei immer gerne zu den Jahresversammlungen der Forstberechtigten gekommen, die doch wichtiger denn je seien.

gi

Kommentare