Gerettete Wanderer wollen Tiroler Bergwacht verklagen

Bergwacht: "In Ruhpolding passiert so etwas normalerweise nicht"

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Ruhpolding - Im Februar gingen zwei Deutsche zum Schneeschuhwandern in Tirol. Allerdings verirrten sie sich und mussten gerettet werden. Doch die Wanderer wollen nun die Bergretter verklagen. Ein Mitglied der Bergwacht Ruhpolding äußerte sich zu dem Fall.

Die Tannheimer Bergrettung hat ein Schreiben eines Rechtsanwalts erhalten, in dem zwei deutsche Wanderer der Organisation mit einer Klage drohen. Der unfassbare Grund: Die Einsatzkosten in Höhe von 2.261 Euro wären zu hoch. Zwei Männer, ausgestattet mit einer Lampe, hätten völlig ausgereicht, um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Der Einsatz von 15 Bergrettern wäre nicht nötig gewesen, so die Ansicht der Geretteten.

Das sagt die Bergwacht Ruhpolding

chiemgau24.de hat deswegen mit Sebastian Nachbar von der Bergwacht Ruhpolding (Facebook) gesprochen. Die Bergwachtler hatten mit einem Post auf ihrer Facebook-Seite selbst auf den Fall aufmerksam gemacht. Nachbar erklärte, dass es in der Regel absolut unüblich sei, dass gerettete Wanderer sich weigern würden, die Einsatzkosten zu bezahlen. So etwas habe er noch nie in der Region Chiemgau oder in Bayern erlebt

Im Normalfall geschehe das genaue Gegenteil: Gerettete Bergsteiger besuchen oftmals nach einem erfolgreichen Rettungseinsatz die Bergwacht Ruhpolding, um in Form von Geschenken oder Geldspenden ihre Dankbarkeit gegenüber den Rettern auszudrücken, die ihnen das Leben gerettet haben

Der Bergwachtler stellte die berechtigte Frage in den Raum: "Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Zahlung von 2.261 Euro dann verweigert wird?"

Waren 15 Retter gerechtfertigt?

Der Bergwachtler kann die Ansicht der geretteten Schneeschuhwanderer überhaupt nicht nachvollziehen. Vielmehr stellt er sich auf die Seite seiner Kollegen aus Tannheim. Er könne absolut verstehen, wieso die Retter aus Tannheim mit mehr als zwei Personen auf die Suche nach den Deutschen gegangen waren. 

Es sei üblich, mehrgleisig auf die Suche nach den hilfebedürftigen Wanderern zu gehen. Der Vorteil daran sei, dass so mehrere Suchmannschaften parallel verschiedene Gebiete absuchen können. Denn oftmals sei die Ortsangabe der zu rettenden Menschen nicht sehr genau. Gerade um auf sogenannte Eventualitäten, beispielsweise der Abtransport eines Wanderers, der plötzlich nicht mehr laufen kann,reagieren zu können, sei eine verstärkte Mannschaft wichtig. Wie kritisch die Lage tatsächlich ist, könne oftmals nur direkt vor Ort festgestellt werden. 

Wann muss man einen Einsatz selbst zahlen?

Wie Nachbar weiter erklärte, entstehen auch nicht in jedem Fall automatisch Kosten für einen Wanderer oder Bergsteiger, der den Notruf wählt.Nur dann, wenn jemand unverletzt sei, müsse derjenige auch die Einsatzkosten tragen. Das gelte auch dafür, wenn man sich zum Beispiel verirrt habe oder erschöpft ist. Verletzt man sich aber und wählt den Notruf, kommen die Krankenkassen in der Regel für den Rettungseinsatz auf.

ics

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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