„Lieber Bio aus Italien als Konventionelles aus dem Nachbardorf“

Wirbel um Statement von MdL Sengl - Ruhpoldinger Bauer: „Das ist eine Watschn“

Der Ruhpoldinger Landwirt Andreas Lang (links) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl aus Sondermoning im Landkreis Traunstein.
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Der Ruhpoldinger Landwirt Andreas Lang (links) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl aus Sondermoning im Landkreis Traunstein.

Bio-Weizen aus dem Ausland wäre besser als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf? Andreas Lang ist sauer. Der Ruhpoldinger Landwirt stört sich an einer Aussage der Grünen-Landtagsabgeordneten Sengl - doch auch sie reagiert.

Ruhpolding/Nußdorf - „Das ist eine heftige Watschn für alle regionalen Bauern“, prangert Andreas Lang im Gespräch mit chiemgau24.de an. Er meint ein Statement der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl aus Sondermoning. Bei einem Online-Webinar zur Zukunft der Ernährung am 11. Januar bekannte sie: „Ich möchte lieber biologischen Weizen aus Italien als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf.Der Donaukurier berichtete zuerst darüber. Sengl stellt sich in den Augen des Ruhpoldinger Landwirts Andreas Lang damit „klar gegen Regionalität“.

Sengl: „Ja, der Satz mit den Bio-Produkten aus Italien ist so gefallen“

Lang ist nicht gegen Bio. Er selbst führte früher einen konventionellen Hof in Oberteisendorf und jetzt gemeinsam mit seiner Frau einen Bio-Betrieb mit Milchkühen in Ruhpolding. „Bio ist schön und gut. Aber wir brauchen auch Lösungsansätze zur Vermarktung. Die Kostendeckung ist in der biologischen Landwirtschaft schlechter und der Bio-Markt gesättigt“, so der 39-Jährige. Er weiß von seinen Kollegen: „Nicht nur konventionelle, auch Bio-Bauern aus der Region haben sich über den Satz von Gisela Sengl geärgert.“

Für die Grünen-Abgeordnete aus dem Landkreis Traunstein hagelte es deshalb zuletzt etliche böse Kommentare bei Facebook. „Ja, dieser Satz mit den Bio-Produkten aus Italien ist so gefallen“, bestätigt Sengl gegenüber chiemgau24.de. Aber eigentlich sei es darum gegangen, wie die Ziele des Volksbegehrens zum Artenschutz am besten erreicht werden können. Entscheidend sei nicht wo etwas produziert wird, sondern die Art und Weise. „Aber ich kann nachvollziehen, dass sich manche Bauern dadurch auf den Schlips getreten fühlen. Ich habe in gewisser Weise den Finger in die Wunde gelegt.“

Ist die konventionelle Landwirtschaft eh schon auf dem richtigen Weg?

Gisela Sengl steht nach wie vor zu ihrem Statement. „Regionalität sagt noch nichts darüber aus, wie umweltfreundlich die Produktion ist - abgesehen vom Transport, aber das ist nur ein Aspekt.“ Denn ökologisch bewirtschaftete Böden könnten doppelt soviel Wasser und deutlich mehr CO2 speichern wie konventionelle. Außerdem sei die Artenvielfalt auf Öko-Böden um 30 Prozent höher und chemisch-synthetische Pestizide sowie synthetische Mineraldünger seien dort verboten. „Und bei den Futtermitteln fragt auch kaum jemand, woher die kommen.“

Der Ruhpoldinger Bauer Lang hält dagegen: „Die Landwirtschaft ist so vielfältig. Es gibt nicht die Musterlösung für alles.“ Auch ein konventioneller Landwirt setze nur chemische Mittel ein, wenn es unbedingt sein müsse. Außerdem gebe es inzwischen computergesteuerte Spritzen beim Düngen, die den Stickstoffgehalt in der Gülle genau messen. „Ja, wir Bauern müssen besser werden. Aber technisch ist eh schon ein Riesenpotenzial da und in Deutschland wurden 2019 so wenig Pflanzenschutzmittel eingesetzt wie schon seit 20 Jahren nicht mehr.“

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Und das Beispielland Italien? Die Landtagsabgeordnete der Grünen verweist darauf, dass der Standard für Bio-Lebensmitteln in allen EU-Ländern gleich ist. Der Ruhpoldinger Landwirt hat dagegen schon von großen Betrugsmaschen aus Italien gehört, wo konventionell angebautes Getreide einfach als bio „umetikettiert“ wurde: „Der italienische Bauer ist nicht unbedingt schlechter als der deutsche, aber bei uns werden Lebensmittel mit am besten und am strengsten kontrolliert. Und deshalb ist die Qualität auch besser.“

Andreas Lang bleibt dabei: „Auch wenn sie nicht aus unserem Landkreis stammen, kaufe ich lieber konventionell angebaute Kartoffeln aus Oberbayern, als Bio-Kartoffeln aus dem Ausland.“ Anders Sengl: „Für mich ist bioregional das Optimum - dann bio und dann regional.“ Gibt es vielleicht eine Annäherung? Gisela Sengl hofft, dass auch von den konventionellen Bauern selbst eine Initiative kommt, noch umweltfreundlicher zu arbeiten. Und Andreas Lang? Er würde gerne mit der Landtagsabgeordneten reden - „aber sie sollte auf uns zukommen“.

xe

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