Was sagt uns PISA in Traunstein?

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Traunstein - Gerade das Thema Bildung nimmt zur Zeit einen großen Raum in der öffentlichen Diskussion ein. So auch bei der Traunsteiner SPD, die in den Gasthof Sailer Keller einlud.

„Ein jeder von uns hat die Schule besucht, also kann beim Thema „Bildung“ auch jeder mitreden“, - dass diese Ansicht weit verbreitet ist, sei verständlich, sagte Christian Kegel, Lehrer am Chiemgau-Gymnasium Traunstein, als Referent zum Thema „Bildung aktuell“ bei einer Diskussionsrunde der Traunsteiner SPD im Gasthof Sailer Keller. Ortsvorsitzender Peter Forster konnte ein sachkundiges Publikum begrüßen – auch Elternbeiräte und Lehrer waren gekommen. Gerade das Thema Bildung nehme zur Zeit einen großen Raum in der öffentlichen Diskussion ein, weil alle Parteien immer wieder betonen, wie wichtig Bildung für die Zukunft unserer Kinder, aber auch für den Standort Deutschland ist.
Auch die neue PISA- Studie fordere die Politiker zu weiterem Handeln auf, auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich weiter Boden gut gemacht hat, betonte Forster. „Der schulische Erfolg hängt zuerst einmal vom Lernenden ab, nicht nur vom Schulsystem“, erläuterte Christian Kegel. Lernbereitschaft und Leistungsbereitschaft müssten die Schülerinnen und Schüler mitbringen, für das „Lernen lernen“ sei die Schule zuständig, nicht die pivate Nachhilfe. Da die Kinder jedoch von zu Hause her sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen, müsse ein gutes Schulsystem es schaffen, jedem seine Chance zu geben. Die Bildungsberichte der OECD bemängeln immer wieder, dass in Deutschland mehr als in den meisten Ländern Kinder aus „bildungsfernem Hintergrund“ und Kinder aus ausländischen Familien nur geringe Bildungschancen haben. Kegel betonte: „wir können es uns nicht leisten, das Potenzial so vieler Menschen brach liegen zu lassen“.

lassen“. Auf der anderen Seite werde ein drohender Mangel an Fachkräften beklagt. Das sei unzweifelhaft eine der „Baustellen“ in unserem gegenwärtigen Schulsystem. Ein weiteres Problem sehe er in den sehr unterschiedlichen Schulsystemen in Deutschland. Ein Umzug z.B. von Bremen nach Bayern fordert von den Kindern eine gewaltige Umstellung und sei oft mit großen Schulproblemen verbunden. Ganz aktuell seien die ständig steigenden Übertrittszahlen auf weiterführende Schulen. Schon Zehnjährige und deren Eltern seien einem starken Druck ausgesetzt, ja nicht zurück zu bleiben. Während bei Gymnasien und Realschulen die Schülerzahlen zunehmen, bluten die Hauptschulen aus. Ob die neuen „Mittelschulen“ daran etwas ändern werden, sei ungewiss.

Schließlich forderte der Referent, mehr Geld für die Schule in die Hand zu nehmen für eine nachhaltige Verbesserung im Bildungssystem. Nicht nur kleinere Klassen seien wichtig, sondern zusätzliche Lernangebote, Förderstunden und Kurse. Dafür brauche es zusätzliche Stellen für Lehrer, deren Ausbildung noch praxisnäher sein müsste. Immer noch werde an der Bildung gespart, trotz aller gegenteiligen Ankündigungen. Außerdem seien flächendeckend Ganztagsangebote notwendig. Weil dann mehr Zeit bleibt, könne ein rhythmisierter Stundenplan angeboten werden, mit sinnvollen Unterbrechungen durch Sport, künstlerische und praktische Fächer.

In der Diskussionsrunde lobte Christiane Meiler, Elternbeiratsvorsitzende der Franz- von-Kohlbrenner-Mittelschule die Ganztagesklassen an dieser Schule. Der Unterricht sei aufgelockert und Hausaufgabenstress gebe es dort nicht mehr, weil die Schulkinder ihre Hausaufgaben schon in der Schule machen können und dann der Tag zu Hause oder im Sportverein oder beim Musikunterricht entspannt ausklingen kann. Durch die fachliche und persönliche Betreuung der Kinder brauche es auch keinen Nachhilfeunterricht mehr. Dies wäre auch ein Vorteil für die Schüler der Mittlere-Reife-Klassen, wenn der Ganztagsunterricht auf sie ausgeweitet würde.

Werner Siegl, Lehrer am Gymnasium Ising, beklagte, dass an Bayerns Schulen immer nur aussortiert und zu wenig gefördert würde. Arnold Poschmann, früher Chiemgaugymnasium, sprach sich dafür aus, den Kindern mehr Zeit zum Lernen zu geben. Waltraud Blach, Grundschullehrerin, wünscht sich ein Schulsystem, in dem sich die sozialen Unterschiede nicht so stark auswirken. Eine Gemeinschaftsschule, wie sie auch in Bayern erprobt wird, könne der Weg dazu sein. Hier lernen die Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam in jahrgangs- und klassenübergreifenden Lerngruppen. Ernst Schropp erklärte, für junge Eltern sei es wichtig, dass ihre Kinder schon vor der Schule gefördert würden, ohne die Schule vorwegzunehmen. Hier könnten vor allem sprachliche Defizite ausgeglichen werden. Petra Ostermayer ergänzte, dass für viele Kinder die Trennung in der 4. Klasse zu früh komme. Eine längere gemeinsame Grundschulzeit würde die Situation entscheidend verbessern. Günter Meyerhof warf der Staatsregierung vor, ihr Versprechen nicht zu halten, jedes Jahr tausend neue Lehrer einzustellen. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass die Lehrerstellen, die durch den Wegfall des 13. Schuljahres frei werden, dort mit eingerechnet werden. Dies habe die SPD- Landtagsfraktion bemängelt. Stadträtin Ingrid Bödeker wies darauf hin, dass die Franz-von-Kohlbrenner-Schule die Bedingungen für die neue „Mittelschule“ von Anfang an erfüllt habe und ein überzeugendes Konzept vorlegen konnte. Es bleibe zu hoffen, dass das Angebot bei den Schülern und in der Wirtschaft auch angenommen werde.

Pressemeldung SPD Traunstein

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