Schafe und Ziegen gegen Wildwuchs

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Schafe und Ziegen des Hobbylandwirts Stefan Windbichler (rechts) verhindern seit Jahren erfolgreich, dass der Grünbühel in Reit im Winkl immer mehr zuwächst. Davon überzeugten sich der Geschäftsführer der Schlossbrauerei Stein, Helmut Mühleisen (M.) und Verkaufsleiter Reinhold Steinberger, (2. v.l.) sowie Markus Fröschl (2. v.r.) und Jürgen Sandner (l.), der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands (LPV) Traunstein.

Reit im Winkl - Immer weniger Bauern bewirtschaften immer größere landwirtschaftliche Flächen. Diese Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gilt auch für den Bergort Reit im Winkl.

Kaum zehn Bauernhöfe existieren hier noch, früher gehörte die Landwirtschaft neben der Holzwirtschaft zur Haupterwerbsquelle. Mit diesem Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe geht auch einher, dass Grünflächen, die aufgrund ihrer Hanglage kaum mehr gemäht werden können, mehr und mehr zuwachsen und verwildern.

Ein solches, auch für den Fremdenverkehr attraktives Areal ist der zentrumsnahe Grünbühel. Nachdem über viele Jahre Gemeindearbeiter diese Fläche immer wieder ausgemäht hatten, geht man in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband (LPV) Traunstein neue Wege. Mit Stefan Windbichler wurde ein Schaf- und Ziegenbesitzer gefunden, der seit 2007 mit seinen Tieren diesen Grünbühel betreut.

Dieser Tage erhielt Windbichler Besuch von Markus Fröschl und Jürgen Sandner. Der Vorsitzende beziehungsweise der Geschäftsführer dieses Verbands nutzen die Gelegenheit, einen neuen Sponsor über den Fortgang dieser Form der Landschaftspflege zu informieren: Helmut Mühleisen und Reinhold Steinberger, den Geschäftsführer sowie den Verkaufsleiter der Schlossbrauerei Stein. Das Unternehmen unterstützt den Verband seit 2009 mit 15000 Euro jährlich. Beim Treffen in Reit im Winkl übergab Mühleisen nun die "erste Rate": zwei Schecks in einer Gesamthöhe von 6750 Euro.

Mit diesem Geld wird neben vielen anderen Projekten die Arbeit von Stefan Windbichler mitfinanziert. So bezahlt der LPV beispielsweise die Elektrozäune. Drei Mutterschafe mit acht Lämmern sowie drei Mutterziegen mit drei Kitzen lässt Windbichler derzeit auf der rund 1,2 Hektar großen Fläche grasen. "Die Ziegen verbeißen auch die Gehölze", wie Jürgen Sandner erklärt, die Schafe seien eher für die Gräser und Kräuter zuständig. Der gesamte Grünbühel, der auch als Barfußpark und als zentrumsnahe Erholungsfläche genutzt wird, ist dabei in viele Teilflächen gegliedert.

Ein genauer Zeitplan legt fest, wann welche dieser Teilflächen beweidet wird, damit die Pflanzen genügend Zeit haben zu blühen und ihre Samen auszubringen. "Mit den Schafen und Ziegen funktioniert das hier wunderbar", sagt der 58-jährige Hobbylandwirt, gerade die Gäste mit Kindern schätzten die Nähe zu diesen Tieren.

Es profitierten aber nicht nur die Menschen von dieser Beweidung, ergänzt LPV-Geschäftsführer Sandner. Diese Bewirtschaftung erhalte auch "den blütenreichen Kalkmagerrasen als Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten". Sehr angetan von dieser Form von Landschaftspflege zeigten sich denn auch Reinhold Steinberger und Helmut Mühleisen von der Schlossbrauerei Stein. "Für uns ist das gelebte Regionalität. Die Qualität unserer Erzeugnisse verdanken wir auch Produkten dieser Region und mit der Unterstützung solcher Projekte wollen wir etwas an diese Region zurückgeben", erklärt der Geschäftsführer Mühleisen die Beweggründe seines Unternehmens.

Ein Engagement, das der LPV freilich zu würdigen weiß. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, größere Summen gespendet zu bekommen und schon gar nicht regelmäßig auf Jahre hinaus. Wir sind für dieses regionale Bekenntnis sehr dankbar", wie der LPV-Vorsitzende Fröschl zurückgibt. So trennen sich nach dem einstündigen Besuch alle Beteiligten sehr zufrieden: Die Vertreter der Brauerei Stein, weil sie Naturprojekte der eigenen Heimat unterstützen, die Vertreter des LPV, weil sie auf Jahre hinaus auf mindestens 15000 Euro allein von diesem Sponsor rechnen können und auch die Schafe und Ziegen, weil sie eine abwechslungsreiche Kost genießen dürfen und dabei nicht nur vom Schäfer Stefan Windbichler wohlwollend beobachtet werden.

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser