Verkehrspolizeiinspektion Traunstein stellt ein neues digitales Geschwindigkeitsmessgerät in Dienst

Schlechte Zeiten für Raser in Region

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Schlechte Zeiten für Raser: Das neue digitale Geschwindigkeitsmessgerät, das in dem Kontrollfahrzeug eingebaut ist, ermöglicht künftig eine deutlich umfangreichere und verbesserte Geschwindigkeitsmessung. Mitarbeiter der Verkehrspolizei Traunstein, die in der Einführung der Technik für vier Landkreise verantwortlich sind, stellten das Gerät gestern vor. Gleichzeitig warben die Beamten dafür, dass die neue Technik mehr Messgerechtigkeit ermögliche.

Traunstein - Schlechte Zeiten für Raser in der Region: die Polizeiinspektionen sind ab sofort mit einem digitalen Geschwindigkeitsmessgerät ausgestattet.

Das "Poliscan Speed" der Firma Viatronic wurde am Mittwoch in den Räumlichkeiten der Autobahnpolizei in Siegsdorf vorgestellt. Das Gerät kommt in den vier Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf in einem Fahrzeug zum Einsatz, die Federführung in der technischen Einführung für die Polizei in den einzelnen Landkreisen liegt bei der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein. Die Kosten für Fahrzeug und Technik liegen bei gut 100000 Euro.

Polizeirat Volker Klarner von der VPI Traunstein nannte es bei der Vorstellung einen "technischen Quantensprung", der in der regionalen Verkehrsüberwachung nun möglich sei und warb um Verständnis für verstärkte Verkehrsüberwachungen. Ist doch im vergangenen Jahr die Zahl der Verkehrstoten erstmals wieder gestiegen und auch in diesem Jahr halte die Zahl der hohen Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang mit 46 Toten im Zeitraum Januar bis Juni an. Besonders dramatisch habe sich der Juli mit 28 Verkehrstoten dargestellt, für die meist Fahren unter Alkoholeinfluss und überhöhte Geschwindigkeit der Grund gewesen seien, sagte der Polizeirat.

Das "Poliscan Speed" schließe Falschmessungen aus und lasse keine ungenauen Messwerte zu, die Beweiskraft der Auswertungen nehme zu. Auch sei für die Beamten das Betreten der Fahrbahn, das bisher beim Anbringen einer Lichtschranke erforderlich war, nicht mehr nötig. Neben der Unterscheidung zwischen Pkw und Lkw könne das digitale Messgerät, das aus dem LIDAR (Laser), einem Blitz für die Aufhellung der Fotos und einem Laptop mit entsprechender Software besteht, bis zu drei Fahrbahnen in einem 45-Grad-Winkel fotografieren und dabei unterscheiden, welches Fahrzeug bei mehreren gleichzeitig fotografierten Objekten die Messung ausgelöst hat. Dies führe für die Bürger zu mehr Messgerechtigkeit, wirbt der Hersteller aus Wiesbaden. Da das mehrspur- und mehrzielfähige Gerät eine Reichweite bis zu 75 Meter hat, sind gemäß der bestehenden Verkehrsordnungen vereinzelt leicht veränderte Standorte für das Messfahrzeug nötig, da die Auslösung je nach Einstellung früher erfolgen kann.

Polizeirat Klarner wies darauf hin, dass die deutschen Gesetze und Strafen im EU-Vergleich deutlich geringer seien. "Schon die Parameter bei der Messung sind bei uns sehr streng", sagte er im Hinblick beispielsweise auf die österreichischen Regeln. So würden Verkehrssünder dort zumeist von hinten geblitzt und auch die Halterhaftung im Nachbarland unterscheide sich von der deutschen Gesetzgebung. Im vorgeführten Test in der Ortssenke in Hammer zeigte das Gerät auf dem Laptop gestochen scharfe Bilder - zum Glück für die "ertappten" Verkehrssünder dieses mal ohne Konsequenz.

Dass sich die Ordnungshüter oft selbst in einem Dilemma befinden, zeigte eine kurze Diskussion unter den anwesenden Polizeibeamten aus den Landkreisen. Man werde gerade auch von Anwohnern im Bereich von Ortsausgängen immer wieder auf zu schnell fahrende Autofahrer angesprochen und um entsprechende Kontrollen gebeten. Aber nicht an jedem Ortsende könne ein Messfahrzeug stehen und permanent kontrollieren. Insofern gebe es sicher nicht zu viele Kontrollen, so der Tenor. Von einer überbordenden Überwachung der Autofahrer sei man ohnehin weit entfernt, und sehe im Umgang mit dem Thema Verkehrskontrollen trotz konsequenter Anwendung der Gesetze und Verordnungen eine "gewisse Kulanz": Sie seien nicht nur Polizeibeamter, sondern auch Bürger der Region, machte Polizeirat Klarner deutlich.

wz/Chiemgau-Zeitung

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