Schlötterer: Strauß und seine "Spezlwirtschaft"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Traunstein - Dr. Wilhelm Schlötterer hat im Sailer Keller eine Lesung aus seinem neuen Buch, "Macht und Missbrauch", gegeben. Im Fokus des Buches steht seine Zusammenarbeit mit Franz Josef Strauß.

Auf Einladung des Grünen Landtagsabgeordneten Sepp Daxenberger las Dr. Wilhelm Schlötterer aus seinem Buch "Macht und Missbrauch. Franz Josef Strauß und seine Nachfolger. Aufzeichnungen eines Ministerialbeamten." im Sailer Keller in Traunstein. Die Saal war trotz Sommerwetter und Fußball Weltmeisterschaft brechend voll. Einige Zuhörer kamen sogar bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn, um sich einen guten Platz zu sichern. Gleich am Anfang stellte Dr. Schlötterer klar, dass weder sein Buch, noch seine Ausführungen vor dem Publikum mit Parteipolitik zu tun hätten. Er betonte vielmehr, dass insbesondere Franz Josef Strauß der CSU massiven Schaden zugefügt hätte - auch finanziell - und er es sehr bedauere, dass seine Arbeit oftmals auch als Angriff auf die CSU an sich verstanden werde. Dr. Wilhelm Schlötterer erzählte davon, wie er durch seine berufliche Position direkt mit Franz Josef Strauß Machenschaften konfrontiert wurde.

Grünen Landtagsabgeordneten Sepp Daxenberger und Dr. Wilhelm Schlötterer

Er arbeitete fast 30 Jahre im bayerischen Finanzministerium. In der Ära Strauß war er mit Steuerfällen betraut, die sich später zu spektakulären Affären ausweiteten und schließlich in der Amigo-Affäre mündeten. Dr. Wilhelm Schlötterer erzählte dem gebannten Publikum von Franz Josef Strauß "Spezlwirtschaft". Franz Josef Strauß setzte ihm genehme Beamte in Schlüsselpositionen ein, begünstigte befreundete millionenschwere Unternehmer und griff lenkend in amtliche Entscheidungen ein. Wer sich ihm aber entgegenstellte, wurde durch Versetzungen oder Strafanzeigen wegen Landesverrats gnadenlos aus dem Weg geräumt. Dr. Wilhelm Schlötterer versäumte nicht zu erwähnen, dass die Strafanzeigen später immer fallen gelassen wurden, da die Angeklagten unschuldig gewesen seien. Die Recherchen des ehemaligen Ministerialbeamten enden jedoch nicht mit der Ära Strauß, sondern reichen über Max Streibl und Edmund Stoiber bis hin zu Erwin Huber. Nie wurden seine Aufzeichnungen angefochten oder vor Gericht gebracht.

Selbst hochrangige CSU Politiker versicherten Dr. Schlötterer, sein Buch sei wichtig und notwendig. Dass aktuell die drei Strauß Kinder mit einer Anzeige drohen, scheint ihn nicht aus der Ruhe zu bringen. Er habe schon in seiner Zeit im Ministerium zwei Strafverfahren über sich ergehen lassen müssen, in beiden aber wurde er klar entlastet. "Es gibt nichts, was nicht stimmt. Mein Buch gibt nur Wahres wieder und alle Bürger haben das Recht, über die damaligen Vorgänge informiert zu werden." Nach dem dem Vortrag von Dr. Wilhelm Schlötterer bestand im Publikum viel Diskussionsbedarf. Die meisten Zuhörer zeigten sich entsetzt und schockiert. Ein Zuhörer meinte etwa: "Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack, dass so etwas bei uns in Bayern überhaupt erst möglich werden konnte." Auch Sepp Daxenberger meldete sich eindringlich zu Wort: "Wir alle haben die Möglichkeit die Welt ein Stück gerechter zu machen, das ist auch immer mein Ziel gewesen. Der Mut und das Durchhaltevermögen von Dr. Wilhelm Schlötterer sind für mich mehr als bewundernswert. Er steht für seine Überzeugungen ein und verteidigt durch die Offenlegung der haarsträubenden Vorgänge die Rechtsstaatlichkeit."

Pressemeldung Landtagsbüro Daxenberger

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser