Schnittstelle G8/G9 – Tut Sch(n)eiden weh?

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Traunstein - Mit der Schnittstelle "G8/G9" beschäftigten sich jetzt Schüler im Chiemgau-Gymnasium in Traunstein im Rahmen einer Regionaltagung.

Schnittstellen begleiten uns ein ganzes Leben lang, sei es nun bei der Geburt, bei der Heirat oder – im schulischen Bereich – bei der Einschulung sowie beim Übertritt aufs Gymnasium. Durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums ist eine neue Schnittstelle entstanden, die sowohl von den Schülern als auch von den Lehrkräften und Eltern bewältigt werden muss und auch bewältigt werden kann.

Dies war sinngemäß das Resümee zur Regionaltagung zum doppelten Abiturjahrgang 2011, das Dr. Bernd Zinner, der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Oberbayern-Ost, am vergangenen Donnerstag am Chiemgau-Gymnasium Traunstein in seinem Schlusswort zog. Diese Feststellung spiegelt treffend die besonderen Herausforderungen für die Schülerinnen und Schüler des letzten G9- und des ersten G8-Jahrgangs wider, deren Vertreter als unmittelbar Betroffene auch zu der Tagung geladen waren. Nach der Begrüßung durch OStD Klaus Kiesl gab Ministerialrat Matthias Becker aus dem Wissenschaftsministerium den anwesenden Direktoren, Oberstufenkoordinatoren, Elternbeiratsmitgliedern und Kollegstufensprechern der 27 Gymnasien der Region einen Überblick über die Gesamtsituation und die organisatorischen Herausforderungen des doppelten Abiturjahrgangs.

In den Jahren 2011 und 2012 würden, so Becker, rund 70.000 neue Studienanfängerinnen und Studienanfänger an den staatlichen Hochschulen in Bayern erwartet, und folglich werde sich die Zahl der Studierenden dauerhaft bis über das Jahr 2016 hinaus erhöhen. Um dem Ansturm auf die Universitäten standhalten zu können, werden bis 2011 zusätzliche 38.000 Studienplätze aufgebaut, was 3.000 zusätzlichen Personalstellen entspricht. Die räumlichen Kapazitäten werden um rund 130.000 qm erweitert. Hierbei handele es sich um einen flächendeckenden Ausbau an allen Standorten, unterstrich Becker, wobei eine hälftige Aufteilung der zusätzlichen Studienplätze zwischen den Universitäten und Fachhochschulen vorgenommen wird. Für die Absolventinnen und Absolventen des letzten G9–Jahrgangs wird das Angebot an Studiengängen im Sommersemester 2011 ausgeweitet und es gibt Überbrückungsangebote wie Praktika und Sprachkurse bis zum Beginn des Wintersemesters 2011/2012. In den anschließenden Foren beantworteten die Vertreter des Kultus- und des Wissenschaftsministeriums, Ministerialdirigent Walter Gremm, Studiendirektor Martin Wunsch, Ltd. Ministerialrat Dr. Michael Mihatsch und Ministerialrat Becker den rund 130 Teilnehmern Einzelfragen.

Es ging darum, wie man sich als G9-Schüler für das Sommersemester 2011 einschreiben kann, ohne ein Abiturzeugnis vorweisen zu können. Schülerinnen und Schüler des G9 erhielten, so Mdgt. Gremm, gegen Ende des Ausbildungsabschnittes 13/1 ein Zeugnis mit den bis dahin erzielten Gesamtleistungen, um sich an den jeweiligen Universitäten oder Hochschulen für angewandte Wissenschaften bewerben zu können. Im Hinblick auf den Numerus Clausus beruhigte MR Becker mit der Auskunft, dass sich der auf Grund des Doppeljahrgangs voraussichtlich keine wesentlichen Änderungen ergeben werden, da ja durch den Ausbau der Hochschulen zusätzliche Kapazitäten geschaffen würden. Außerdem widersprach Mdgt. Gremm einem weit verbreitetem Gerücht: Es sei keinesfalls ministerielle Vorgabe, dass das G8-Abitur – auf Grund des Erfolgdrucks aus Politik und Gesellschaft – besser ausfallen müsse als das G9-Abitur.

Zudem seien die Ergebnisse der ersten Halbjahresleistung in K12 und Q11 beinahe identisch. Ferner unterstrich er, dass im neuen achtjährigem Gymnasium verstärkt auf die Mündlichkeit gesetzt werde, da seiner Meinung nach Ausdrucks- und Präsentationsfähigkeit ein wichtiger Beitrag zur Studierfähigkeit sei. Deshalb werden in der Oberstufe des G8 die Leistungen im Mündlichen und Schriftlichen im Verhältnis 1:1 gewertet. Auch wenn in Einzelfällen nicht alle Aussagen der Ministerialbeamten schlüssig zusammenpassten – so soll zum Beispiel das Zusatzangebot für die G9-Absolventen zwar jene nicht bevorzugen, andererseits wird aber die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit dieses Angebotes, das es ja für G8-Absolventen nicht gibt, unterstrichen – für uns Vertreterinnen der Schülerseite war diese Tagung zum doppelten Abiturjahrgang eine gelungene und informative Veranstaltung, insbesondere da wir unsere Fragen unmittelbar den zuständigen Vertretern der Ministerien stellen konnten und somit Informationen aus erster Hand bekamen. re

Rubriklistenbild: © PA

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