Schülerbeförderung mit Hindernissen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Oberbürgermeister Manfred Kösterke: "Die Beförderungspflicht dient ausschließlich der Sicherheit des Schulwegs und nicht dazu, die Eltern zu entlasten."

Traunstein - Für einige Strecken wurde die Schülerbeförderung in diesem Jahr gestrichen. Doch die betroffenen Eltern haben davon erst in der vergangenen Woche erfahren.

Die Überraschung bei Angelika S. war groß, als ihre beiden Söhne Andreas (11) und Maximilian (13) nach dem ersten Schultag nach Hause kamen und keine Fahrkarten dabei hatten. "Bislang war es so, dass die Kinder ihre Fahrausweise zu Beginn der Schulzeit von der Schule bekommen haben", so die 34-Jährige. Doch nicht so in diesem Jahr. Nach einigen Telefonaten mit den Behörden der Stadt fand die Hausfrau heraus, dass laut eines Beschlusses des Stadtrats vom März 2012 die Schülerbeförderung für bestimmte Strecken geändert wurde. Davon betroffen ist auch der Schulweg ihrer beiden Kinder von der Salzburger Straße zur Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. 

Unter Punkt Fünf steht in der Verordnung: Für den Schulweg von der Salzburger Straße zur Franz-von-Kohlbrenner- Mittelschule wird keine besondere Gefährlichkeit mehr festgestellt. Den Hauptschülern aus der Salzburger Straße wird der bisherige Beförderungsanspruch aberkannt.

Das gleiche gilt auch für die Schulwege von Sparz, der Wasserburger Straße, Empfing, Einham und Kotzing zur Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Dem Beschluss vorausgegangen war eine Verkehrswege-Überprüfung der Schulwege im Januar diesen Jahres durch die Schulwegsbeauftragte Gabriele Hartkopf und der Polizei. Und da es in der Salzburger Straße mittlerweile einen von der Straße getrennten Geh- und Radweg gibt, sind die Experten zu der Einschätzung gekommen, dass dieser Schulweg keine besondere Gefährlichkeit für Haupt- und Mittelschüler mehr aufweist. Den betroffenen Eltern wurde das aber nicht mitgeteilt. S. wandte sich daraufhin an unsere Redaktion, um Antworten zu bekommen. "Wenn wir frühzeitig über diesen Beschluss informiert worden wären, hätten wir wenigstens Fahrgemeinschaften bilden können."

Eltern wurden nicht direkt informiert

Oberbürgermeister Manfred Kösterke spricht in diesem Zusammenhang auch von einem "Defizit" bei der Weitergabe der Informationen an die betroffenen Eltern. Der Beschluss sei über den Verwaltungsweg der Schule mitgeteilt worden, damit diese ihn den Schüler und den Eltern mitteilen könne. "Wie die Schule das dann weitergegeben hat an die Schüler oder die Eltern, weiß ich nicht", erklärt Kösterke. "Darin sehe ich auch durchaus ein Defizit, dass wir nicht direkt die betroffenen Eltern informiert haben, durch ein Schreiben oder ähnliches." Mittlerweile habe er aber das Problem schon abgestellt. "Ich habe mit den betroffenen Abteilungen gesprochen und mitgeteilt, dass bei solchen Änderungen in Zukunft die Eltern direkt von der Verwaltung angeschrieben werden."

Der Rektor der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule, Hubert Schmid, erklärte auf Anfrage von chiemgau24.de, dass die Schule im Mai 2012 eine Übersicht über die Straßen bekommen habe, bei denen die Fahrtkosten im Rahmen der Schülerbeförderung im Schuljahr 2012/13 nicht mehr von der Stadt übernommen werden. "Wir haben damals aber nicht sofort registriert, dass das solche Auswirkungen für das kommende Schuljahr haben wird." Und daher wurden die betroffenen Eltern auch nicht von der Schule über die Änderungen informiert. "Allerdings stand auf dem Hinweis auch nicht, dass wir das mitteilen sollen", meinte der Rektor. Ihm tue es aber sehr leid, dass die Eltern nicht informiert wurden.

Gefahrensituation am Kniebos

Der Schulweg der Kinder von Angelika S. führt über den Kniebos.

Für S. ist die Sache damit aber noch nicht gegessen. Sie sieht den Schulweg ihrer Kinder, gerade im Bereich desKniebos, immer noch als gefährlich an. Auch der Oberbürgermeister versteht die Ängste der Eltern. "Auf der anderen Seite muss man aber die natürliche Entwicklung berücksichtigen: Wenn sich ein Kind mit zehn Jahren bereits in einer Stadt im Straßenverkehr bewegt, dann muss man ihm eigentlich die Erfahrung zutrauen, dass es zum Beispiel auch am Kniebos die Querung der Straße hinbekommt." Als er selbst noch Grundschüler gewesen sei, sei er täglich diese Strecke gegangen. "Und es ist durchaus möglich, wenn man diesen Weg kennt, die Straße dort zu überqueren."

Die 34-jährige Angelika S. befürchtet durch den neuen Beschluss auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Schülern. "Die Eltern, die sich die 29 Euro für die Fahrkarte im Monat leisten können, tun das natürlich. Und die restlichen Kinder müssen zu Fuß zur Schule gehen." Kösterke versteht diese Argumentation aber nicht: Die Beförderungspflicht diene ausschließlich der Sicherheit des Schulwegs und nicht dazu, die Eltern finanziell zu entlasten. "Der Landkreis, der für die weiterführenden Schulen zuständig ist, gewährt nirgends Fahrleistungen wegen der Gefährlichkeit von Schulwegen. Und da muss man auch die Gleichbehandlung berücksichtigen."

S. wird aber weiterkämpfen. Sie will zusammen mit anderen betroffenen Eltern jetzt eine Einzelfall-Entscheidung bei der Stadt beantragen.

red/ps

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser