Eingreifen zum Wohl der Kinder

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Im Kreis Traunstein nahmen die Jugendamts-Mitarbeiter vergangenes Jahr 17 Kinder und Jugendliche in Obhut, weil deren Wohl gefährdet war.

Landkreis - Vernachlässigte, misshandelte, und missbrauchte Kinder werden von den Jugendamts-Mitarbeiter im Landkreis in Obhut genommen. 2011 waren das 17 Kinder und Jugendliche.  

Fälle wie jene der verhungerten kleinen Lea-Sophie aus Schwerin oder des verwahrlosten und zu Tode misshandelten Kevin aus Bremen sind nur die Spitzen des Eisbergs. Hier im Kreis Traunstein nahmen die Jugendamts-Mitarbeiter vergangenes Jahr 17 Kinder und Jugendliche in Obhut, weil deren Wohl gefährdet war. Das waren zwölf Schutzmaßnahmen mehr als im Vorjahr, geht aus den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik weiter hervor.

In Pflegefamilien oder in Heimen untergebracht

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen wurden aus ihren Familien genommen und vorübergehend für einige Stunden oder Tage in Bereitschaftspflegefamilien oder in Heimen untergebracht. In vielen Fällen schließt sich an diese Inobhutnahme oder Herausnahme (auch gegen den Willen der Sorgeberechtigten) eine Hilfe zur Erziehung an. Einige kehren dann zu den Eltern zurück, wie dies etwa bei Kevin der Fall war, andere kommen fest in einer Pflegefamilie oder im Heim unter. Wieder andere benötigen stationäre Hilfe in einem Krankenhaus oder der Psychiatrie.

Oft wenden sich die Jugendlichen in ihrer Not selbst ans Jugendamt - das erfolgte im Kreis Traunstein vergangenes Jahr allerdings in keinem der Fälle. Manchmal sind es auch die Eltern. Aber die meisten Hinweise auf verwahrloste, misshandelte oder missbrauchte Kinder kommen von der Polizei, von Erzieherinnen und Lehrern, von Nachbarn oder Kinderärzten.

Ansteigende Zahl an Schutzmaßnahmen

Nicht nur im Kreis Traunstein, sondern bezogen auf ganz Bayern ist die Zahl dieser Schutzmaßnahmen wieder gestiegen, stellen die Statistiker vom Landesamt in ihrer Pressemeldung fest. Die Jugendämter im Freistaat griffen 2011 insgesamt 2982 Mal ein. Verglichen mit dem Vorjahr (2883 Fälle) war das ein Anstieg bei der Zahl der Schutzmaßnahmen um 3,4 Prozent. Im Jahr 2009 registrierten die Statistiker knapp 2600 Fälle und im Jahr 2006 erst 1900.

Die gewaltige Steigerung beruht Soziologen zufolge einerseits auf einer höheren Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Fälle wie der Tod des vom drogensüchtigen Ziehvater vernachlässigten, zweijährigen Kevin in Bremen im Jahr 2006 oder der Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie 2007 in Schwerin haben die Menschen sensibler gemacht. Andererseits sehen die Experten auch die immer schwieriger werdenden Lebensverhältnisse von vielen Familien.

Im Gegensatz zum Vorjahr war die Mehrheit der im Jahr 2011 von Schutzmaßnahmen betroffenen Minderjährigen bayernweit jünger als 14 Jahre alt. Rund 53 Prozent aller Inobhut- und Herausnahmen entfielen auf diese Altersgruppe.

Bei uns im Kreis Traunstein waren 13 betroffene Kinder unter 14 Jahre alt, die anderen vier waren zwischen 14 bis 18 Jahre alt. Bei allen 17 Schutzmaßnahmen handelte es sich um Inobhutnahmen. Fälle, in denen Kinder und Jugendliche aufgrund einer Gefährdung den Sorgeberechtigten auch gegen ihren Willen weggenommen wurden, gab es hier nicht.

Der häufigste Grund (Mehrfachnennungen möglich) für eine Schutzmaßnahme war - bezogen auf ganz Bayern - die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils, stellen die Statistiker vom Landesamt weiter fest. Dahinter folgen Beziehungsprobleme, Anzeichen für Misshandlung und Vernachlässigung. Während der Maßnahme waren rund zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen in einer Einrichtung untergebracht. Weniger als die Hälfte (43 Prozent) kehrten nach Abschluss der Schutzmaßnahme zum Sorgeberechtigten zurück, die anderen nicht.

sus/Chiemgau-Zeitung

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