Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

40-Jähriger am Landgericht schuldig gesprochen

Hochschwangerer Frau mitten in Mühldorf mehrfach in Bauch getreten - Urteil gefallen

Mühldorf am Inn
+
Hier, auf dem Mühldorfer Stadtplatz, attackierte der Mann (40) die hochschwangere Frau (damals 28).

Vollkommen aus dem Nichts heraus attackierte Mitte August 2021 ein psychisch kranker Mann zwei Frauen in der Innenstadt von Mühldorf am Inn. Vor allem auf eine von ihnen, die hochschwanger war, trat und schlug er ein. Nun fiel am Donnerstag (21. April), nachdem sein Fall vor dem Landgericht Traunstein verhandelt wurde, auch schon das Urteil.

Update, 17.35 Uhr - Urteil gefallen

Das Urteil des Traunsteiner Landgerichts ist gefallen – und es war abzusehen: Der Angeklagte, 40 Jahre alt und aus Mühldorf, muss im Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg bleiben. „Es bedarf einer langfristigen Unterbringung“, so der Vorsitzende Richter Volker Ziegler. Der Mann sei „psychisch schwer erkrankt und ihm ist auch selbst bewusst, dass ähnliche Taten sonst wieder zu erwarten wären“.
 
Der 40-Jährige ging am Nachmittag des 17. August 2021 am Mühldorfer Stadtplatz auf zwei Frauen los. Einer 28-Jährigen, die im neunten Monat schwanger war, trat er mehrmals in den Bauch – auch dann, als sie noch am Boden lag. Dann ging der Mann auf ihre Schwester los, schlug und trat auch sie. Passanten, die sich einmischten und helfen wollte, drohte er dann mit einem Klappmesser. Das damals noch ungeborene Kind kam zwar verfrüht, aber gesund zur Welt. Die beiden Frauen leiden noch heute psychisch stark unter dem Angriff.

Schon 2004 in München griff der 40-Jährige eine hochschwangere Frau an und wurde daraufhin eingewiesen. Richter Ziegler sieht es dabei aber noch nicht als erwiesen an, dass er „einen Wahn hat, Schwangere angreifen zu müssen“. Dass er bei der Tat in Mühldorf aber zuerst gezielt auf die schwangere 28-Jährige losging, sei jedoch klar. Schon Tage zuvor habe er Stimmen gehört, auf die Mühldorfer Bevölkerung losgehen zu müssen. Täter und Opfer kannten sich zuvor nicht. 

Update, 16.30 Uhr - Angeklagter aus Mühldorf: „Es hätte auch jeden anderen treffen können“

Durch das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen wird jetzt noch mehr über den Angeklagten bekannt. Als er zwischen 18 und 21 Jahre alt war, habe er oft Cannabis, Ecstasy, Speed und Heroin genommen. Dann die erste Haft und die erste Therapie. Seitdem habe er mit Drogen nichts mehr am Hut gehabt. „In Gesprächen hat er mir gesagt, die Mühldorfer Bevölkerung habe etwas gegen ihn“, so der Sachverständige. Auch er attestiert ihm eine paranoide Schizophrenie – an jenem Tag, dem 17. August 2021, habe er dann die Kontrolle über sich verloren.

Seit seiner Festnahme und der Unterbringung im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum wurden die Medikamente des Angeklagten umgestellt. „Er ist krankheitseinsichtig und zeigte sich immer kooperativ“, so der Sachverständige. Er spricht sich für eine weitere Unterbringung aus: „Auch der Angeklagte selbst kann sich ein Leben in Freiheit nicht mehr vorstellen.“
 
Dem Vorschlag, dass der 40-Jährige im ISK Wasserburg bleiben soll, schließen sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung an. Die Staatsanwaltschaft sieht die Anklage bestätigt: gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und versuchter Schwangerschaftsabbruch. Verteidigerin Anita Süßenguth widerspricht in erster Linie bei letzterem Punkt: „Aus der Wahrnehmung des Angeklagten waren die Frauen zufällige Opfer. Sie wurden nicht ausgewählt, weil eine von ihnen schwanger war.“
 
Auch der Angeklagte selbst betont im sogenannten letzten Wort: „Es hätte auch jeden anderen treffen können.“ Der Angeklagte habe nicht nur die Leben der beiden Frauen „massivst negativ beeinflusst“, sondern auch sein eigenes, so Anwältin Süßenguth. Er selbst ergänzte schließlich: „Eigentlich habe ich seit 2004 nichts mehr angestellt. Ich hatte nicht geahnt, dass es eine Psychose ist.“ 

Nun fehlt nur noch das Urteil des Traunsteiner Landgerichts.

Update, 15.30 Uhr - Angeklagter griff nicht zum ersten Mal Hochschwangere an

Jetzt wurde das Vorstrafenregisters des 40-Jährigen am Traunsteiner Landgericht bekannt: sechsmal wurde der Mühldorfer bereits verurteilt - auch einschlägig. Vor allem ein Urteil aus München aus dem Jahr 2004 sticht heraus. Schon damals griff er eine Frau tätlich an, die ebenfalls im neunten Monat schwanger war. Die psychische Krankheit wurde schon damals beim Angeklagten festgestellt, er wurde für 14 Monate in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.
 
Das erste Urteil wegen Bedrohung stammt bereits aus dem Jahr 1999, als der Angeklagte noch nicht volljährig war. Es folgten Urteile aus München und Nürnberg wegen Drogen, gefährlicher Körperverletzung und Raub - bis zum jüngsten aus dem Jahr 2004. Aus den Ausführungen des Vorsitzenden Richters Volker Ziegler geht außerdem hervor, dass der Angeklagte wohl schon in jungen Jahren heroinsüchtig war, mit Arbeits- und Obdachlosigkeit zu kämpfen hatte.
 
Auch Zeugen traten noch auf, die den Frauen zur Hilfe eilten. Ein Mann, der zuvor im benachbarten Eiscafé saß, berichtet, den Mann von hinten in den Schwitzkasten genommen zu haben. Plötzlich habe der Angeklagte ein Messer genommen und versucht, nach ihm zu stechen. Ein anderer Zeuge berichtet, der Angeklagte hätte ihn mit weit aufgerissenen Augen angeschrien: „NRW wird uns ficken, Berlin wird uns auseinandernehmen.“
 
Zur schwangeren 28-Jährigen, die er angriff, habe er gesagt: „Du machst mir das Leben zur Hölle“, so eine Zeugin - obwohl sich beide nicht kannten. Auch ein Polizist, der als erster am Tatort eintraf, sagt vor Gericht auf: „Wir haben ihn gleich erkannt und sind direkt auf ihn zu. Aber er hat sich gleich festnehmen lassen.“ Noch zu den Beamten habe er gesagt, dass er Stimmen höre und er das machen müsse, weil alle „böse“ seien. „Er hat auf uns einen sehr verwirrten Eindruck gemacht“, so der Polizist.

Nun folgt das psychiatrische Gutachten über den 40-jährigen Mühldorfer, dann Plädoyers und das Urteil. 

Update, 14 Uhr - „Auch als meine Schwester am Boden lag, trat er immer wieder gegen ihren Bauch“

Jetzt liegt es an der Schwester der Hauptgeschädigten, noch mehr Licht in den Fall zu bringen, der sich im August 2021 am Mühldorfer Stadtplatz abspielte. Vom Einkaufen seien die beiden gekommen, dann sei ein Mann an ihnen vorbei, „und ich hörte meine Schwester nur noch schreien“, so die Zeugin. Sie musste zusehen, wie ihr immer wieder in den Bauch getreten wurde: „Auch als sie schon am Boden lag, hat er immer wieder gegen ihren Bauch getreten.“
 
Die Zeugin berichtet, wie sie sich dazwischenwarf und dann auch selbst Tritte abbekam. „Hör auf, sie ist schwanger!“, habe sie gerufen. Prellungen an Kopf und Rippen sowie ein blaues Auge bekam sie ab. Und auch sie betont: „Wir kannten den Angeklagten gar nicht.“ Noch bis heute ist die Frau in psychologischer Behandlung, erschrickt sich seit dem Übergriff oft vor fremden Menschen oder auch vor Tieren.
 
Der Schwangerschaftsbauch ihrer Schwester sei nicht zu übersehen gewesen: „Sie hatte schon eine richtig dicke Kugel.“ Richtig „teilnahmslos“ sei ihre schwangere Schwester schließlich im Sanka gesessen, als sie in Sicherheit waren. „Es tut mir leid. Ich war damals sehr krank und hatte es nicht unter Kontrolle“, wendet sich der 40-Jährige mit einer Entschuldigung an die Zeugin.
 
Nun werden jene Zeugen geladen, die den beiden Frauen zur Hilfe kamen und laut Staatsanwaltschaft mit einem Messer vom Angeklagten bedroht wurden. Auch ums Vorstrafenregister des 40-Jährigen geht es.

Update, 12.30 Uhr - „Wollte nur noch mein Baby schützen“

Es war wohl der schlimmste Tag im Leben der damals 28-Jährigen – jetzt muss sie dem Traunsteiner Landgericht als Zeugin davon berichten. Schon nach dem zweiten Satz kommen der Frau die Tränen: „Ich war mit meiner Schwester unterwegs, auf einmal zieht mich jemand und tritt mich. Ich habe dann nur noch versucht, mein Baby zu schützen.“ Mit Händen und Armen habe sie versucht, die Tritte gegen den Bauch etwas abzufedern. Ihr Gesicht ließ sie dabei frei.
 
Kurz darauf habe sie in ihrem Bauch schon „nichts mehr gespürt“. Ihre Schwangerschaft war damals schon weit fortgeschritten, 36. Woche. Doch das Kind hat es überlebt, Frauenärzte sprachen von „großem Glück“. Die Frau habe „nur“ früher entbinden müssen. Auf die Frage des Gerichts, wie es ihr selbst heute gehe, antwortet die Geschädigte: „Ehrlich gesagt geht’s mir scheiße. Ich leide unter massiven Angstzuständen, habe Angst, alleine rauszugehen. Wenn mich jemand von hinten anspricht, bekomme ich einen halben Herzinfarkt.“

Der Angeklagte war ihr zum damaligen Zeitpunkt, im August 2021, völlig unbekannt. Er hat die Tat derweil vor Gericht im Wesentlichen eingeräumt. Nur dass die Frau schwanger gewesen war, habe er nicht erkannt und mit dem Messer habe er in Richtung der Helfer keine Stichbewegungen gemacht. Als er versucht, sich bei der Frau zu entschuldigen, sagt sie nur: „Sie wissen nicht, wie es mir jetzt geht…“

Nun werden die Schwester, mit der die Geschädigte zusammen in Mühldorf unterwegs war, und Helfer als Zeugen geladen. 

Update, 11.30 Uhr - Anklage verlesen: Gezielte Tritte gegen Bauch – Frau im neunten Monat

Es geschah am helllichten Tag, mitten am Mühldorfer Stadtplatz. Am 17. August soll ein 40-Jähriger völlig durchgedreht sein. Jetzt sitzt er vor dem Landgericht in Traunstein, die Anklage gegen ihn wird verlesen: Die Hauptgeschädigte – im neunten Monat schwanger – sei mit ihrer Schwester über den Stadtplatz gegangen, in die Konrad-Adenauer-Straße. Als der Angeklagte die beiden passierte, habe er angegriffen.

„Unvermittelt trat er der Geschädigten zweimal aus dem Stand mit voller Wucht gegen ihren Bauch“, so die Staatsanwältin. Dann ein Faustschlag gegen den Kopf der Schwangeren, die damals 28 Jahre alt war. Nach dem Schlag sei die Frau zu Boden gegangen. „Er ging gezielt gegen die Geschädigte als Schwangere vor“, betont die Staatsanwältin. Als die Schwester dazwischengehen wollte, habe er sie immer wieder weggezogen, um weiter auf den Schwangerschaftsbauch einschlagen zu können.
 
Auch als die 28-Jährige schließlich am Boden lag: von mindestens fünf gezielten Tritten gegen den Bauch und einem gezielten Tritt gegen den Kopf berichtet die Staatsanwaltschaft. Die Frau habe dann ihr Kind nicht mehr gespürt, Wehen hätten vorzeitig eingesetzt. Aber auch ihre Schwester habe Schläge und Tritte des 40-Jährigen abbekommen. Und: Männern, die zur Hilfe eilten, habe der Angeklagte mit einem ausgeklapptem Messer und einer Glasflasche gedroht und damit auch ausgeholt.
 
Aber: Der Angeklagte ist wohl psychisch krank und habe zum Tatzeitpunkt „Stimmengehört. Seit der Festnahme ist er im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum untergebracht. Er habe wohl im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Vorgeworfen wird dem 40-Jährigen gefährliche Körperverletzung, versuchter Schwangerschaftsabbruch und Bedrohung.
Wie wird sich der Angeklagte jetzt selbst äußern? Und was berichten die beiden Frauen?

Update, 10.40 Uhr - Prozess jetzt begonnen

Vor dem Traunsteiner Landgericht hat jetzt der Prozess gegen einen 40-jährigen Mühldorfer begonnen, bei dem einen die Vorwürfe zusammenzucken lassen. Laut Staatsanwaltschaft wollte der Mann das ungeborene Kind im Bauch einer Hochschwangeren töten. Die Tat spielte sich am Nachmittag des 17. August vorigen Jahres mitten in Mühldorf ab.

Laut Anklage leidet der 40-Jährige unter einer psychischen Krankheit. Helfer, die herbeieilten, habe er dann mit dem Messer bedroht. Gleich wird die Anklage verlesen, sodass alle Details bekannt werden, die dem Mann vorgeworfen werden. 

Erstmeldung

Mühldorf am Inn/Traunstein – Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie im Zustand der Schuldunfähigkeit, eine gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit versuchtem Schwangerschaftsabbruch, Körperverletzung, Bedrohung und versuchter gefährlicher Körperverletzung begangen zu haben. Da von ihm weitere derartige Taten zu erwarten seien, stelle er eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, weshalb die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung beantragt.

Schwangere in Mühldorf attackiert: Mann in Traunstein vor Gericht

Laut dem Polizeibericht befanden sich Mitte August des vergangenen Jahres zwei 28- und 31-jährige Frauen im Bereich eines Durchgangs in der Konrad-Adenauer-Straße in Mühldorf am Inn, als ihnen der unbekannte 40-jährige Mann entgegengekommen sei. Völlig unvermittelt habe dieser die 28-jährige schwangere Frau angegriffen und sie mit Schlägen und Tritten, unter anderem gegen den Oberkörper, verletzt. Ihre 31-jährige Begleiterin sowie Passanten, die auf den Tumult aufmerksam geworden worden waren, seien der jungen Frau sofort zu Hilfe gekommen und hätten den 40-jährigen Mann abgedrängt. Dieser habe daraufhin ein Messer gezogen und die Passanten bedroht. 

Trotz der erheblichen Gefährdung für sich selbst hätten die mutigen Passanten den aufgebrachten Mann bis zum Eintreffen der ersten Polizeistreife in Schach gehalten. Die Beamten hätten den 40-Jährigen letztlich widerstandslos festnehmen können. Die 28-jährige Frau wurde mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sich glücklicherweise auch herausstellte, dass das ungeborene Kind unverletzt ist. Ihre 31-jährige Begleiterin sowie einer der mutigen Passanten erlitten ebenfalls leichte Verletzungen.

„Die beiden waren absolute Zufallsopfer“, berichtete in der Folge Polizeisprecherin Carolin Englert auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Englert sprach weiter von einer „ganz schlimmen Situation für die beiden Frauen“. Zwischen dem Täter und den beiden Frauen habe es zuvor keinen Kontakt oder eine Bekanntschaft gegeben. „Das hätte in dem Moment jeden treffen können, der in der Nähe war“, so die Polizeisprecherin.

Der Prozess beginnt am Donnerstagvormittag um 8.30 Uhr. Aktuell ist nur ein Prozesstag angesetzt. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Prozess.

hs/Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Kommentare