200 Seiten Heimatgeschichte

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Traunstein um 1600, links die Veste.

Traunstein - Später als sonst ist jetzt das Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein erschienen. Durch Lieferschwierigkeiten hat sich alles verschoben.

Krankheitsbedingte und liefertechnische Verzögerungen haben die Ausgabe 2010 quasi in den Beginn des Jahres 2011 geschoben. Doch inhaltlich sollte dies keine Rolle spielen, denn auch im 22. Jahr des Bestehens ist es Stadtarchivar und Schriftleiter Franz Haselbeck wieder gelungen, eine interessante Mischung von Aufsätzen unterschiedlicher Autoren zusammenzustellen. Dass dabei etwas weniger Einzelbeiträge als gewöhnlich das Buch füllen, erklärt sich aus der Tatsache, dass dem verdienten und überregional bekannten Heimatforscher Gebhard Diener, u.a. Verfasser der Haus- und Hofgeschichte der Gemeinde Kammer („Chronik der Höfe“), Raum für eine umfangreiche Arbeit zur Geschichte der Vornamengebung gegeben wurde.

Luftaufnahme der Grabung im Bereich des alten Stadtbauamtes, Mai 2006.

Den Anfang macht allerdings der Beitrag „Ministerialenburg und Herzogsveste – Archäologische Untersuchung an der Veste Traunstein 2006“. Verfasser ist der Bamberger Archäologe Jochen Scherbaum, der vor nunmehr fünf Jahren mit den Grabungen im Bereich des alten Stadtbauamtes an der Mittleren Hofgasse betraut war. Illustriert mit zahlreichen Fotos und aussagekräftigen Plänen und Skizzen im Anhang schildert Scherbaum detailliert die Ergebnisse der Ausgrabung, die nach der Neubebauung des Grundstücks quasi wieder ‚im Erdboden verschwunden’ ist. Zusammen mit dem im Jahrbuch 2005 abgedruckten Vortrag von Franz Haselbeck „Herzogsburg, Veste und Pfleggericht Traunstein“ ergibt sich nunmehr eine sowohl archivalisch wie auch archäologisch vorzüglich dokumentierte Zusammenschau der Frühgeschichte der Stadt Traunstein, die einiges, was bislang darüber in der heimatkundlichen Literatur publiziert wurde, präzisiert und richtig stellt.

Der in Traunstein geborene Kunstmaler und Heimatforscher Max Fürst (1846–1917), Namensgeber des Preises, den der historische Verein alljährlich verleiht.

Es folgt die bereits angesprochene Arbeit von Gebhard Diener „Die Vornamengebung in der salzburg-bayerischen Pfarrei Otting von 1633 bis 1900“. Der Autor ist vor allem den Bewohnern von Kammer bestens bekannt, da er sich im Verlauf seiner jahrelangen Recherchen für die genannte Chronik der Kammerer Höfe oftmals auch persönlich mit deren Besitzern getroffen hat. Dem Jahrbuch des Historischen Vereins ist er ein über die Jahre treuer Autor, dessen Beiträge sich stets durch absolute Gründlichkeit auszeichnen. Er befasste sich schon mit dem „Maut- und Kastenhaus in Traunstein“ (1997), den „Hofnamen der Gemeinde Kammer“ (2004) sowie mit „Balthasar Permoser – Anmerkungen zu Herkunft und Kindheit“ (2005), um nur einige Beispiele zu nennen. Aktuell durchleuchtet er die Motive, die in einer bäuerlich-ländlichen Gegend hinter der Wahl des Vornamens standen, ergänzt von zahlreichen Statistiken, Tabellen und Graphiken, mit der ihn auszeichnenden Akribie – ein Nachschlagewerk, das von Heimatforschern und Wissenschaftlern jetzt und in Zukunft immer wieder herangezogen werden kann und auch wird.

Diesem zentralen Beitrag folgt ein Abdruck der Rede von Gerd Evers, gehalten am 3. Oktober 2010 im Großen Saal des Traunsteiner Rathauses anlässlich der Feierstunde zur 20-jährigen Wiederkehr der Deutschen Wiedervereinigung. Die bisherigen Max-Fürst-Preisträger seit 2002 – zu denen seit dem letzten Jahr auch Evers zählt – führt anschließend in einer kurzen Rückschau Helmut Kölbl auf. Dabei vergisst er auch nicht, sämtliche Jugendpreisträger und deren prämierte Arbeiten zu nennen. Walter Staller stellt die regionalen heimatkundlichen Buchneuerscheinungen 2010 vor, bevor Dr. Jürgen Eminger, Leiter des Traunsteiner Stadt- und Spielzeugmuseums, und Hans Helmberger, Schriftführer des Vereins, mit ihren Jahresberichten das Jahrbuch abrunden. Für die Freunde der Stadt- und regionalen Heimatgeschichte sollte es wie jedes Jahr ein ‚Muss’ sein.

Das Jahrbuch 2010 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein (200 Seiten / 46 Abbildungen in schwarz-weiß) – das dekorative Titelbild zwei Luftaufnahmen der Ausgrabungen beim alten Stadtbauamt –, gedruckt von der Firma Anton Miller, ist zum Preis von 8.- € im Traunsteiner Buchhandel, im Verlagshaus Miller in der Marienstraße, im Heimathaus sowie im Stadtarchiv Traunstein zu erwerben.

Pressemitteilung Stadt Traunstein

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