In Siegsdorf/Bad Adelholzen

Bayern-Präsident Hoeneß und Trainerlegende Gerland beim Wirtschaftsempfang

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Bayern-Präsident Hoeneß und Trainerlegende Gerland beim Wirtschaftsempfang in Bad Adelholzen

Siegsdorf - Der Fachkräftemangel und neue Strategien bei der Anwerbung von Auszubildenden sind gegenwärtig immer wieder Themen in Vorstandsetagen, Personalbüros, Schulen und Medien. Dass das Thema auch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München Top-Priorität genießt, zeigte sich beim Empfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen.

Der Gewerbeverband Traunstein und Umgebung hatte als Veranstalter drei hochkarätige Gäste gewonnen, die spannende Einblicke in das Innenleben des Vereins mit 600 Millionen Euro Umsatz, 295.000 Mitgliedern und 1.000 Mitarbeitern gaben: den Sky-Reporter, Filmproduzent und FC Bayern-Kenner Uli Köhler, FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Hermann Gerland, sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums der Bayern. 

Stefan Höchter, Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen, informierte vor den rund 400 Gästen aus Wirtschaft, Politik, von Verbänden, Kirche und Behörden über die aktuelle Geschäftssituation des Mineralbrunnens. In diesem Jahr erwarte man mit 580 Millionen Füllungen einen neuen Rekord. Mit Stolz verwies Höchter auf die Bronze-Auszeichnung als „Produkt des Jahres“ für die neue PET-Flasche durch das Branchenmagazin „Lebensmittelpraxis“. 

Seit 2000 Partnerschaft mit FC Bayern 

Bis ins Jahr 2000 zurück reiche die Partnerschaft mit dem FC Bayern. Höchter erinnerte in Film, Bild und Ton an Werbeclips und Jugendaktionen mit Torwart-Titan Oliver Kahn und Philipp Lahm. An Ostern werde ein neuer Spot gezeigt, der in Zusammenarbeit mit Thomas Müller, Josua Kimmich und Sebastian Rudy entstanden ist. 

Bilder: Witschaftsempfang mit Uli Hoeneß und Hermann Gerland

Siegfried Walch sah als Landrat und FC Bayern-Mitglied eine Steilvorlage im Thema des Abends „Talente für die heimische Wirtschaft und den Spitzensport“. Grundlage für die hohe Wirtschaftskraft der Region seien die vielfältige Unternehmensstruktur mit starkem Mittelstand, aber auch die starke Identifizierung mit der Heimat und der soziale Zusammenhalt der Menschen. Walch brach eine Lanze für die duale Ausbildung. Als „Grundlage unseres Wohlstands“ biete die berufliche Bildung aufgrund geänderter Marktbedingungen gute Karrierechancen für Fachkräfte. Ähnlich wie im Fußball sollte man sich dabei von Talenten und Spitzenspielern im Mannschaftsgeist zu Höchstleistungen mitreißen lassen „anstatt Neid und Missgunst zu pflegen“. 

„Ablösewahn“ mit Milionentransfers 

Auf den „Ablösewahn“ mit Spielertransfers in dreistelliger Millionenhöhe ging Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der Podiumsdiskussion ein. Von Oligarchen, Scheichs oder Großinvestoren wolle sich der FC Bayern nicht abhängig machen. Deshalb habe man seit 20 Jahren auf die Entwicklung von Talenten durch konsequente Nachwuchsarbeit gesetzt. Die Erfolge von Thomas Müller, Holger Badstuber, Philipp Lahm oder David Alaba gäben dem Verein recht. 

Dieser stehe wirtschaftlich zwar gut da, müsse sich aber auf neue gesellschaftliche Realitäten und die Konkurrenz im „Weltfußballzirkus“ einstellen. Neben weltweiter Talentsichtung setze man auf die neue, für 100 Millionen Euro in München eingerichtete Nachwuchsakademie. In ihr trainieren Junioren von der U9 bis zur U19. „Wir haben uns früher Technik und Spiel noch beim Kicken nach der Schule auf dem Bolzplatz beigebracht, bei der heutigen Generation Smartphone muss man das frühzeitig in professionelle Hände geben“, sagte Hoeneß.

 „Talent allein reicht nicht mehr“ 

Welche Rolle das Umfeld und die Eltern spielen, wollte Moderator Uli Köhler wissen. Der Kampf um Nachwuchskräfte ähnle dem in der Wirtschaft, erklärte Hoeneß: Gefragt seien kreative neue Ideen. Eltern, die ihre Kinder mit der Aussicht auf Versorgung im Alter und „Dollarzeichen in den Augen“ zum Training nötigen, erteilte Hoeneß eine Absage. „Die müssen es selber wollen, extrem an sich arbeiten und auf vieles verzichten. Talent allein reicht heute bei weitem nicht mehr.“ Er berichtete, wie er als Jugendlicher selbst vier Jahre lang täglich an der Verbesserung seiner Sprintleistung gearbeitet habe. 

Immer wieder gewürzt mit markigen Sprüchen, erzählte Trainerlegende Hermann Gerland aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Bundesligaspieler und vielfacher Profi-Trainer. Nachwuchsstar Philipp Lahm habe er Trainer Felix Magath zum Spieleraufbau mit den Worten angeboten: „Sieht aus wie 15, spielt wie 30, nur im Tor kommt er nicht an die Latte.“ Am Beispiel des aus Portugal transferierten Bayernspielers Renato Sanchez diskutierten Gerland und Hoeneß die Gefahr, vermeintlich millionenschwere „Wunderkinder“ zu früh und unvorbereitet in Weltklassemannschaften einzugliedern. 

Trainer muss viele Rollen beherrschen 

Dass der Trainer als Tröster, Motivator, Kommunikationstalent, knallharter Antreiber, Taktikstratege, moralisches Vorbild und Teamgeist-Vermittler unter Solisten viele Rollen wie der Chef eines Unternehmens beherrschen müsse, erklärte Gerland anekdotenreich an zahlreichen Beispielen. Der Erfolg von Jupp Heynckes etwa liege darin, „dass er in der Seele der Spielen lesen kann“ und Begeisterung im ganzen Team wecken könne. Angesichts ihrer Freude über das neue Leistungszentrum für Fußball in Traunstein plädierten Hoeness und Gerland dafür, auch anderen Sportarten wieder mehr Beachtung zu schenken, „damit der Fußball nicht alles erschlägt“. 

Zum Abschluss versteigerte Moderator Uli Köhler voller Engagement zwei T-Shirts von Bayernspielern, die Petra Mayer für 650 Euro (Thiago Alcántara) und Ulrich Althoff für 550 Euro (Kingsley Coman) ersteigerten. Der Erlös kommt dem nach einem Unfall im Sommer 2017 querschnittgelähmten Skinachwuchsstar Nikolai Sommer aus Kirchanschöring zugute.

Axel Effner

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