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Siegsdorfer Naturkost kämpft um die Existenz

„David gegen Goliath“: Angst vor dem Bankrott macht sich breit bei den Bioläden

Norbert Wolf räumt im Siegsdorfer Bioladen die Regale mit regionalem Gemüse ein
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Norbert Wolf, Inhaber des „kleinen Bioladens“ in Siegsdorf

Die Biobranche boomt wie noch nie. Aber warum machen immer mehr kleine Bioläden pleite? Nach dem Aus für die Geschäfte „Nimm`s lose“ und dem „Bio-Bistro Strehle“ in Rosenheim: trifft es jetzt auch die Läden in Siegsdorf und Bad Reichenhall?

Siegsdorf/Bad Reichenhall „Ich will nicht aufgeben, ich bin eine Kämpfernatur“; Franziska Haitzmann macht sich Mut und versucht optimistisch zu bleiben. Viel Grund dazu hatte sie nicht in letzter Zeit. Seit zwei Jahren betreibt sie in Bad Reichenhall Emmas Bioladen. Sie könne sich derzeit nicht mal mehr Mindestlohn auszahlen, da der Umsatz einfach nicht reiche. Damit steht sie immerhin nicht allein da. Ihre Kollegen im Siegsdorfer Geschäft „der kleine Bioladen“ stehen ebenso vor großen Herausforderungen. Die Betreiber mehrerer Bioläden in Rosenheim mussten diesen Sommer aufgeben.

Wo sind die Kunden? Das Discounter-Phänomen

„Am Anfang war der große Run, aber das hat sich dann schnell gelegt“ erzählt Norbert Wolf, Inhaber des Bioladens in Siegsdorf. Sie haben das Geschäft im März dieses Jahres übernommen und Anfangs waren sie sehr optimistisch. Die Idee war, sich ein sicheres zweites Standbein zu schaffen neben dem veganen Restaurant „Manjas Cantina“ in Traunstein. Es sei ihnen „schon klar gewesen, dass sie von dem Bioladen nicht reich werden.“ Aber wenigstens die Miete wollten sie von den Einnahmen zahlen können. „Die Leute müssen ja immer was essen“ und deshalb dachten die Betreiber mit Lebensmitteln auf der sicheren Seite zu sein.

Der kleine Bioladen in Siegsdorf

Geht man nach den letzten Statistiken, müsste sich die Annahme von Norbert Wolf bestätigen. Laut Bund der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist der Marktanteil von Bioprodukten im Jahr 2021 um 5,8 Prozent angestiegen. Die Entwicklung zum sogenannten One-Stop-Shopping verstärke sich aber. Das heißt, die Kunden wollen möglichst an einem Ort in Wohnnähe alle Produkte bekommen, die sie brauchen- inklusive der heiß begehrten Bioartikel. Da stoßen sie bei den Discountern auf offene Türen. Diese haben schon längst mit günstigen Produkten auf den Bio Boom reagiert. Dazu kämen die großen Bioladen-Ketten, die auch ganz anders wirtschaften könnten, so Haitzmann.

„Du wirst keinen Aldikäufer dazu bewegen können zu uns zu gehen, wenn er sich eh schon gut fühlt, weil er dort Bio kauft- dagegen kommt man nicht an. Das ist David gegen Goliath.

Norbert Wolf, Inhaber des „Kleinen Bioladens“ in Siegsdorf

Was kann man also tun? Das zweite große Problem, so die Betreiberin von „Emmas Bioladen“ in Bad Reichenhall sei der Trend zuerst beim Essen zu sparen. Und auch Norbert Wolf bestätigt, dass nun selbst Stammkunden nicht mehr den Weg in den Bioladen gehen, sondern auf große Ketten und Discounter ausweichen. Das läge daran, dass im Zuge der Energiekrise jeder Euro umgedreht wird: „Ich hasse diese Geiz-ist-geil-Mentalität, aber ich kann es andererseits auch nachvollziehen“ und er gibt zu bedenken, dass es derzeit eben schwer wäre eine Familie zu ernähren.

Der Versuch sich von großen Bioläden abzuheben

Sie hätten wirklich schon alles versucht: Unverpackte Produkte, regionales Gemüse und Obst, hochwertige Artikel, veganes Sortiment. Die Liste der Ideen ist lang. Auch ein Gemeinschaftsgarten war in Bad Reichenhall geplant. Die Betreiber beider Bioläden stecken voller Ideen, nur leider wird das Angebot nicht ausreichend angenommen. Den Idealismus haben sich aber beide nicht nehmen lassen und versuchen jetzt andere Wege zu gehen.

Unverpackte Ware aus Gläsern in „Emma`s Bioladen“in Bad Reichenhall

Mit der Gründung eines Vereins wollen sie jetzt ein neues Konzept ausprobieren. Das Modell liefe bereits gut in anderen Städten. Norbert Wolf und Franziska Haitzmann möchten so zwei Ziele erreichen: Den Erhalt ihrer Läden und damit die Möglichkeit, weiterhin Bioprodukte mit hochwertiger Qualität aus der Region anbieten zu können. Außerdem sollen„ Leuten, die es sich jetzt nicht mehr leisten können, damit die Möglichkeit gegeben werden, weiter Bio einzukaufen“. Das Konzept soll den Vereinsmitgliedern ermöglichen, für einen bestimmten monatlichen Betrag vergünstigt einkaufen gehen zu können. Darüber hinaus können sich die Kunden auch in Form von Arbeitszeit einbringen und bekämen dann nochmals Rabatte. Das würde auch mehr Planungssicherheit für die Betreiber bedeuten.

„Wir kleinen müssen zusammenhalten“

Der Verein soll aber auch offen sein für andere Bioanbieter aus der Region. „Wir kleinen müssen zusammenhalten,“ fordert Haitzmann. Nicht zu vergessen seien aber, so Wolf, die Stellschrauben der Politik. Eine Steuervergünstigung für unverpackte Lebensmittel oder ein Klima-Bonus für klimaneutrale Produkte könnten helfen, kleine Bioläden zu unterstützen. Generell müsse mehr auf kleine Unternehmen eingegangen werden, so sei das Ladensterben ja ein generelles Problem.

„Der Laden war mein großer Traum“

Franziska Haitzmann wird sich einen Teilzeitjob suchen und den Laden erst mal nur noch eingeschränkt aufsperren. Der kleine Bioladen in Siegsdorf bleibt vorerst geöffnet, da er als zweites Standbein noch vom Hauptgeschäft in Traunstein mitgetragen wird. Jetzt suchen beide Betreiber vereint nach Mitstreitern im Kampf um den Erhalt ihrer Bioläden und blicken „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft.

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