"Verkehrkollaps" oder Entlastung?

So könnte Siegsdorf unbeliebter bei Autofahrern werden

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6000 Fahrzeuge, davon drei Prozent Lkw, kreuzen täglich den Bahnübergang. "Zehn bis 15 Prozent weniger Verkehr wären langfristig ein Erfolg", so Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer am Montag in der Gemeinderatssitzung. 
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Siegsdorf - Über 10.000 Fahrzeuge durchkreuzen werktags das Ortszentrum - das soll deutlich weniger werden: In einem Verkehrskonzept wurden nun erste mögliche Schritte präsentiert. *Interaktive Karte*

Manche der Siegsdorfer Gemeinderäte befürchten einen "Verkehrskollaps", vielen anderen gefällt es "sehr gut", was der Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer am Montag vorstellte: Es geht um ein neues Konzept, den Verkehr im Ortszentrum zu reduzieren. Im Vorlauf wurden dazu umfangreiche Verkehrszählungen und Fragebogenaktionen bei den Anwohnern durchgeführt.

Rund 12.000 Fahrzeuge wurden werktags beim Restaurant "Il Porcino" auf Höhe des Industriegebiets gezählt (47 Prozent Lkw), etwa 10.000 auf der Traunsteiner Straße kurz vor dem Kreisverkehr. Beim Bahnübergang waren es noch täglich 6000 Fahrzeuge (drei Prozent Lkw). "Das Thema kann nicht sein, neue Straßen zu bauen, sondern den Verkehr mit anderen Maßnahmen aus dem Ortszentrum herauszubringen", so Ulzhöfer.

Die Empfehlungen des Verkehrsplaners

  • Ein Lkw-Durchfahrtsverbot im Ortszentrum. Nur noch Lieferverkehr sollte zugelassen werden. Eine Sperrung oder eine Fußgängerzone wird nicht möglich sein.
  • Abgesenkte Gehsteige zwischen Traun und Bahnübergang.
  • Tempo 30 zwischen Traun und Blaue-Wand-Straße (Abzweigung Edelweiß).
  • Im gleichen Bereich eine Rechts-vor-links-Regelung.
  • Fahrbahnverengungen im Ortszentrum, damit der Begegnungsverkehr warten muss.
  • Änderung der Beschilderung an der A8: Statt "Schweinbach" "Siegsdorf-West", statt "Siegsdorf" "Siegsdorf-Ost".

"Zehn bis 15 Prozent weniger Verkehr durch den Ort wäre ein Erfolg", meinte Verkehrsplaner Ulzhöfer. Bei einem prognostizierten Bevölkerungswachstum von bis zu zehn Prozent könnte das Verkehrsaufkommen damit langfristig auf dem jetzigen Niveau gehalten werden. Denn vor allem durch die Pläne im Bayern-Park in Hörgering und an der Theresienstraße wird Siegsdorf in den kommenden Jahren an Einwohnern zulegen. 

Außerdem regte der Verkehrsplaner an innerorts möglichst viel mit dem Rad oder zu Fuß zu erledigen: "Das kann Wunder erzielen." Ulzhöfer hatte dabei vor allem "Leute mit Vorbildfunktion" und die Schulen im Blick. Der Fußweg zur Schule könnte von den Lehrern vielleicht mit kleinen Aufgaben oder Rätseln gespickt werden: "Die Eltern sind in der Hinsicht dagegen fast nicht zu überzeugen, wenn es darum geht, die Kinder nicht mit dem Auto in die Schule zu bringen." 

Lässt sich Lkw-Durchfahrtsverbot einfach durchsetzen?

"Das wird einschneidend für die Bevölkerung sein", so Bürgermeister Thomas Kamm in Hinblick auf die angeregten Fahrbahnverengungen. Außerdem hatte er rechtliche Bedenken bei der Durchsetzung des Lkw-Durchfahrtsverbots. "Am besten beschließen Sie das einfach und setzen es um", so Verkehrsplaner Ulzhöfer - in anderen Landkreisen gäbe es auch Durchfahrtsverbote und Siegsdorf könne noch immer mit dem Tourismus-Argument für das Anliegen werben. 

"Gibt das nicht ein Verkehrschaos? Rechts vor links kapiert ja jetzt schon keiner und die Fahrbahnverengungen könnten als Parkplätze missbraucht werden", hieß es kritisch aus der CSU-Fraktion. Beschlossene Sache ist ohnehin noch nichts. In einerm ersten Schritt sollen die Ideen auf der Bürgerversammlung vorgestellt werden. Bürgermeister Kamm pochte außerdem auf eine bessere Lösung an der Traunsteiner Südspange und sprach sich, wie auch Verkehrsplaner Ulzhöfer, dort für einen Kreisverkehr aus.

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