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Welpe gesichtet

Nicht nur ein „Problemwolf“ – Verdacht auf ein Rudel im Chiemgau erhärtet sich

Diese Wolfswelpen sind in einem Wildpark in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. Eine Tierärztin hat nach eigenen Angaben einen Wolfswelpen in Siegsdorf gesehen.
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Diese Wolfswelpen sind in einem Wildpark in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. Eine Tierärztin hat nach eigenen Angaben einen Wolfswelpen in Siegsdorf gesehen.

Nun kann es nicht mehr abgetan werden: Mehrere Wölfe sind im Chiemgau. Es ist sogar wahrscheinlich, dass sich ein Rudel angesiedelt hat. Viele Landwirte und Jäger haben nun vollends das Vertrauen ins Landesamt für Umwelt verloren.

Siegsdorf/Inzell – Die Gerüchte häufen sich schon länger, dass es drei Wolfswelpen im Hochfellngebiet geben soll. Nun ist zumindest einer von einer Fachfrau bestätigt. Eine Tierärztin, mit der die OVB-Heimatzeitungen sprachen, hat vor rund zwei Monaten einen Wolfswelpen im Siegsdorfer Ortsteil Scharam gesehen.

„Das Tier war circa ein halbes Jahr alt und hat vor meinem Auto nachts die Straße überquert“, erzählt die Tiermedizinerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte. Auch Fährten von Wölfen hat sie bereits auf Spaziergängen entdeckt. „Und gehört habe ich ihn auch schon öfters“, sagt die Fachfrau.

Präzise Aufnahme aus der Fotofalle

Plausibel klingen ihre Schilderungen, nicht nur wegen ihrer Profession, sondern weil dies auch zu den Vorkommnissen im Frühjahr passt: Ende Februar hatte ein Wolf zwei Schafe im Siegsdorfer Ortsteil Scharam gerissen. Das Tier war damals auch von einer Fotofalle aufgenommen worden, es existiert eine sehr präzise Aufnahme. Experten waren sich damals sicher, dass es sich um eine trächtige Fähe handelte. Und schon damals sagte eine Anwohnerin den OVB-Heimatzeitungen, dass sie einen Wolf habe heulen hören.

Welpe wohl sechs Monate alt

Die Tierärztin schätzt das Alter des Welpen, den sie gesehen haben will, auf circa sechs Monate. Rein vom Zeitrahmen kann gut möglich sein, dass es ein Welpe eben jener Fähe ist. Laut Informationen des deutschen Naturschutzbundes ist die Paarungszeit von Wölfen im Februar und März. Nach einer Tragezeit von neun Wochen werden im April oder Mai meist zwischen vier und sechs Welpen in einer Höhle geboren.

„Anschließend leben die Wölfe als Familie – dem sogenannten Wolfsrudel – zusammen. Die Jungen vom Vorjahr helfen den Eltern bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister“, heißt es beim Naturschutzbund. Nach zwei bis drei Jahren verlassen die jungen Wölfe das Rudel.

Mindestens zwei Wölfe bestätigt

Seit Mittwoch ist nun auch von offizieller Seite bestätigt, dass es eben nicht nur einen „Problemwolf“ gibt, sondern mehrere Wölfe für die Risse in jüngster Zeit verantwortlich sind. Wie berichtet, meldet das Landesamt für Umwelt (LfU), dass der Wolf, der am 15. Dezember eine Ziege in Bergen angegriffen hatte, „ein bisher nicht bekannter männlicher Wolf“ gewesen sei. Im Klartext: Die Risse in Bergen Ende Oktober gehen auf das Konto eines anderes Wolfes. Noch wird ausgewertet, ob die Risse in Inzell und im Raum Unterwössen sowie im Berchtesgadener Land auf fremde oder bereits bekannte Wölfe zurückgehen.

LfU widerspricht Jagdpächter

Dass nun die Rede von mehreren Wölfen ist und sich vermutlich ein sogar ein Rudel gebildet hat, löst großen Ärger bei Landwirten, Schafthaltern und Jägern aus, wie die OVB-Heimatzeitungen aus vielen Gesprächen erfahren haben. Jagdpächter Hubert Hasselberger meldete zwei gerissene Schafe im Siegsdorfer Ortsteil am Scharam. Zudem stellte er Fotos aus der Fotofalle zur Verfügung. „Die Experten vom LfU haben damals meiner Einschätzung widersprochen, dass es sich um eine trächtige Fähe handelt“, sagt Hasselberger. Nach der Sichtung der Tierärztin lässt sich schon vermuten, dass er recht hatte. Statt Zuspruch habe er mehrere anonyme Drohbriefe erhalten, die er der Polizei übergeben habe.

Vergiftetes Klima

Man lehnt sich nicht aus dem Fenster, wenn man von einem vergifteten Klima in der Diskussion um den Wolf spricht. Das Misstrauen vieler Landwirte gegenüber den Behörden und besonders dem LfU ist inzwischen so groß, dass sie sich in einer Whats-App-Gruppe mit mehr als hundert Teilnehmern organisieren und gegenseitig beraten. Das erzählt die Staudacher Pferdezüchterin Irmi Guggenbichler, deren Enttäuschung am Telefon deutlich spürbar ist. Sie wirft dem LfU mangelnde Transparenz und bewusste Desinformation vor. „Wir raten allen Betroffenen dazu, eine B-Probe zu nehmen und auf eigene Kosten auszuwerten“, sagt Guggenbichler. Dabei sei auch sie keine Gegnerin des Wolfes: „Ich finde das sogar ein schönes Tier. Aber es passt nicht in unseren Lebensraum.“

Naturschützer raten zu Zäunen – Inzeller Landwirt zweifelt

Naturschützer bringen immer wieder Zäune als Schutz vor Wölfen ins Spiel, die zum Teil sogar öffentlich gefördert werden. Laut Landesamt für Umwelt (LfU) solle dieser ein mindestens ein 90 Zentimeter hoher, vierlitziger Elektrozaun sein. „Bei der Gehegewildhaltung muss ein Untergrabschutz oder eine Zaunschürze angebracht sein“, schreibt die Behörde. Wie schwierig das in der Praxis umzusetzen ist, hat sich OVB-Reporterin Heidi Geyer bei Georg Dießbacher in Inzell angeschaut.

In seinem Wildtiergehege riss am 17. Dezember ein Wolf eine Hirschkuh. Rund um das sechs Hektar große Gehege steht ein stabiler Metallzaun, der zum Hang hin 2,30 Meter hoch ist. Das Gelände ist abschüssig und äußerst unwegsam. „Das war eine Riesenarbeit, als wir den jetzigen Zaun installiert haben.“ Dießbacher fragt sich einerseits, ob es wirklich so sinnvoll ist, dass Weiden und Gehege so aufwendig mit öffentlichen Geldern geschützt werden sollen. Vielmehr fragt er sich aber, wie dies in der Praxis funktionieren soll.

Über zwei Kilometer wären das bei Dießbacher. „Wie soll der Elektrozaun funktionieren, wenn es richtig viel schneit?“, fragt er sich. Zumal sich der Wolf immer wieder Wege suche: „Bei uns ist er vermutlich an einem kleinen Bach unter dem Zaun durchgeschlüpft“, sagt der Landwirt. An anderer Stelle hat er schon ein Rohr an einem kleinen Wasserlauf platziert. „Aber da muss ich ganz oft ausräumen, weil es schnell verstopft“, erklärt er.

Inzeller Bürgermeister schreibt an Regierung

Bürgermeister Hans Egger (Bürger für Inzell) informierte den Inzeller Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, dass der Wolf auch in der Gemeinde Inzell Einzug gehalten habe und ein Stuck, das ist eine Hirschkuh, dran glauben habe müssen. „Es scheint so, dass der Wolf mehr und mehr die Scheu verliert und in solchen Fällen sollte man das Tier auch bejagen dürfen. Leider ist er bei uns angekommen und wir werden von der Gemeinde mit Unterschriften der Landwirte ein Schreiben an die Regierung verfassen“, so der Bürgermeister. wet

Dieser Zaun führt um das Wildgehege in Inzell. Dennoch schlüpfte ein Wolf durch und tötete eine Hirschkuh.

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