So bereitet sich ein Siegsdorfer Folienhersteller vor

"Wir haben schon trainiert": Heimische Industrie für Brexit gerüstet?

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Aufnahme aus dem Nowofol-Werk in Siegsdorf: Nowofol exportiert Spezialfolien nach Großbritannien, die dort dann zu Aufreißstreifen weiterverarbeitet werden. Über zehn Prozent des gesamten Umsatzes machen die Geschäfte mit der Firma aus Mittelengland aus.

Siegsdorf - Der Brexit wird immer greifbarer - ist der heimische Mittelstand darauf vorbereitet? Für den Spezialfolienhersteller Nowofol ist der Export nach Großbritannien ein wichtiges Standbein. chiemgau24.de hat nachgefragt. 

Es sind reißfeste Spezialfolien, die die Firma nach Großbritannien exportiert. Dort werden sie dann zu Aufreißstreifen für Lebensmittelverpackungen, Zigarettenschachteln oder Versandkartons weiterverarbeitet. Das Geschäft mit dem Vereinigten Königreich ist für den Siegsdorfer Folienhersteller Nowofol zentral - über zehn Prozent des Umsatzes macht man allein mit einem einzigen Kunden aus Mittelengland. Ist der Brexit für den Mittelständler aus dem Chiemgau also gefährlich? 


Schon zweimal No-Deal-Brexit durchgespielt

"Wir schauen eigentlich ganz ruhig in die Zukunft", sagt Christian Muhm im Gespräch mit chiemgau24.de. Er ist Vertriebsleiter für Polyolefinfolien bei Nowofol und beschäftigt sich schon lange mit dem möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Zum einen ist sich Muhm sicher, dass es eine Handelseinigung zwischen Großbritannien und der EU geben wird - "alles andere kann sich Großbritannien nicht leisten". Zum anderen hat man einen ungeregelten Brexit in Siegsdorf auch schon längst durchgespielt.

Vertriebsleiter Christian Muhm: "Wir haben schon für den Brexit trainiert"

Schon zweimal standen konkrete Termine für einen Austritt Großbritanniens im Raum: der 22. Mai und der 31. Oktober. "Auf den möglichen Termin im Mai hatten wir uns schon im Januar vorbereitet und einen Drei-Monats-Bestand für den Kunden in England aufgebaut", so Muhm. Dank der Flexibilität der 150 Mitarbeiter in Siegsdorf sei das möglich gewesen. Angesichts drohender Verzögerungen beim Zoll wollte man die Firma in England im Voraus ausreichend versorgen. Das selbe Spiel dann noch einmal vor dem Oktober-Termin.

Auch die Engländer haben schon vorgesorgt

"Wir haben also schon für den Brexit trainiert", schmunzelt Vertriebsleiter Muhm. Aber auch die britische Regierung habe vorgesorgt: Die Kapazitäten des Zolls seien erweitert, die Abfertigung am Zoll verbessert und die Lkw-Stellplätze an der Grenze ausgebaut worden. "Aber letztendlich können auch wir es nur abschätzen, wie es nach dem Brexit weitergeht."

Mehr bürokratischer Aufwand droht Nowofol durch den Brexit nicht, denn der englische Kunde ist es, der die Waren in Siegsdorf holt und sie dann verzollen müsste. 

Mehr bürokratischer Aufwand durch Grenzkontrollen stehe aber ohnehin nicht Nowofol ins Haus, sondern der englischen Firma - denn sie ist es, die zweimal wöchentlich per Lkw die Folie in Siegsdorf abholt. "Aber für unsere erfahrene Exportabteilung wäre auch das kein Problem. Wir haben ja auch Kunden in der Schweiz, China oder Nord- und Südamerika", so Christian Muhm. Ob und wie viel Zollgebühren die Engländer auf die Ware von Nowofol künftig zahlen müssen, steht auch noch nicht fest.

Nowofol: "Es wird eine Brexit-Lösung geben"

Noch gibt es kein Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU, dass die Details regelt. "Aber es wird eine Lösung geben, dass der Handel reibungslos vonstatten geht. Der Schaden für Großbritannien wäre sonst zu groß", glaubt Muhm. Außerdem rechnet er mit Übergangszeiten, damit sich die Firmen auf den Brexit einstellen können. "Daher sehen wir beruhigt der Entwicklung entgegen."

xe

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