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Hitzige Diskussion um Standort für Mobilfunkmast

Telekom wehrt sich gegen die Vorwürfe der Gemeinde Siegsdorf - Was ist wirklich dran?

„Die Topographie allein mit mehreren Höhenrücken entlang der Autobahn macht es notwendig, dass in Siegsdorf mehrere zusätzliche Mobilfunkmasten gebaut werden müssen, um Versorgungslücken zu schließen.“ Doch wünscht sich Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm einen Dialog mit den Mobilfunkbetreibern.
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„Die Topographie allein mit mehreren Höhenrücken entlang der Autobahn macht es notwendig, dass in Siegsdorf mehrere zusätzliche Mobilfunkmasten gebaut werden müssen, um Versorgungslücken zu schließen.“ Doch wünscht sich Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm einen Dialog mit den Mobilfunkbetreibern.

Während die Telekom einerseits bei den Kunden mit dem Slogan „Erleben, was verbindet“ wirbt, scheint die Unternehmenskommunikation doch da und dort verbesserungswürdig. Zumindest sieht das der Siegsdorfer Bürgermeister Thomas Kamm (UW) so.

Siegsdorf – In der Diskussion um weitere Mobilfunkmasten in seiner Gemeinde wünscht er sich von der Telekom mehr Kooperation. Im Gegenzug hatte die Telekom in einem Schreiben an die OVB-Heimatzeitungen der Gemeinde Siegsdorf vorgeworfen: „Die Gemeinde versteift sich auf ein von ihr erstelltes Mobilfunkkonzept. Dieses Konzept ist aber ein reines Wunschkonzert.“

Hohe Wellen zum Standort Hinterwelln

Mit den Notwendigkeiten und Zwängen einer realen Funknetzplanung habe das Konzept nichts gemein, schreibt Lena Raschke von der Kommunikationsabteilung weiter. Vorangegangen war ein Bericht in den OVB-Heimatzeitungen aus dem Siegsdorfer Gemeinderat vom Mai. Der hatte den geplanten Neubau eines 30 Meter hohen Betonmastens im Ortsteil Hinterwelln auf dem Hochberg diskutiert.

Zusammen mit Experten hatte die Gemeinde im Rahmen ihres Mobilfunkkonzepts auch diesen Standort untersucht. Mit dem Ergebnis, dass benachbarte Anwohner besser vor Funk-Immissionen geschützt wären, wenn er um 40 Meter verschoben würde, bestätigt Bürgermeister Kamm im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Bislang, so Kamm, habe sich die Telekom dazu nicht geäußert.

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Die wiederum schrieb den OVB-Heimatzeitungen, dass der Vorwurf „nachweislich falsch“ sei. Die Funknetzplaner der Telekom hätten die Vorschläge der Gemeinde ausführlich bewertet und am 1. März schriftlich zugesandt. Auf die Bewertung und Vorschläge sei nicht reagiert worden: „Der Vorwurf Ignoranz läuft also komplett ins Leere“, so Lena Raschke und sie fügt hinzu: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Die Telekom versuche, die Wünsche der Gemeinde so weit wie möglich aufzunehmen, doch setze die Physik Grenzen: „Vorschläge der Gemeinde müssen funktechnisch sinnvoll und realisierbar sein. Ansonsten können wir diese Vorschläge nicht berücksichtigen.“ Kamm sagt dazu: „Die haben halt nein gesagt und die Kompetenz unseres Physikers infrage gestellt.“

Stellungnahme ohne genügend Informationen nicht möglich

In Siegsdorf stehe – wie im Konzept festgeschrieben – neben der Versorgung auch die Gesundheitsvorsorge im Mittelpunkt, so das Gemeindeoberhaupt. Und da tue sich die Gemeinde schwer mit den Suchkreisanfragen, die nicht über einen konkreten Standort informierten, was Kamm eine „Farce“ nennt. Eine Stellungnahme sei ohne Zusatzinformationen wie zum Beispiel einer Leistungsdichtenverteilung nicht möglich.

Denn auf den Standort komme es an und wie nahe er an einer Bebauung liegt. Dass hier Kompromisse möglich seien, habe sich mit Vodafone gezeigt. Die betreibe einen Masten in Vogling-Hub. Auf Anraten des Experten der Gemeinde habe eine der drei Antennen abgeschaltet werden können.

„Wusste nicht, was erwartet wird“

Kamm räumt seinen Fehler ein, die erste Suchkreisanfrage der Telekom nicht beantwortet zu haben. „Da bekommt man eine standardisierte E-Mail mit ein paar Hektar eingekreister Fläche, ich wusste gar nicht, was da von uns erwartet wird. Ich dachte, wenn sie einen Standort gefunden haben, sagen sie es uns.“ Stattdessen sei gleich ein Bauantrag im Rathaus gelandet. „Ich soll das der Bevölkerung verkaufen“, so Kamm und erklärt, dass die Gemeinde nur eingeschränkt Handhabe gegen diese Masten habe. Über einen Teil-Flächennutzungsplan versuche Siegsdorf nun, Vorrangflächen für Mobilfunk auszuweisen.

Zwei Bauanträge an der Autobahn hat der Gemeinderat zurückgestellt. Kamm dazu: „Die Telekom hat uns signalisiert, mit uns über den Standort in Hammer zu reden, wenn wir die anderen beiden Rückstellungen aufheben.“ Das, so schnaubt er, sei kein Umgang miteinander: „So funktioniert Dialog nicht.“

Zur Kooperation zählt für ihn übrigens auch, dass er von der Telekom in verständlichen Worten über die Technik informiert wird, wie er sagt: „Ich bin nicht der Gegner, ich will als Partner mitreden. Ich muss vermitteln zwischen den berechtigten Interessen der Mobilfunkbetreiber, der Gemeinde und der Bevölkerung.“

Das Vorsorgeprinzip ist Teil des Mobilfunkkonzepts der Gemeinde:

Der Gemeinderat hatte auf Anregung der Bürgerinitiative „Lebenswertes Siegsdorf – 5G frei“ im August vergangenen Jahres ein Mobilfunkkonzept verabschiedet. Erstellt worden war es mit einem Juristen und einem Physiker. Das Konzept ist auf der Internetseite der Gemeinde unter www.rathaus-siegsdorf.de einzusehen. Bürgermeister Thomas Kamm verweist auf folgende Kernaussage: „Das Ziel ist grundsätzlich eine flächendeckende angemessene und ausreichende Versorgung bei gleichzeitiger Minimierung der Strahlenbelastung für die Bevölkerung.“

In Siegsdorf gibt es laut seiner Aussage aktuell neun Mobilfunkmasten von den drei großen Anbietern Telekom, Vodafone und Telefonica. Vier weitere Standorte seien anvisiert, insbesondere auch, um entlang der Bahnlinie, der Autobahn und der Bundesstraße eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Dazu hätten sich die Mobilfunkbetreiber gegenüber dem Bund im Rahmen der Lizenzvergaben verpflichtet. Siegsdorfs Bürgermeister Kamm zeigt durchaus Verständnis dafür, dass die Mobilfunkbetreiber diesbezüglich unter Druck stünden. „Versorgung ja, aber abgestimmt“, lautet aber seine Devise ebenso wie des Gemeinderats.

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