200 Asylbewerber einquartiert

So reagierten die Siegsdorfer

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Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm bei der Infoveranstaltung im Festsaal.
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Siegsdorf - Fast über Nacht hat die Regierung von Oberbayern 200 Asylbewerber in die Bayernpark-Ferienanlage einquartiert. Doch die Siegsdorfer reagierten überwiegend positiv darauf:

Erst am vergangenen Freitag trat Regierungs-Präsident Christoph Hillenbrand an Landrat Siegfried Walch und an den Siegsdorfer Bürgermeister Thomas Kamm mit der Bitte heran, die ehemalige Bayernpark-Ferienanlage im Siegsdorfer Ortsteil Hörgering kurzfristig für die Unterbringung von 200 Asylbewerbern nutzen zu wollen. "Seit letztem Dienstag sind in Bayern alleine 1500 neue Flüchtlinge dazugekommen. Der Zustrom war so stark, dass wir nicht alle im Erstaufnahmelager in Zirndorf unterbringen konnten", berichtet Hillenbrand. Walch und Kamm setzten sofort alle Hebel in Bewegung. "Ich bin gerade in der Grillschürze beim 50. Geburtstag meiner Frau gestanden, als ich die Nachricht bekam", so der Bürgermeister. Sofort rief er die Mitglieder seines Gemeinderates an und mit elf zu acht Stimmen entschied sich das Gremium dafür, die Asylsuchenden für einen Monat in Siegsdorf aufzunehmen. "Für die Gemeinderäte stand dabei die humanitäre Verpflichtung im Vordergrund." 

Am vergangenen Sonntag zogen nun die ersten 180 Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, Afghanistan, Nigeria und dem Sudan in der ehemaligen Ferienanlage ein. 20 weitere Asylbewerber kamen an diesem Montag dazu. Um den Einwohnern der 8000-Seelen-Gemeinde Rede und Antwort zu stehen, fanden sich Regierungs-Präsident Hillenbrand, Landrat Walch, Bürgermeister Kamm, sowie Verwaltungsleiterin Cornelia Stahr und Unternehmer Max Aicher im Siegsdorfer Festsaal ein.

Zuerst fasste Hillenbrand die Situation in Siegsdorf zusammen: "200 Asylbewerber sind zur Erstaufnahme in der ehemaligen Ferienanlage untergebracht. Die Unterbringung ist auf einen Monat beschränkt. Das ist so mit dem Besitzer Max Aicher vereinbart. Darüber hinaus gibt es einen Wachdienst, der aus zehn Personen besteht." Anschließend hatten die Anwohner Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.

Die Siegsdorfer zeigten dabei große Solidarität und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. So sagte eine Einwohnerin beispielsweise: "Warum können wir nicht zeigen, dass wir Nächstenliebe haben." Ein weiterer meinte: "Wir sollten den Start in Deutschland für die Flüchtlinge so gestalten, dass sie sich wohl fühlen." Aber auch kritische Fragen kamen dabei zur Sprache. Chiemgau24.de hat einige für Sie zusammengefasst:

Was hat der Sicherheitsdienst für Aufgaben und an wen muss ich mich wenden, wenn Probleme mit den Asylbewerbern auftreten?

Hillenbrand: Die Erfahrungen haben gezeigt, dass selten Probleme auftreten. Außerdem haben wir die Nationen, aus denen die Asylbewerber kommen, so zusammengestellt, wie uns die Erfahrungswerte aus den Kasernen gezeigt haben, dass es gut funktioniert. Auf dem Gelände der ehemaligen Ferienanlage ist der Wachtdienst für die Sicherheit zuständig. Außerhalb ist die Polizei der Ansprechpartner.

Maximilian Lex, stellvertretender Polizeidirektor der Inspektion Traunstein: Wir haben so gut wie keine Probleme bislang mit den Asylbewerber-Unterkünften im Landkreis. Wir werden aber zur Sicherheit die Polizei-Präsenz im Außenbereich erhöhen und rund um die Uhr überwachen.

Es gab noch keine ärztliche Erstuntersuchung für die Flüchtlinge. Besteht das Risiko auf Ebola?

Hillenbrand: Ebola tritt derzeit vorwiegend in West-Afrika auf. Und keiner der Asylbewerber in Siegsdorf kommt aus einer der gefährdeten Regionen. Zudem würden Personen, die an Ebola erkrankt sind, den beschwerlichen Fluchtweg schlichtweg nicht überleben. Wir sehen das Risiko daher als schwindend gering an. 

Warum sorgt man nicht dafür, dass die Asylbewerber in der Unterkunft bleiben, bis die Erstuntersuchungen ausgewertet sind?

Hillenbrand: Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage, den Leuten zu verbieten, die Einrichtung verlassen zu können. Das wäre Freiheitsberaubung.

Was passiert mit den Asylbewerbern nach diesen vier Wochen?

Hillenbrand: Wir sind gerade dabei, drei Kasernen in Oberbayern so zu ertüchtigen, dass sie 500 bis 600 Flüchtlinge aufnehmen können.

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