Sein Video zeigt Angst und Zorn wegen drohender Gastro-Schließung

„Ihr Vollidioten“: Siegsdorfer Wirt lässt Wut gegen Corona-Politik freien Lauf

Siegsdorf - Der Gastronomie droht wegen des Coronavirus in ganz Deutschland wieder eine wochenlange Schließung. Für den Betreiber des Siegsdorfer „Papillon“ reine Willkür und Aktionismus - „weil sie nicht wissen, was sie tun sollen.“

Es sind 26 Minuten purer Emotionen. Ungeschnitten. Und sie lassen tief blicken, was in vielen Gastronomen landauf, landab jetzt vorgeht. Robert Krininger, Wirt des Café-Bistro „Papillon“ in Siegsdorf, kann nicht anders: Er lässt seinen Gefühlen, seinen Ängsten und seiner Wut freien Lauf - und er wird laut. „So wie‘s ausschaut werden wir ab 4. November für vier Wochen zu haben“, fürchtet er im Facebook-Video. Hintergrund ist ein Entwurf der Bundesregierung, der mit den Ministerpräsidenten am heutigen Mittwoch, 28. Oktober, beraten wird. Gastronomie und Freizeiteinrichtungen könnten zur Bekämpfung des Coronavirus wieder geschlossen werden.

Dass die Gastronomie nicht Treiber des Infektionsgeschehens sei, hat nun auch das Robert-Koch-Institut erkannt. Lediglich 0,5 Prozent der Infektionen auf Gasthäuser zurückzuführen. Und nun also ein Gastro-Shutdown? „Das ist Willkür und Aktionismus, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen“, so Krininger. „Die Gastronomie ist der einzige Ort, wo man sich geregelt treffen kann. Und wir müssen uns treffen, sonst drehen wir durch.“ Angesichts dessen, dass Infektionen vor allem daheim passieren, sei die Gastro die Lösung und nicht das Problem.

Siegsdorfer Wirt rechnet im Video mit Corona-Politik ab

Ich schlafe nicht mehr gut, weil ich für 20 Mitarbeiter verantwortlich bin. Hinter jedem Mitarbeiter steht eine Familie, Miete, Auto, Leasing-Raten, Einkäufe“, so der Siegsdorfer Wirt. Die „Deppen da oben“ sollten sich durch den Kopf gehen lassen, was es bedeute, ein Land „zuzusperren“, so Krininger in Richtung der hohen Politik, namentlich Markus Söder und Angela Merkel. Und die Überbrückungshilfen für die Gastronomie? Die Auflagen seien extrem, „das muss ein Steuerberater machen, das kostet auch wieder. Wir haben eh kein Geld mehr, ihr Vollidioten.“

Auch im benachbarten Berchtesgadener Land trifft es beim dortigen „Lockdown“ momentan vor allem die Gastgeber. Seit 20. Oktober wurden sie zum Schließen gezwungen. Ein Eilantrag dagegen scheiterte vor dem Verwaltungsgericht. „Ich sehe doch an unseren Gästen, wie toll sie sich an die Maßnahmen halten“, berichtet Krininger vom Siegsdorfer „Papillon“. Aus Verantwortung habe er auch auf größere Geburtstagsfeiern in seinem Lokal verzichtet, obwohl zwischenzeitlich bis zu 100 Teilnehmer erlaubt waren. „Ich habe freiwillig auf zehntausende Euro verzichtet. Und jetzt sperren‘s uns zu. Es ist brutal.“

„Die Gastronomie trägt nichts zum Infektionsgeschehen bei“

Wir sollen Schuld sein, nicht richtig mitzumachen, wenn die Zahlen steigen? Ihr habts doch den Arsch offen“, nimmt Robert Krininger kein Blatt vor den Mund. In einem kurzen Video-Rundgang durchs „Papillon“ zeigt er all die Regeln und Auflagen, die der Wirt momentan erfüllt. Vom desinfizierten Kugelschreiber, über die Lüftung bis zum gesperrten Tresen. „Jetzt muss der letzte Depp verstanden haben, dass die Gastronomie nichts zum Infektionsgeschehen beiträgt. Nichts.“

Krininger schließt mit einem emotionalen Appell: Masken aufsetzen, Hände waschen, Abstand halten - „und unterstützt die Gastronomie. Wir sind die, die immer für Euch da sind.“

xe

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