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Dr. Lothar Seissiger im Corona-Interview - Teil II

Warum die mRNA ins Zytoplasma geht und wie man die Nadel beim Impfen richtig ansetzt

Dr. med. Lothar Seissiger aus Siegsdorf hat schon über 400 COVID-Impfungen durchgeführt.
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Covid- und Impf-Experte Dr. med. Lothar Seissiger aus Siegsdorf.

Dr. med. Lothar Seissiger ist einer renommiertesten Pandemie-Mediziner im Chiemgau, auch, weil er als Mann der ersten Stunde Covid-Impfungen durchführt. Im zweiten Teil unseres Exklusiv-Interviews spricht er über die Wirkungsweisen der gängigen Covid-Impfstoffe und erklärt, wie man die Spritze am Arm richtig ansetzt, damit alles optimal abläuft.

Siegsdorf - In seiner Praxis in Siegsdorf - und auch in regionalen Impfzentren und -mobilen - verimpft Dr. med. Lothar Seissiger regelmäßig Covid-Impfstoffe. Er kennt auch genau deren Funktionsweise und weiß aus der Praxis, wie Patienten auf die Injektionen reagieren. Er selbst ist dreifach mit Biontech-Pfizer („Comirnaty“) geimpft und trägt die Maske nach Vorschrift.

Herr Dr. Seissiger, wie lange hält der Impfschutz an?

Seissiger: Dazu laufen die Langzeitstudien. Es gibt keine Garantien der Haltbarkeit. Mit den aktuellen Booster-Aktionen - vor allem mit Biontech-Pfizer - kommen wir gut über den Winter. Der Impfschutz setzt sich aus drei Komponenten zusammen: 1) Der Corona-Antikörper-Titer, der leider mit der Zeit abfällt; 2) Der Aufbau der zellularen Abwehrkräfte - etwas schwer Messbares; 3) das immunologische Gedächtnis unseres Körpers.

Bei welchen Impfstoffen gibt es die meisten Impfdurchbrüche?

Seissiger: Laut der jüngsten Fortbildung weiß ich, dass Johnson & Johnson als Impfstoff dabei besonders anfällig ist. Allgemein gesagt, die Vektor-Impfstoffe, also auch AstraZeneca. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt Traunstein versuche ich herauszufinden, welche Zielgruppen vermehrt auf den Intensivstationen landen. Geimpfte haben eine niedrigere Viruslast - dadurch sind sie weniger ansteckend für andere. Doch die Zahl der Antikörper sinkt bei älteren Menschen rasch ab, was zu Impfdurchbrüchen führt. Daher ist hier das Boostern wichtig.

Comirnaty enthält weniger mRNA

Wirken die mRNA-Impfstoffe besser?

Seissiger: Offenbar ja. Vor allem wirken sie anders. Am besten verträglich scheint Biontech-Pfizer zu sein, weil hier die Menge an mRNA geringer ist. Diese Messenger-RNA ertüchtigt die Zellen, ein Protein herzustellen, das das Immunsystem zur Bildung von Covid-Antikörpern anregt. Der Impfstoff Moderna verfügt über mehr mRNA und hat daher öfter zu Unverträglichkeiten geführt. Daher entschied das RKI, vorerst keine Personen unter 30 Jahren damit zu impfen, weil vereinzelt Herzmuskelentzündungen beobachtet wurden.

Dringt die mRNA-Information in den Zellkern ein?

Seissiger: Nein. Der Bauplan des Spike-Proteins geht ins Zytoplasma, also ins Zellgewebe. beim Vektorimpfstoff dagegen gelangt der Bauplan in den Zellkern, nicht aber in die menschliche Erbsubstanz (DNA). Ein Virus geht folgendermaßen vor: Er muss durch die Zellhülle - wozu er ein Spike-Protein benötigt - denn er braucht den Apparat der Zelle, um sich zu reproduzieren.

Wie funktioniert der Abwehrmechanismus?

Seissiger: Die mRNA liefert der Eiweißfabrik der Zelle - den Ribosomen - einen Bauplan mit dem Auftrag, ein Fremdeiweiß (Protein) herzustellen. Dieses Protein verursacht die Bildung von Antikörpern („zelluläre T-Zellen“) durch das Immunsystem. Dadurch weiß die „Blut-Polizei“ - die Leukozyten bzw. die weißen Blutkörperchen - wie es auf Covid-19 reagieren muss. Gerade immungeschwächte Menschen sollten sich impfen lassen, weil die körpereigene Abwehr nicht stark genug ist.

Gesundheitliche „Nebenschauplätze“ bedeuten Lebensgefahr bei Covid-Infektion

Springen alle gleich stark auf die Impfung an?

Seissiger: Nein. Das ist immer individuell. Fünf bis acht Prozent aller Geimpften geben vermutlich gar keine Immunantwort auf mRNA. Bei den neuen Covid-Varianten Delta und Lambda ist der Schutz insgesamt noch geringer. Trotzdem ist die Trefferquote insgesamt viel besser als bei herkömmlichen Impfungen wie gegen Typhus oder Japanische Enzephalitis. Der Schutz von Covid-Geimpften vor einer intensivmedizinischen Behandlung liegt über 90 Prozent.

Wer bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf bei Covid-Infektion?

Seissiger: Meistens sind Co-Morbiditäten im Spiel: Diabetes, Herzschwäche, Übergewicht, Immunschwäche. Jeder stirbt krank. Ein Prozent aller Covid-Infizierten landet auf der Intensivstation. Wenn gesunde, jüngere Menschen einen schweren Verlauf bekommen, sind das in der Regel Einzelfälle. Aber unterschätzen darf man die Gefahr niemals.

Ein Schüler bekommt eine Impfspritze in den Arm: Es nicht egal, wie und wo die Nadel angesetzt wird.

Ist es in irgendeiner Form entscheidend, wohin die Nadel beim Impfen gesetzt wird?

Seissiger: Die Nadel muss „immunkompetente Zellen“ erreichen. Subcutanes Gewebe - also die Schicht direkt unter der Haut - ist dafür nicht geeignet. Wenn man unterhalb der Schulter impft, erreicht man die Zellen des Schulterkappen-Muskels sehr gut, ein idealer Ort, große Gefäße kann dabei auch nicht verletzen. Bevor man spritzt, sollte man immer den Kolben der Spritze ein wenig zurückziehen und sehen, ob Blut kommt. Wenn ja, dann muss man die Position der Nadel verändern.

Haben Sie selbst Komplikationen beim Impfen erlebt?

Seissiger: Lediglich einmal Kreislaufprobleme.

Gibt es Fälle, in denen Sie sogar vom Impfen abraten würden?

Seissiger: Ja, bei akuten schweren Erkrankungen, bei Fieber über 38,5 Grad, bei Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes. Und bei Frauen im ersten Trimenon der Schwangerschaft.

Hier lest ihr den ersten Teil unseres Interviews mit Dr. Seissiger aus Siegsdorf

Warum Pandemien immer wieder kommen, warum sich der Personalmangel auf den Intensivstationen verschlimmert hat und ob man sogar gegen Ebola impfen kann, erfahrt ihr in Teil drei unseres Interviews mit Dr. Lothar Seissiger.

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