Wut-Video des Siegsdorfer Wirts erreichte Millionen

„Politisch korrekt war‘s nicht, aber ich muss niemandem Honig ums Maul schmieren“

Robert Krininger, Wirt des „Papillon“ in Siegsdorf, will sich während des Corona-Lockdowns für die Gastronomie im November mit Take-Away-Angeboten durchschlagen.
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Robert Krininger, Wirt des „Papillon“ in Siegsdorf, will sich während des Corona-Lockdowns für die Gastronomie im November mit Take-Away-Angeboten durchschlagen.

Siegsdorf - Sein Video zum Gastro-Lockdown hatte es in sich und erreichte Millionen - nun resümiert Wirt Robert Krininger: Die Resonanz war durchweg positiv, doch die Lage hat sich nicht gebessert.

Damit hat dann auch Robert Krininger nicht gerechnet. Sein Video von voriger Woche, in dem er seinen Ängsten, seiner Wut und seinem Unverständnis über die Gastro-Schließung freien Lauf ließ, schlug wahrlich ein: Über Instagram und Facebook erreichte es 1,1 Millionen Menschen. Der neue Shutdown sei „Willkür und Aktionismus“, weil die Politik nicht mehr weiter wisse - obwohl Gasthäuser erwiesenermaßen keine Infektionsherde sind. Als „Vollidioten“ oder „Deppen da oben“ bezeichnete der Wirt des „Papillon“ in Siegsdorf manche Entscheidungsträger in Bund und Freistaat.

Reaktionen nach Wut-Video zum Gastro-Lockdown waren „gigantisch“

„Ja, ganz politisch korrekt war das nicht“, gibt Robert Krininger eine Woche danach im Gespräch mit chiemgau24.de zu. „Aber ich habe nur die Lage dargestellt, wie sie ist. Ich muss niemandem Honig ums Maul schmieren und den Politikern ist auch mal ein schärferer Ton zuzumuten.“ Schließlich habe er nicht nur über seine persönlichen Nöte gesprochen, sondern über die einer ganzen Branche. Einen Tag nach Kriningers 26-Minuten-Video war die Schließung der Gastronomie für den November in Berlin offiziell verkündet.

Die Rückmeldungen seien „fast 100 Prozent positiv“ gewesen, so Krininger. „Das Telefon stand nicht mehr still, viele bedankten sich. Ich hab‘ tausende E-Mails bekommen. Es war schon gigantisch.“ Zuspruch kam nicht nur aus allen Ecken Deutschlands, sondern auch aus Österreich oder Dänemark. Keine Reaktionen gab es dagegen aus der Politik, weder der großen, noch der kleinen. Umso größer dafür der mediale Rummel. Nach dem Artikel von chiemgau24.de interessierten sich nicht nur weitere lokale Medien für das Wut-Video, sondern auch der Stern oder die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

„Seit letzter Woche geht‘s mir so, dass ich um 3 Uhr in der Früh aufstehe und in die Küche gehe. Einfach weil mir so viele Sachen durch den Kopf gehen“, berichtet der 52-Jährige. Die Regierung hat bereits ein Hilfspaket angekündigt. Wirte sollen 75 Prozent des Vorjahres-Novembers ausbezahlt bekommen. Nur: Wie hoch sind die bürokratischen Hürden? An welche Bedingungen werden die Gelder geknüpft? Und wann kommen sie? „Ich hoffe, dass auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz beibehalten wird oder für die Gastronomie der verringerte Steuersatz gilt“, so Robert Krininger.

Maske aufsetzen, Abstand halten, Hände waschen - von jenen Anti-Corona-Grundregeln ist der Siegsdorfer Wirt überzeugt und appellierte auch dafür in seinem Video. „Mit den Verschwörungstheoretikern oder der AfD habe ich nichts am Hut. Ich lebe einfach in der realen Welt.“ Aber Panik würden die Leute auf die Dauer nicht mehr aushalten. Schließlich gehe es um Existenzen, „und das wichtigste ist und bleibt die Menschlichkeit.“

xe

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