Siegsdorf will keine Gentechnik

+
Hauptreferent Christoph Fischer aus Söchtenau im Gespräch mit Bürgermeister Thomas Kamm (links).

Siegsdorf - Für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik setzt sich die Arbeitsgemeinschaft „Zivil Courage Rosenheim“ ein. Auch in Siegsdorf will man keine gentechnisch veränderten Lebensmittel.

Lesen Sie hier den Bericht der Chiemgau-Zeitung vom Samstag:

Siegsdorf will Agro-Gentechnikfreie Zone werden

Beim zweiten Informationsabend zum Thema "Gentechnikfreie Gemeinde Siegsdorf" schockierte Hauptredner Christoph Fischer von der Arbeitsgemeinschaft "Zivil Courage Rosenheim" im Festsaal mit haarsträubenden Angaben aus dem Bereich der industriell betriebenen Landwirtschaft mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren.

Fischer rief die Zuhörer auf, genau hinzuschauen und beim Einkauf auf das breite Angebot gentechnikfreier Lebensmittel zurückzugreifen. "Der Verbraucher hat die Macht - was er nicht kauft, wird aus den Regalen verschwinden und nicht mehr produziert."

"Fast 90 Landwirte aus unserer Gemeinde haben bereits die freiwilligen Selbstverpflichtungserklärungen, in denen sie sich dazu verpflichten nur Futtermittel zu verwenden die nicht gentechnisch manipuliert, bei uns abgegeben", lobte Bürgermeister Thomas Kamm die Bauern aus dem Gemeindegebiet und forderte die Bürger und Verbraucher auf, durch gezielten und überlegten Einkauf heimischer Lebensmittel die Vorgaben der Landwirte aufzunehmen und zu unterstützen.

"Agro-Gentechnik hat zum Ziel, durch großflächigen, rationalen Anbau die regionale Vielfalt und Struktur zu zerstören und damit die absolute Kontrolle über unsere gesunde Nahrungsmittelkette zu gewinnen", begründete der Bürgermeister das Engagement der Gemeinde. Zugleich appellierte er an die bayerische und deutsche Politik, die Verantwortung für gesunde und sichere Lebensmittel nicht den kommerziell ausgerichteten Konzernen zu überlassen.

Wesentlich dramatischer formulierte den Sachverhalt Festredner Fischer. Er machte an drastischen Beispielen aus der ganzen Welt deutlich, wie groß die Macht der Konzerne durch Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen, Samen oder auch tierische Gene bereits geworden sei: "Konzerne wie Monsanto, die sich als 'Pflanzenzüchter' deklarieren, haben ihre Wurzeln in der 'Giftmischerei' und ihren Aktionären bereits vor Jahrzehnten zugesagt, mit dem Einstieg in die Agro-Gentechnik das 'Kerngeschäft drastisch zu steigern'."

Mit ruhigen, aber aufrüttelnden Worten erinnerte Fischer die knapp 80 Besucher an den bisherigen Erfolg der Arbeitsgruppe "Zivil Courage" - eine unabhängige Plattform für alle, die sich mit sachlicher Aufklärung zum Schutz der ländlichen Struktur, der Artenvielfalt und der Vielfalt unserer Lebensmittel stark machen möchten. In nur drei Jahren seit der Gründung im Januar 2006 in Rosenheim sei diese Idee in viele andere Landkreise übergeschwappt und habe den Samen für die Schaffung vieler Tausend Hektar gentechnikfreier Anbauzonen in Südbayern gelegt. "Wir alle stehen in der Verantwortung, wie die Erde an die nächsten Generationen übergeben wird. Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, gibt es noch eine Chance auf Umkehr", beschloss Fischer seinen bewegenden Vortrag, den er mit aussagekräftigen Bildern gewürzt hatte. Unter www.zivilcourage.ro kann sich jeder Interessierte über die Arbeit von Zivil Courage informieren und die Gemeinschaft mit seinem Eintrag unterstützen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion beantworteten neben Fischer und Bürgermeister Kamm auch der Biobauer Bernhard Hennes aus Erlstätt, die Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Elisabeth Koch aus Inzell, Barbara Steiner als Marketingleiterin der Berchtesgadener Milchwerke Piding, der langjährige Kreisvorsitzende der Imker, Josef Rachl, und die Siegsdorfer Ortsbäuerin Rosi Braml die vielen Fragen des Publikums.

Auf einige Fragen zur Auswirkung genmanipulierter Fütterung auf die Züchtung ihrer Tiere konnte auch Otto König vom Rinderzuchtverband Traunstein zur Aufklärung beitragen und ein Vertreter der Raiffeisen Lagerhäuser bestätigte, dass die massierten Anfragen der Bauern nach GVO-freien Futtermitteln bereits zu einer massiven Umstellung des Angebotes geführt hätten. Die Berchtesgadener Milchwerke werden ab Januar 2010 ihre gesamte Produktion als "gentechnikfreies Lebensmittel" deklarieren können, bestätigte Marketingleiterin Barbara Steiner und kündigte auch regelmäßige Kontrollen bei den Zulieferern an. Elisabeth Koch, die bereits mit großem Erfolg in Inzell für einen "Gentechnikfreien Landkreis" eingetreten ist, forderte alle auf, aufzustehen und im persönlichen Bereich Verantwortung für die kommenden Generationen zu übernehmen und der Landwirt und Imker Sepp Rachl hoffte, dass bald auch die Blumenhändler, Landschaftsbauer und Gartenbetriebe sich dem Beispiel der Bauern anschliessen und auf natürliche Anbaumethoden setzen.

Bürgermeister Kamm abschließend: "Wir haben heute gelernt, genauer hinzuschauen - wo es keinen Ausstieg mehr gibt, sollte sich der Einstieg von selbst verbieten."

fkr/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser