Traunstein wirbt um Familien

Vor allem junge Familien mit Kindern können sich freuen: Die Stadt Traunstein legt in Haslach ein neues Einheimischen-Modell auf. Dabei sollen bis zu 32 Wohnhäuser auf dem 33000 Quadratmeter großen Areal in der Nähe der Haslacher Grundschule entstehen. Repro wittenzellner

Traunstein - Die Traunsteiner Bevölkerung wird immer älter, weshalb der vermehrte Zuzug von jungen Familien angestrebt werden soll. Aber wie? Der Stadtrat beriet jetzt darüber:

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Überalterung der Wohnbevölkerung, mit der Traunstein wie viele andere Kommunen konfrontiert ist, soll der vermehrte Zuzug von jungen Familien angestrebt werden. Das sagte Oberbürgermeister Manfred Kösterke in der Sitzung des Stadtrats am Donnerstagnachmittag. Unter anderem beschäftigte sich das Gremium mit den Richtlinien zur Vergabe von Baugrundstücken im Traunsteiner Einheimischen-Modell.

32 Wohnhäuser sind in Traunstein-Haslach im Ortsteil Einham im Rahmen eines Einheimischen- Modells geplant. Baubeginn durch die jeweiligen Eigentümer soll auf dem rund 33.000 Quadratmeter großen Areal ab Frühjahr kommenden Jahres sein. Diese müssen sich aber noch auf die Grundstücksvergaben bewerben. In seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag hat sich der Traunsteiner Stadtrat nun mit den bestehenden Richtlinien für die Vergabe von Baugrundstücken im Traunsteiner Einheimischen Modell beschäftigt. Die bisherigen Vergabebestimmungen sind seit Januar 2003 in Kraft und sehen unter Anderem eine Erwerbsberechtigung nur für "Ortsansässige" vor, die vor Antragstellung mindestens sechs Monate ihren Hauptwohnsitz in Traunstein haben müssen.

War ein in Traunstein bestehender Hauptwohnsitz oder Arbeitsplatz bisher Grundvoraussetzung für eine mögliche Vergabe, hat der Stadtrat dies nun als lediglich ein Vergabekriterium herabgestuft.

Daneben sind die Summe der Einkünfte, eine Behinderung oder Pflegestufe sowie - mit starker Gewichtung - die Zahl und das Lebensalter der Kinder entscheidende Vergabekriterien. Waren jährige Einkommensverhältnisse von über 100.000 Euro bisher ein Ausschlusskriterium, so soll nun alles über die "Sozialpunkte" entschieden werden, bei denen man sowohl Plus- wie auch Minuspunkte bekommen könne. "Sozialverträglich sollen Einheimische besser gestellt werden, ohne dass jemand ausgeschlossen wird", sagte der Oberbürgermeister in der Sitzung, der gleichzeitig einräumte, dass es in Traunstein praktisch keine Grundstücke am freien Markt zu kaufen gäbe.

Diskussionen ergaben sich über den Antrag der Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen, der vorsah, dass Eigentümer ab einem zu versteuernden Einkommen von 110.000 Euro einen marktüblichen Preis für das jeweilige Grundstück zu zahlen hätten. Dieser Regelung mochte das Stadtoberhaupt wenig abgewinnen. Denn eventuelle Aufschläge seien willkürlich, da es für die bisher landwirtschaftlich genutzten Grundstücke am freien Markt bisher keinen Preis gebe. In der späteren Abstimmung fand der Antrag keine Mehrheit.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner konnte sich für die SPD-Fraktion zwar mit dem von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Modell anfreunden, wünschte sich aber eine stärkere Berücksichtigung von Pendlern, die regelmäßig nach Traunstein zum Arbeiten fahren würden. Auch hier verteidigte Kösterke den vorgelegten Richtlinienentwurf: Man wolle niemand ausschließen. "Aber die Stadt hat in erster Linie für die zu sorgen, die hier leben und arbeiten."

CSU-Stadtrat Karl Schulz sah in dem neuen Kriterienkatalog "einen richtigen bevölkerungspolitischen Ansatz" in der entsprechend starken Gewichtung für Familien mit mehr Kindern. In der Abstimmung konnten sich alle Stadtratsmitglieder mit Ausnahme des Grünen Stadtrats Wilfried Schott mit der geplanten Neufassung der Vergaberichtlinien anfreunden und beschlossen mit 22:1 Stimmen die Verabschiedung der Richtlinien.

wz/Chiemgau-Zeitung

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