Ständig in Aktion: Die Autobahnmeisterei

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Das soll die Autobahnmeisterei tunlichst verhindern - Stau.

Siegsdorf - Die Autobahnmeisterei (AM) in Siegsdorf hat außergewöhnliche Aufgaben zu bewältigen. „Mit ihren 70 Jahren stellt die von uns zu betreuende Autobahn eine besondere Herausforderung dar", macht Bauhofleiter Markus Götz aufmerksam.

Der 47-jährige Straßenmeister und sein Team sind zuständig für die Straßenkilometer der A8 zwischen den Anschlussstellen Bernau bis zum Grenzübergang Bad Reichenhall - und das in beiden Fahrtrichtungen.

Kinder besuchen die Autobahnmeisterei

Kinder bei der Autobahnmeisterei

Die Vorkriegsautobahn ist ausgestattet mit sehr engen Straßenquerschnitten und Radien sowie zahlreichen, unübersichtlichen Kuppen. Zudem fehlt zu 90 Prozent der Strecke die Standspur. „Grundsätzlich ist damit ein erhöhter Sicherungsaufwand bei Instandsetzungs- und Erhaltungsarbeiten verbunden", so Götz. Er erklärt weitert, dass in diesen Fällen immer eine Fahrbahn „weggenommen“ werden muss. Das behindert den Verkehr und birgt Stau- und Unfallgefahr.

Um diese Situationen zu verhindern, werden die Arbeiten – insbesondere in der sommerlichen Hauptreisezeit – in die Nacht oder auf verkehrsarme Zeiten verlagert. „Planbare Nachtarbeit erfolgt überwiegend freiwillig, für nicht planbare Fälle besteht Rufbereitschaft und bei Bedarf werden zusätzliche Arbeitskräfte angefordert", informiert Götz.

Täglich rauschen bis zu 88.000 Autos über die Autobahn

Der 47-jährige weist auf die äußerst große Unfallhäufigkeit in seinem Dienstgebiet hin. Jährlich ereignen sich hier rund 250 Unfälle, wobei noch rund 80 „unbekannte“ Unfälle hinzukommen, die nicht gemeldet werden. Im Durchschnitt werden im Bereich der AM Siegsdorf in 24 Stunden 67.573 Fahrzeuge registriert mit Spitzenwerten in der Urlaubszeit von über 88.000 Fahrzeugen und Tagesspitzenwerten im Winter mit gut 62.000 Fahrzeugen.

Sorgen bereiten vor allem der Schwerverkehr und die vielen, schweren Lkw-Unfälle mit stundenlanger Sperrung der Autobahn. Da die Autobahn unmittelbar am Chiemsee verläuft, ist auch der Aufwand für die Instandhaltung der Funktionsfähigkeit an den Entwässerungseinrichtungen sehr umfangreich. So gilt es vor allem nach Unfällen in diesem, wie auch im übrigen Streckenbereich, bei denen Flüssigkeiten austreten, rasch zu handeln, um Verunreinigungen der Gewässer zu verhindern.

Besonderes Augenmerk gilt hier den vorhandenen Regenrückhaltebecken, deren Funktion stets gewährleistet sein muss. Auch die teilweise steilen Böschungen an der Autobahn erfordern bei Grünflächenpflege bei weitem mehr Arbeitskräfte statt sonst.

Hauptstraßenmeister Markus Götz leitet die AM in der 8000 Einwohner zählenden Gemeinde Siegsdorf seit 2001. Als Stellvertreter steht ihm Straßenmeister Willi Geier zur Seite. Mit ihnen sind insgesamt 25 Mitarbeiter beschäftigt. Sie sind ausgebildete Straßenwärter mit Handwerksberufen wie Schreiner, Schlosser und Mechaniker. In erster Linie sind sie in Kleintrupps von drei bis vier Personen auf der Straße im Einsatz, doch bei Bedarf wirken sie in der Schreinerei, Werkstatt oder Schlosserei mit.

„Die Strecke muss im Winter 24 Stunden schwarz sein“

Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass mittel- und langfristig eine Personalreduzierung in Kauf genommen werden muss. „Ich versuche, damit zurecht zu kommen", kommentiert Götz. Die Konsequenz: zunehmende Auslagerung von verschiedenen Arbeitsbereichen. Im Moment sind bereits an Fachfirmen vergeben Streckenreinigung mit Kehrmaschine, Wartung, Instandhaltung und Reinigung der Entwässerung mit Saug- und Spülwagen, Reparatur der Schutzplanken sowie Wildschutzzäune, Markierungsarbeiten und sämtliche Erhaltungsmaßnahmen am Fahrbahnbelag. Sehr hohe Anforderungen stellt der Verlauf der Autobahn-Strecke und die geografische Lage besonders auch an den Winterdienst. Der hohe Lkw-Verkehr und die drei Steigungsabschnitte mit sechs Prozent sowie bei 521 bis 702 Meter über Meereshöhe mit in der Regel Schneefallhöhen von sechs bis acht Metern erfordern einen außergewöhnlichen Einsatz. „Die Strecke muss 24 Stunden schwarz sein", bringt es Götz auf den Punkt. Deshalb herrscht von 1. November bis 30. April Drei-Schicht-Betrieb und Rufbereitschaft mit je zwei Männern. 

„Der Winterdienst muss so organisiert sein, dass der Verkehr nicht zum Stillstand kommt", stellt Einsatzleiter Götz fest. Zweimal jährlich - vor und nach der Saison – finden dazu Dienstbesprechungen statt, bei denen alle wichtigen Punkte durchgesprochen und aufgefrischt werden bzw. Rückschau gehalten wird. Die Siegsdorfer Räum- und Streufahrzeuge sind mit Feuchtsalzstreugeräten ausgerüstet. 

Zum Einsatz kommt bei der AM Siegsdorf überwiegend Siedesalz. Das Streugut lagert verteilt in drei Salzhallen: in Siegsdorf 2000 Tonnen, im Stützpunkt Teisenberg 1000 Tonnen und in Bernau 900 Tonnen. Im strengen Winter 2005/2006 waren nach Auskunft von Götz alle Fahrzeuge insgesamt 536 Tage im Winterdiensteinsatz und erbrachten knapp 115.000 Einsatzkilometer.

re

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