Mauerfall nicht in Sicht

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Die Steine des Anstoßes: Vor und hinter der eigentlich zweiteiligen Mauer wurde Thujen gepflanzt, um die Betonwand hinter den Pflanzungen verschwinden zu lassen.

Reit im Winkl - Der Streit um die Mauer und kein Ende: Genau ein Jahr dauert nun schon die Auseinandersetzung zwischen den Betreibern des "Weißen Rössl" Rosa Mayer und deren Sohn Rudolf, dem Landratsamt und Gemeinderat. 

Selbst das Verwaltungsgericht hatte sich bereits mit diesem Fall zu beschäftigen. In seiner jüngsten Sitzung hatte sich der Rat neuerlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Doch die Fronten bleiben verhärtet, ein angestrebter Kompromissvorschlag fand nur teilweise die Zustimmung des Gemeinderats.

Vor einem Jahr war vor der stattlichen Fremdenpension, die 35 Gäste beherbergen kann, eine Betonmauer errichtet worden - 1,45 Meter hoch und nur 50 Zentimeter vom Gehsteig entfernt. Diese Mauer an der B 305 unweit des Ortszentrums erregte einerseits den Unmut von Teilen der Bevölkerung, andererseits verstieß sie in Höhe und Abstandsfläche mehrfach gegen die in Reit im Winkl geltende Ortsgestaltungssatzung.

Der Gemeinderat lehnte im Juli 2008 eine nachträgliche Genehmigung ab, das Landratsamt bestätigte diesen Entscheid und erließ im Mai diesen Jahres eine Abrissverfügung. Dieser Verfügung wollten sich die Antragsteller allerdings nicht beugen und klagten beim Traunsteiner Verwaltungsgericht. Sie erreichten eine Fristverwahrung, gewannen also Zeit. Zeit, die die Antragsteller auf Geheiß des Gemeinderats nutzen sollten, um ein Gesamtkonzept für die Einfriedung der Pension vorzulegen.

Dieses Konzept galt es nun zu prüfen. So beschäftigte sich am Dienstag zunächst der Bauausschuss mit dem kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzten Thema. Hier befand man, dass ein 20 Meter langer Zaun, dessen Höhe nun von 1,80 Metern auf 1,35 Metern reduziert worden war, genehmigungsfähig sei. Zudem könne dieser Holzzaun, der den neu entstandenen Swimmingpool vor Lärm und Einsehbarkeit schützen soll, im Bedarfsfall wieder abgebaut werden. Dies könne bei Hochwasser des an der Grundstücksgrenze vorbeiführenden Dosbachs notwendig sein. Der Gemeinderat folgte in seiner unmittelbar darauf angesetzten Sitzung diesem Vorschlag des Bauausschusses und genehmigte den Vorschlag bei einer Gegenstimme.

Zu einer Grundsatzfrage über die Einhaltung von Regeln entwickelte sich allerdings das Streitthema Betonmauer: Während der Zweite Bürgermeister Andreas Heigenhauser grundsätzlich den hier geschaffenen Wellnessbereich als begrüßenswerte "Investition in den Tourismus" und als "Qualitätssteigerung" interpretierte, der auch den Bau der Mauer rechtfertige, war die große Mehrheit seiner Gemeinderatskollegen vehement gegen die hier angestrebte Kompromisslösung. Diese sah vor, den Beton hinter einer Holzverschalung mit einem kleinen Schrägdach verschwinden zu lassen, wodurch die Mauer aber nochmals höher würde.

"Höherer Schwarzbau ist nicht hinnehmbar"

"Dass diese schwarz gebaute Mauer jetzt noch höher werden soll, ist nicht hinzunehmen", meinte Rudi Wolfenstetter (Neue Liste). "Wie haben das Ortsbild zu wahren und dürfen die Linie der Satzung nicht aufweichen", sagte Mathias Schlechter (CSU). "Eine vermeintliche Qualitätssteigerung ist keine Rechtfertigung für einen Schwarzbau, wir sind den Antragstellern jetzt weit genug entgegengekommen", befand Georg Speicher (Freie Wähler).

Die Abstimmung erbrachte schließlich, dass der ausgehandelte Kompromissvorschlag lediglich zwei Unterstützer fand: Nur beide Bürgermeister votierten für diese Variante. Die große Mehrheit im Gemeinderat konnte sich nur darauf verständigen, dass die Gesamthöhe der Mauer maximal 1,35 Meter betragen dürfe. Bürgermeister Josef Heigenhauser sagte zu, mit den Antragstellern ein neuerliches Gespräch über dieses Streitthema zu führen, wobei Rosa Mayer am Tag nach der Sitzung auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung wenig Bereitschaft signalisierte, die bestehende Mauer teilweise zurückzubauen.

ost

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