SPD strukturiert Energieprogramm neu

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Traunstein - Nicht erst seit Fukushima ist ein Umdenken in der Energiepolitik gefordert. Die SPD-Fraktion im Kreistag will nun konkrete Konzepte für die Region auf den Weg bringen.

An ein einzelnes „Allheilmittel“ in einer Erzeugersparte glaubt die SPD nicht - stattdessen sieht sie im Energiemix das Potenzial der Zukunft. Schwerpunkte sollten dabei der Ausbau von Wasser- und Windkraft sein.

Wie SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau in der fraktionsoffenen Sitzung erläuterte, werde nach wie vor für das energetische Zukunftskonzept der SPD das vor vier Jahren aufgestellte Energieprogramm der Kreis-SPD sein. Der Rahmen wurde damals schon richtig gesetzt, so Reichenau und es freue ihn besonders, „dass nun auch die Union auf den damals von der SPD geforderten Kurs eingeschwenkt sei“. Auch der Landkreis sei mit seinem Ziel, bis 2020 eine autarke Energieversorgung mit regenerativen Energiequellen zu erreichen, auf dem richtigen Weg. Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser ergänzte hier, dass dieses Ziel zwar durchaus erstrebenswert sei, jedoch dabei außer Acht gelassen werde, dass die großen Industrieunternehmen des Landkreises als größte Energiekonsumenten im Grunde genommen auch dazu genommen hätten werden müssen.

Für ihn stehe gleichzeitig fest, dass die Zukunft der Energieversorgung „nur im ausgewogenen Energiemix“ zu finden sei. In diesem Mix setzt Fraktionssprecherin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner auf zwei neue „alte“ Energiequellen: Wind und Wasser. Wenngleich bei der Windenergie das Landschaftsbild nicht spürbar beeinträchtigt werden dürfe und vor allem die Belange der Anwohner berücksichtigt werden müssten, so berge diese Energieform in bestimmten Lagen ein schier unerschöpfliches Potenzial. Monika Berlitz, die Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt definierte nochmals die grundlegenden Forderungen aus dem SPD-Programm: „Energiesparen muss im Vordergrund stehen, das mahnt uns nicht nur das schreckliche Unglück von Fukushima!“ Im SPD-Arbeitskreis wurden bereits Untergruppen festgelegt, welche die einzelnen Sachgebiete Erneuerbare Energien, Energieeinsparung, Geothermie und Netzinfrastruktur behandeln sollen. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt sieht Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke in der Wärmeenergiegewinnung. Gerade Projekte wie die Biomassenutzung durch Hackschnitzel und Holzpellets bergen noch Potenzial und können ideal für die regionale Energieversorgung durch Vor-Ort-Energiequellen genutzt werden.

In punkto Gebäudemanagement sieht Waltraud Wiesholer noch genügend Reserven, die bisher kaum genutzt werden, wenngleich auf diesem Sektor mit Bedacht geplant werden müsse, so Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl: „Die Mieten landkreiseigener Wohnungen müssen auch nach einer energetischen Sanierung erschwinglich bleiben!“ Dirk Reichenau erwartete sich von einer Rückkehr in die dezentrale kleinteilige Energiewirtschaft, wie sie noch vor dem Dritten Reich Bestand hatte, eine heilsame Kurskorrektur der derzeit sich in der Sackgasse befindlichen Energiewirtschaft. Das bedeute für ihn auch bei der Wasserkraftnutzung, die er grundsätzlich befürwortete, eine „sanfte Integration in bestehende Flusslandschaften“. Von einer relativ neuen Energieform, die gerade in unserer Region von großer Bedeutung sein könne, berichtete Traunreuts Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler.

An seinem Heimatort werde derzeit eine großflächige Bohrplattform geschaffen, auf der ähnlich dem Verfahren in Kirchweihdach die Tiefenenergie angezapft werden sollte. Das Geothermieprojekt in Traunreut stehe zwar noch am Anfang, aber man erwarte in zwei Jahren sowohl thermische als auch elektrische Energie für mehrere tausend Einwohner durch effiziente Wärmeenergietransformationen. Dass auch die Industrie die Energieversorgungsentwicklung neu ausrichten werde, sieht Kreisrat Hans-Michael Weisky. Nicht jede kommunale Einrichtung könne sich darauf verlassen, dass die Energieversorgung etwa für Schwimmbäder künftig noch fortgeführt werde, da der Eigenenergiebedarf steige. Altenmarkts Altbürgermeister Horst Meier ließ in die Überlegungen noch mit einfließen, dass eines bei den Sonnenenergien nicht übersehen werden dürfe: die Speicherfähigkeit. Er empfahl daher auch die Schaffung und Stärkung ausreichender Pumpspeicherkraftwerke ins Kalkül zu nehmen.

Neben den Schwerpunkten, die man sich in der regionalen Energiepolitik setzt, brachte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler noch einen weiteren Aspekt in die Neudefinition des Energieprogramms mit ein: Subventionen, die der Staat für die Energieförderung beisteuert, müssten gezielt kanalisiert werden und erlauben oft wenig Freiräume. In Energieeinsparungen steckten daher seiner Meinung nach noch die größten Potenziale.

Pressemitteilung SPD Kreisverband Traunstein/Schlaipfer

Rubriklistenbild: © dpa

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