Tatort Geldautomat

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Nicht als Fälschungen erkennbar: Solche echt aussehenden Tastaturen montierten rumänische Banden auf Geldautomaten in der Region. So kamen sie an die Pin-Nummern von ahnungslosen Kunden und räumten die Konten leer.

Rosenheim/Traunstein - Jeder kennt sie, jeder nutzt sie: Geldautomaten. Doch manchmal ist man sich der Gefahr nicht bewusst, in die man sich begibt wenn man an so einem Automaten Geld abhebt.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Tatort Geldautomat

Es ist eine Gaunerei, die bei rumänischen Banden offenbar in Mode ist. Sie manipulieren in Deutschland Geldautomaten, verschaffen sich Pin-Nummern mit versteckten Kameras und räumen in Bukarest oder Craiova mit gefälschten EC-Karten die Konten ahnungsloser Bankkunden leer. Drei Rumänen, die im Raum Rosenheim ihr Unwesen trieben, wurden jetzt in Traunstein zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

"Betrüger prellen Bankkunden" titelte das unsere Zeitung im Oktober 2008, als unbekannte Fälscher zwei Geldautomaten in der Rosenheimer Innenstadt manipulierten.

Entsetzt stellten die Kunden fest, dass von Bukarest aus hohe Beträge von ihren Konten abgezogen wurden. Im Januar 2009 flog die Bande im Sauerland auf. Ein aufmerksamer Kunde hatte die so genannte Skimming-Elektronik - to skim heißt auf Deutsch so viel wie abschöpfen - in einem Türöffner entdeckt. Drei Männer wurden gefasst. So landeten sie jetzt vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Karl Niedermeier.

Gegenstand der Anklage von Staatsanwalt Dr. Stefan Poller war "gewerbs- und bandenmäßige Fälschung von Zahlungskarten mit Garantiefunktion", wie diese Straftaten juristisch heißen. Die drei Angeklagten gehörten einer rumänischen Gruppe an, die auf die Beschaffung von Bankdaten, die Herstellung von Geldkartenfälschungen und unbefugte Abhebungen vom Ausland aus spezialisiert ist.

Die jungen Männer - der 25-jährige Kopf der Bande und seine zwei 22 Jahre und 23 Jahre alten Komplizen - waren nicht die ersten Kartenfälscher, die auf einer Anklagebank in der Region saßen. Im Mai 2008 wurden zwei Rumänen in Holzkirchen auf frischer Tat ertappt und verurteilt, im Juli 2009 schickte das Amtsgericht Rosenheim zwei 29-jährige Rumänen für vier beziehungsweise drei Jahre ins Gefängnis. Im aktuellen Fall verhängten die Richter in Traunstein fünf Jahre und drei Monate Haft gegen den 25-jährigen Chef und jeweils dreieinhalb Jahre für die Mittäter. Erst nach zähen Verhandlungen war das Trio geständig und ersparte sich damit ein deutlich höheres Strafmaß. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

Betroffen von den Manipulationen waren unter anderem zwei Geldautomaten in Rosenheim und einer in Waldkraiburg. Der Schaden, den die geglückten und missglückten Geldtranfers anrichteten, wurde vor Gericht auf über 250 000 Euro beziffert. Von rund 70 Kundenkarten hatten sich die drei Männer die Daten auf den Magnetstreifen der EC-Karten und die Pin-Nummern beschafft.

Die Betroffenen merkten von dem falschen Spiel zunächst nichts, als sie ihre EC-Karten an den Tür- und Geldautomaten einlasen. Die Rumänen manipulierten die Zugangsanlage - also jene Kästchen, in die der Kunde seine Karte steckt, um außerhalb der Geschäftszeiten die Türe zum Vorraum der Bank zu öffnen. Und sie setzten eine zweite Tastatur auf den Automaten, in die der Chip eines Mobiltelefons mit Minikamera eingebaut war. Oder eine hochauflösende Kamera, im Rauchmelder versteckt, filmte die Tipp-Bewegungen der Kunden.

Teilweise ist das System so ausgeklügelt, dass die Pin-Nummern beim Eintippen in die manipulierte Tastatur direkt per Mobilfunk an die Fälscherwerkstätten übertragen werden. Die Betrügereien an den Geldautomaten boomen: "Diese Art der Delikte durch einreisende Täter hat sich in Bayern von 2007 auf 2008 verfünffacht", so Jaqueline Aßbichler, Richterin am Amtsgericht Rosenheim.

"Skimming" ist leicht nachweisbar, da im Ausland abgebucht wird. Betroffene erhalten ihr Geld vom Geldinstitut zurück. Als Tatmotiv nannte Richter Niedermeier vom Traunsteiner Landgericht die angeblich schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in Rumänien, über die das Trio klagte. Ganz so schlecht kann das Leben der Betrüger in der Heimat aber nicht gewesen sein: Sie reisten mit dem Flugzeug an.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Klicktipp:

Sicherheitsregeln für Bankautomaten

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