Telekom-Mitarbeiter gehen auf die Barrikaden

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Traunstein - Ihrem Ärger über die geplante Arbeitsplatzverlagerung von Traunstein nach Augsburg bei der Deutschen Telekom haben am Montagmittag rund 80 Mitarbeiter des Konzerns Luft gemacht.

Auf Transparenten stand zu lesen "Billiges Personalabbaukonzept" oder "Wir bleiben auf der Strecke". Zu der Kundgebung hatte der Telekom Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di aufgerufen.

Ver.di Bezirksvorsitzender Michael Pertl freute sich über die Resonanz der in der Mittagspause gekommenen Mitarbeiter am Standort Traunstein an dem nach eigener Aussage noch rund 600 Beschäftigte in verschiedenen konzerneigenen und ausgelagerten Mitarbeitern gehören würden: "Das Management hat uns auseinander dividiert. Früher waren wir ein gemeinsamer Betrieb, heute arbeiten hier 25 verschiedene Gesellschaften. Durch die Zerklüftung sind wir verwundbar." Man müsse sich gemeinsam wehren und sich gegenseitig unterstützen. "Heute wir morgen ihr."

Telekom Betriebsrat Ludger Brüggemann nannte die Angebote der Telekom eine "Mogelpackung." Der Konzern agiere unsozial. Standortschliessungen hätten in der Vergangenheit immer zu einem Arbeitsplatzabbau geführt. Man könne beispielsweise leicht Kindertagesstätten fördern. "Hier werden aber die Eltern von den Kindern getrennt, indem sie auf eine Reise nach Augsburg geschickt werden." Das Zitat von Pfarrer Martin Niemöller, der den fehlenden Protest der Menschen während der Nazi-Diktator beklagt hatte, führte er auf die Telekompläne so aus: "Als sie den Standort meines Betriebes geschlossen hatten, gab es niemand mehr der sich mit mir wehren konnte." Man wolle den Protest am Dienstag am Standort Kempten und am Mittwoch in Bamberg fortführen.

Dass die Standortverlagerung für zum Teil jahrzehntelange Mitarbeiter der ehemaligen Post und des späteren Telekom Konzerns eine ganz bittere Pille ist, wurde auch bei den Reden von zwei direkt Betroffenen deutlich: Edeltraud Pfleger aus Obing wies darauf hin, dass sie seit 1973 bei dem Konzern beschäftigt sei. "Ich bin seit über 30 Jahren hier verwurzelt." Nun solle die 54-jährige von Obing mit dem Auto nach Endorf über München nach Augsburg fahren. Da komme dann nochmals eine Fahrstrecke zum derzeit noch gar nicht bekannt gegebenen Standort hinzu. "Ich verbringe auf der Strecke genauso viel Zeit wie in der Arbeit." Sie könne nur kündigen, rechne sich dann aber keine Chance auf eine vergleichbare Arbeitsstelle aus. Wenn sie nach Augsburg müsse, werde sie sich wohl für die Wochentage eine Wohnung in Augsburg nehmen müssen. "Ohne meine Familie - das ist schlimm."

Auch Sepp Grandl aus Bergen machte keinen Hehl aus seinem Ärger. 37 Jahre sei er nun als Beamter bei dem Konzern und bekomme nun die "Friss-oder-Stirb-Entscheidung" vorgesetzt. Auch er wisse, dass das tägliche Fahren keine Alternative sei so Grandl, der sich darauf einstellen müsse, dass er nach Augsburg umziehen müsse.

Auch vorbeikommende Passanten machten ihrem Ärger über den Konzern mit dem großen "T" Luft: "Streikt's was das Zeug hält" ermutigte die junge Frau, die gerade aus dem Telekomladen gekommen war, die Mitarbeiter. "Was ist denn das für ein Unsinn, die Leute sollen über 200 Kilometer zur Arbeitsstelle fahren sollen."

awi

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