Telekom: Gespräch abgeblasen

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Mitarbeiter der Traunsteiner Telekom-Niederlassung bei ihrem Protest mit Umzugskartons gegen Umzugspläne nach Augsburg und Regensburg.

Traunstein/Trier - Im Streit um die Arbeitsplatzverlagerung der Telekom ist ein geplantes Treffen der Oberbürgermeister der betroffenen Standorte, darunter Traunstein und Rosenheim, mit der Konzernspitze geplatzt.

Der Koordinator der Städtevertreter, Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, begründete die Absage an den Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann damit, dass der Konzern sich geweigert habe, Obermann oder ein anderes Mitglied des Vorstands zu dem Gesprächtermin zu entsenden. Dies verlautete gestern aus dem Traunsteiner Rathaus.

Die Vorstandsmitglieder waren offenbar zu keinem Dialog mit den Stadt-Repräsentanten bereit und boten lediglich Ende Februar ein Gespräch mit der untergeordneten Geschäftsführung an. Der Termin wird von den Vertretern aus den betroffenen Kommunen als viel zu spät kritisiert. Die Entsendung von Mitarbeitern, die nicht dem Vorstand angehören, empfinden die Kommunalpolitiker in der Sache offensichtlich "als wenig zielführend". Dieses Handeln passe ganz und gar nicht zu dem Image, das sich die Telekom selbst geben möchte, hieß es weiter.

Kritik am Verhalten der Telekom kam auch von Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke, der sich in einem persönlichen Schreiben an dem Telekom-Vorstand für den Erhalt der Arbeitsplätze in Traunstein eingesetzt hatte. Von den Plänen der Telekom sind in Traunstein rund 40 Mitarbeiter betroffen, deren Arbeitsplätze größtenteils nach Augsburg verlagert werden sollen. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter", kritisierte Kösterke. Von Seiten des "rosa Riesen" sei "leider keinerlei Initiative für einen Dialog" erkennbar, Traunsteins OB. Er erwarte ein zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Konzernspitze abgestimmtes Konzept, das die Belange der Mitarbeiter und deren Familien ebenso berücksichtige wie die Auswirkungen auf die Städte mit Telekom-Standorten.

Nachdem diese Bereitschaft zum Dialog offensichtlich nicht vorhanden ist, haben sich die Städte nun in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Unter anderem wird kritisiert, dass der Telekom-Vorstand mit der Umstrukturierung eine falsche Entscheidung treffen würde: "Wir halten eine solche strukturelle Ausrichtung für grundsätzlich falsch." Der Konkurrenzkampf im IT-Bereich könne durch die Telekom nach Überzeugung des Städtevertreters nur gewonnen werden, wenn der Konzern in der Fläche Präsenz zeige. Daneben wird kritisiert, dass die "Telekomführung eine frühzeitige Beteiligung der Städte und Regionen bezüglich der Umstrukturierungspläne unterlässt." Der Bund könne als Hauptaktionär (31 Prozent des Grundkapitals liegen beim Bund) des Konzerns seinen Einfluss geltend machen, dass die "Argumente und Sichtweise der Kommunen frühzeitig in den weiteren Prozess einfließen können."

Betriebsratsmitglied Ludger Brüggemann teilte auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung zur Handlungsweise des Telekom-Vorstands mit: "Wir finden dieses Verhalten nicht gut und werden für den Erhalt der Arbeitsplätze weiter kämpfen." Gleichzeitig verweist er auf den Teilerfolg, den die Gespräche zwischen der Gewerkschaft Verdi, dem Betriebsrat des Konzerns und dem Vorstand der Telekom im Dezember gebracht hätten: Nach dem neuen Standortkonzept kristallisiere sich heraus, dass ein Standort des Konzerns in Traunstein verbleiben müsse. Für die betroffenen Mitarbeiter könnte die neue Tätigkeit in einem bestehenden Call-Center offensichtlich das Schreckensgespenst "Umzug nach Augsburg" zumindest teilweise vertreiben.

wz/Chiemgau-Zeitung

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