Tierheim in Traunstein: Droht das Aus?

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Renate und Doris Eibl (von links) wurden vom Tierschutzverein Traunstein und Umgebung für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Traunstein - Alarmstimmung beim Tierschutzverein Traunstein und Umgebung: Droht dem Tierheim in Trenkmoos jetzt das Aus?

Lesen Sie hier den Originalbericht aus der Chiemgau-Zeitung:

Wird das Tierheim geschlossen?

Alarmstimmung beim Tierschutzverein Traunstein und Umgebung: Er kann seinen Verpflichtungen zum Unterhalt seines Tierheims in Trenkmoos nur noch durch Entnahme aus den Rücklagen nachkommen. Tierschutz wird dadurch für ihn immer mehr zum "Draufzahlgeschäft".

Dem Kassenbericht, den die Zweite Vorsitzende Helga Steiner bei der Jahreshauptversammlung im "Hofbräustüberl" vortrug, war zu entnehmen, dass der Verein im vergangenen Jahr mehr als 40000 Euro aus den Rücknahmen entnehmen musste, um das Betriebsdefizit des Tierheims in Trenkmoos auszugleichen. Da die Rücklagen nur noch rund 90.000 Euro betragen, droht dem Tierheim möglicherweise in ein paar Jahren das Aus.

Vorsitzender Karl-Heinz Firsching legte einige Gründe für die finanzielle "Schieflage" des Vereins dar. Im vergangenen Jahr waren die tatsächlichen Kosten für Fundtiere erstmals größer als die Einnahmen durch die Pauschalen der Gemeinden. "Darüber muss mit den Gemeinden gesprochen werden", forderte Firsching. Ein weiteres Loch reiße die Verpflichtung zum Kanalanschluss des Tierheims in die Kasse. Der Kostenvoranschlag liege bei über 73.000 Euro. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, dem die Wohnung beim Tierheim gehört, habe sich zwar bereit erklärt, einen Teil der Kosten zu übernehmen, dem Verein bleibe aber immer noch ein Rest von zirka 40.000 bis 50.000 Euro. "Ein Spendenaufruf brachte erste Erfolge", sagte der Vorstand. Sorgen bereitet zudem die alte Heizungsanlage, die immer wieder hohe Reparaturkosten verursache. Jetzt sollen Kostenvoranschläge eingeholt und die Erneuerung in Angriff genommen werden.

Auf der anderen Seite habe sich die Mitgliedersituation in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert. Ihre Zahl nehme stetig ab und liege aktuell bei nur noch 940. Die Hauptgründe seien Überalterung und Tod. "Die Zahl der Neumitglieder kann die Verluste nicht ausgleichen", stellte Firsching fest. Er appellierte daher an alle Tierfreunde, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Tiere nicht zu vergessen und durch die Mitgliedschaft im Tierschutzverein, durch Spenden und aktiven Einsatz den Tierschutz voran zu treiben. Und er machte deutlich: "Es besteht die große Sorge, dass der Verein das Tierheim in seiner jetzigen Form in einigen Jahren nicht mehr betreiben kann, da bereits heute die jährlich entstehenden Kosten nur noch aus den zur Neige gehenden Rücklagen bestritten werden können."

Der Vorsitzende konnte aber auch "Erfreuliches und Ermunterndes" berichten. Zum alljährlichen Tag der offenen Tür im Tierheim waren viele Besucher nach Trenkmoos gekommen, wie auch der Verkauf beim Christkindlmarkt und der Adventsnachmittag im Tierheim "etliche Spenden" gebracht hätten. Besonders erwähnte er die großzügige Spende der Unterforsthuber-Stiftung und eines Tierfreundes, der den Kauf des neuen Fahrzeugs finanziell unterstützte.

Der Vorsitzende ehrte für 25 Jahre Mitgliedschaft im Tierschutzverein Doris und Renate Eibl (Traunstein), Inge Feltges (Traunstein), Fritz Kiesel (Grassau) und Gertraud Vordermayer (Teisendorf).

In Vertretung von Schatzmeisterin Angelika Kretschmer, die aus beruflichen Gründen ihr Amt aufgeben musste, gab die Vizevorsitzende Steiner den Kassenbericht 2009 ab. Den Ausgaben von 232.600 Euro standen Einnahmen 188890 Euro gegenüber. Spenden seien in Höhe von 83.000 Euro eingegangen. Die Sammlung zur Welttierschutzwoche brachte 19000 Euro. Diese Summe deckt jedoch gerade einmal die Tierheimkosten eines Monats. Die Gemeinden erstatteten Fundtierrechnungen von 18.000 Euro. Tierpensionen erbrachten 12.000 Euro. Dagegen betrugen die Lohnkosten, Sozialabgaben und Lohnsteuer fast 94.000 Euro. Strom, Wasser, Heizöl, Müll und anderes schlugen mit 23.000 Euro zu Buche, Tierarztkosten über 43.000 Euro.

Weil im Haushaltsplan 2010 rund 50.000 Euro fehlen, wünschte sie sich "viele neue Mitglieder". Spenden, Erbschaften oder Nachlässe würden dem Tierschutzverein zusätzlich helfen, das Rücklagenkonto wieder etwas aufzufüllen. Mit Herbert Steiner wurde ein neuer Schatzmeister gewählt. Seine Stelle als Kassenprüfer über-nahm Günther Schmid.

Die Berichte hätten gezeigt, dass Spenden fehlten, aber dringend notwendig seien, stellte Traunsteins Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholer-Niederlöhner fest. "Wenn das Tierheim nicht wäre, dann wäre der Tierschutzverein Traunstein ein relativ reicher Verein." Die Ausgaben für das Tierheim seien schon gewaltig. Das 20 Jahren alte Tierheim komme in die Jahre, was sich in den vielen Reparaturen niederschlage.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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