Circus Krone-Stallmeister in Angst vor Aktivisten

Ein Tierquäler? "Ich wurde zum Hass-Objekt gemacht" 

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Pietro Bento im Einsatz: Der 38-Jährige lebte sein ganzes Leben im "Circus Krone". Mit dem Wildschwein trat er auch in der Manege auf.
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Landkreis - Irgendwann wurde es zu viel: Sein ganzes Leben verbrachte Pietro Bento im "Circus Krone", wurde wie sein Vater Exotenstallmeister. Doch die Angriffe von Tierschutz-Aktivisten nahmen Überhand. 

"Ich habe nachweislich eine saubere Akte, keinen Eintrag im Tierbestandsbuch, habe immer versucht mein Bestes zu tun für die Tiere. Und dann werde ich von einem 18-Jährigen öffentlich als Tierquäler gebrandmarkt!"

Emotional und leidenschaftlich setzt sich Pietro Bento im Gespräch mit unserer Redaktion zur Wehr. Ihn treibt es um, dass erneut Tierschutz-Aktivisten gegen Circus Krone-Auftritte in der Region mobilisieren, momentan speziell in Traunstein. Immer wieder sei er von ihnen bedroht worden, selbst vor Gewalt hätten manche nicht zurückgeschreckt. 

Bento ist ein Zirkuskind, hat sein ganzes Leben im "Circus Krone" verbracht, erzählt der Stallmeister. Er kümmerte sich um Nashörner, Nilpferde, Lamas, Zebras und ein Wildschwein. Nun mit 38 Jahren nahm er Abschied. Er hielt den Druck nicht mehr aus. 

Der Aufbau und Abbau der Tiergehege, die Fütterung, alle Vorgaben der Veterinärämter habe er penibel eingehalten und protokolliert. So schreibe der Gesetzgeber Mindestgrößen vor, wann Fütterungen erfolgen müssen, wann die Tiere in Freigehege können. "Als Privatperson bekommen Sie keine Vorgaben, wann Sie ihr Pferd auf die Koppel bringen oder wann Sie mit dem Hund Gassi gehen müssen. Im Zirkus ist alles genau geregelt und wird streng kontrolliert". 

Rufmordkampagnen und Diffamierungen im Netz

Regelmäßig habe der 38-Jährige zudem an Schulungen des Veterinäramtes teilgenommen. Er wisse also, wovon er redet. "Aber ich muss mich von jungen Aktivisten als Tierquäler bezeichnen lassen, also als Straftäter. Diese Menschen haben keine Ausbildung als Tierpfleger, sind keine Verhaltensbiologen, aber ihnen wird immer eine große Plattform geboten." 

Rufmordkampagnen wirft er ihnen vor, das habe nichts mehr mit Tierschutz zu tun. Den Tiefpunkt habe er in Lauf an der Pegnitz erleben müssen. Vor einer Vorstellung gab es eine Demo von rund 200 Tierschützern vor dem Zirkuszelt. Als Bento zu sehen war, habe jemand in sein Megafon gebrüllt: "Da vorne steht Pietro Bento, merkt euch sein Gesicht! Das ist der Exotenstallmeister!" 

Eine beängstigende öffentliche Bloßstellung für den Zirkusmenschen: "Wer garantiert mir denn, dass ich am nächsten Morgen beim Bäcker nicht von einem dieser aufgestachelten Leute ein Messer in den Rücken gerammt bekomme?" Im Internet seien die Mitarbeiter vom Circus Krone schon öffentlich hingerichtet worden als "Zigeneuerpack, das man erschießen solle".

Backsteine flogen durch die Wohnwagen-Fenster

Die Schwelle zwischen Schmähungen und Drohungen im Netz und echter Gewalt wurde bereits überschritten. Nachts warfen Unbekannte die Fenster seines Wohnwagens mit Backsteinen ein, erzählt er uns. "Normalerweise werden Minderheiten in Deutschland besonders beschützt", die Zirkus-Beschäftigen seien aber offenbar Freiwild, beklagt er. Die Polizei habe solche Täter nie ermitteln können. 

Die Situation war irgendwann zu belastend, dazu noch die Sorge um seine Tochter, die auch auf der Tour dabei war. Er gab 2016 auf und arbeitet nun nicht mehr für den Circus Krone.

"Altes Zirkus-Bild hat sich bis heute eingeprägt"

Für Bento hat die Tierhaltung in Zirkussen auch im 21. Jahrhundert noch eine Existenzberechtigung. "Wenn Kinder nur auf TV-Bildschirmen exotische Wildtiere sehen, haben sie keinen emotionalen Bezug dazu", ist er überzeugt.

Der Vorwurf, dass sich die Tiere im Zirkus gar nicht natürlich verhalten, hält er für überholt."Früher gab es den Bären auf dem Dreirad oder die Raubtiere, die durch Feuerreifen sprangen. Dieses Bild hat sich bis heute leider eingeprägt." 

Mittlerweile würden Dompteure nur noch mit Bewegungen arbeiten, die von den Tieren auch in freier Wildbahn ausgeübt werden, behauptet Bento. Die Tiere würden beschäftigt und gefordert, damit sie nicht verblöden. Das Gleiche geschehe mittlerweile auch bei den Tiervorführungen im Zoo. Die Zirkusse hätten es nur verpasst, der Öffentlichkeit dieses moderne Bild zu vermitteln. 

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