TODESDRAMA AUF TENERIFFA

Unschuldiger Traunsteiner von spanischen Medien zum Familienmörder erklärt

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Mitglieder der Guardia Civil führen einen Einsatz wegen der vermissten Frau aus Deutschland und ihres zehn Jahre alten Sohnes durch. Beide wurden in der Höhle nahe der Gemeinde Adeje tot gefunden.
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Teneriffa/Traunstein - Eine Mutter und ihr Sohn waren seit Dienstag als vermisst gemeldet. Jetzt wurden ihre Leichen in einer Höhle auf Teneriffa gefunden. Die Familie stammt nicht, wie zuerst von spanischen Medien berichtet, aus Traunstein, sondern aus Sachsen-Anhalt.

Update, 16.45 Uhr - Verwechselter Traunsteiner wird im Internet angefeindet

Der gewaltsame Tod zweier Deutscher in einer Höhle auf Teneriffa hat den Urlaub einer Familie aus Traunstein getrübt. Weil der Mann genauso heiße wie der Tatverdächtige, hätten spanische Medien ein Foto von seinem Facebook-Profil verbreitet, sagte am Donnerstag eine Sprecherin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Dort sei er unter anderem auf Spanisch beschimpft worden. Dabei stammten die umgebrachte Deutsche, ihr ebenfalls getöteter zehnjähriger Sohn und der festgenommene Ehemann aus Sachsen-Anhalt, sagte die Sprecherin weiter.

Die Familie aus Traunstein sei gerade in Bayern im Osterurlaub und habe sich über die Kommentare auf ihrem Facebook-Profil gewundert. „Wir haben nun Kontakt aufgenommen und ihnen geraten, das Profil nicht mehr öffentlich zu machen“, sagte die Sprecherin. Die Familie überlege, ob sie rechtlich gegen die Verbreiter ihrer Fotos vorgehen wolle

Update, 12.45 Uhr: Polizei dementiert: Familie kommt nicht aus Traunstein

Wie Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, gegenüber der Redaktion von chiemgau24.de bestätigte, stammt die Familie definitiv nicht aus Traunstein. Die Polizei hat über das Bundeskriminalamt Kontakt mit den spanischen Behörden aufgenommen. Man hätte dies sehr gründlich überprüft, sie stammen nicht aus Traunstein, wohnen nicht in Traunstein und haben auch nicht in Traunstein gewohnt. Stefan Sonntag konnte diese Angaben mit großer Sicherheit machen. Die Familie, die dieses Todesdrama erlitt, stammt aus Sachsen-Anhalt, wie die Stefan Sonntag weiter aufklärte.

Spanische Medien allerdings berichteten, sowohl mit Fotos und Videos, dass es sich um einen Mann aus Traunstein handelt. Diese Angaben wies der Polizeisprecher entschieden zurück.

Erstmeldung

Schockierende Nachrichten aus Teneriffa erschüttern am Donnerstag die Nation. Eine Mutter aus Deutschland und einer ihrer beiden Söhne wurden tot in einer Höhle auf der Insel entdeckt. Jetzt kamen weitere Details zu den Opfern ans Licht: Bei den Toten soll es sich um eine Traunsteiner Familie handeln. Das berichtet die spanische Zeitung "El País".

Beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd liege bislang noch keine offizielle Meldung vor, erklärt Carolin Hohensinn, eine Sprecherin des Präsidiums auf Nachfrage von chiemgau24.de. Das Auswärtige Amt wollte sich auf Nachfrage von chiemgau24.de nicht äußern.

Frau und Söhne waren seit Dienstag vermisst 

Seit Dienstag, den 23. April, wurden die Frau und ihre beiden Söhne vermisst. Mehr als 100 Einsatzkräfte suchten nach der Familie, bis die Mutter und ihr zehnjähriger Sohn am Mittwochnachmittag gegen 16.30 Uhr tot in einer Höhle bei der Gemeinde Adeje gefunden wurden.

Vom fünfjährigen Sohn fehlte zunächst jede Spur. Einige Stunden später wurde er weinend auf der Straße von Passanten aufgefunden. Der Junge spricht laut Medienberichten kein Spanisch, was eine Verständigung erschwere. Er habe anschließend der Polizei mithilfe einer Übersetzerin berichtet, dass sein Vater die ganze Familie zu der Höhle verbracht und dann attackiert habe, so "El País" weiter. Der Junge habe entkommen können und sei stundenlang herumgeirrt.

Vater soll Mutter und Sohn erschlagen haben

Bei dem Angriff habe der Familienvater seine Angehörigen laut ersten Ermittlungen erschlagen. Der Deutsche war nach dem Verschwinden seiner Frau und Kinder bereits am Dienstag festgenommen worden. Er habe alle Anschuldigungen bestritten und behauptet, es seien noch alle am Leben gewesen, als er die Höhle verlassen habe.

Die vermeintliche Traunsteinerin lebte getrennt von ihrem Mann, der auf Teneriffa lebt. Die beiden Söhne haben von der Trennung aber noch nichts gewusst, so die spanische Zeitung. Die Mutter und ihre Kinder waren seit Montag zu Besuch auf der Insel.

Der Fünfjährige befinde sich derzeit unter gerichtlichem Schutz (in polizeilicher Obhut), da sich bisher kein Familienmitglied gefunden habe, dass den Kleinen aufnehmen kann, so "El País" abschließend.

jv

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