Todesfahrer kommt mit Geldstrafe davon

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Traunstein/Unterwössen - Mit einem tödlichen Unfall, dem in Unterwössen eine 81-jährige Fußgängerin zum Opfer fiel, musste sich jetzt das Berufungsgericht in Traunstein befassen. Ein Taxifahrer hatte die Frau mit seinem Wagen erfasst.

Mit nicht ausreichend den Wetterverhältnissen angepasster Geschwindigkeit war ein 62-jähriger Taxifahrer am Abend des 27. Februar 2009 bei leichtem Schneeregen in Unterwössen unterwegs. Das Sammeltaxi erfasste eine 81-jährige Fußgängerin, die nach einem Arztbesuch die Hauptstraße überqueren wollte (wir berichteten). Die Frau starb einige Stunden später im Kreisklinikum Traunstein an den Folgen schwerster innerer Verletzungen. Weil die 81-Jährige Mitschuld an dem Verkehrsunfall trug, kam der Taxifahrer vor der Dritten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro, insgesamt 3600 Euro, davon. Für eine "normale fahrlässige Tötung" seien 140 bis 150 Tagessätze die Regel, so Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann in der Urteilsbegründung.

Das Berufungsgericht bestätigte damit das erstinstanzliche Traunsteiner Amtsgerichtsurteil vom November 2009 als zutreffend in Schuldspruch und Strafhöhe. Mit den 90 Tagessätzen sei der Angeklagte "gut weg gekommen", so Dr. Weidmann.

Der Angeklagte hatte in dem Prozess beteuert, die Frau sei plötzlich vor ihm auf der Straße aufgetaucht, er habe sie vorher nicht gesehen. Dabei sei er keineswegs schnell, mit 40 bis 45 Stundenkilometern eher langsam dran gewesen - eben wegen der Witterungsbedingungen.

Zum Thema Wetter hatte das Gericht auf Antrag von Verteidiger Wolfgang Gschwendner aus Traunstein noch zusätzliche Erkundigungen eingezogen. Der Vorsitzende Richter fragte beim Deutschen Wetterdienst in München nach. Dr. Weidmann erhielt die Auskunft, in Unterwössen gebe es keine eigene Messstation. Doch hätten die nächsten Wetterstationen in Reit im Winkl, Siegsdorf und Herrenchiemsee übereinstimmend für den Unfallzeitpunkt leichten Schneeregen aufgezeichnet. Der Vorsitzende Richter betonte: "Niemand macht Ihnen einen riesigen moralischen Vorwurf. So ein Unfall kann jedem Autofahrer passieren." Entscheidend sei "Fahren auf Sicht": "Je schlechter die Sicht ist, desto langsamer muss man grundsätzlich fahren."

Staatsanwältin Christina Geyer hatte gefordert, die Berufung des 62-Jährigen zu verwerfen. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

kd/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser