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Prozess nach Giftmord von Töging

Glück für die Rechtsmedizin: Verstorbener wünschte Erdbestattung

Ab dem 13. September beginnt der Prozess um den Töginger Giftmord: Tochter und Enkelin eines verstorbenen 75-Jährigen sitzen auf der Anklagebank.
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Am 1. Oktober 2021 musste der Verstorbene exhumiert werden.

Anfang August sollen sie ihrem 75-jährigen Vater und Großvater einen tödlichen Medikamentencocktail verabreicht haben: Nun stehen Mutter (55) und Tochter (30) wegen gemeinschaftlichen Mordes vor Gericht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Prozess im Töginer Giftmord
  • Mutter und Tochter stehen vor Gericht
  • Richter zitiert den Verstorbenen aus den Akten
  • Verstorbener soll den Mann der Enkelin nicht gemocht haben
  • Angeklagte K. spricht über ihren Schwiegersohn

Update, 16.29 Uhr - Zum Glück: Verstorbener wünschte Erdbestattung

Dem Staatsanwalt gegenüber sagt die Angeklagte, dass die Mutter am Morgen des 5. August geklingelt habe. Diese habe sie zwar ins Haus gelassen, sei aber gleich wieder hoch in die eigene Wohnung zurück. Sie habe daraufhin nicht mitbekommen, wann die Mutter den Arzt und weitere Personen angerufen habe. Sie sei erst wieder zurück in das Erdgeschoss, als der Bestatter, ihr Bruder und ihre Tante da waren. 

(Anmerkung der Redaktion: Bei der Befragung der Mutter hatte diese bereits ausgesagt, zuerst den Bestatter angerufen zu haben und bereits eine Feuerbestattung mit diesem besprochen zu haben. Danach habe sie ihren Sohn über den Tod des Opas informiert, welcher ihr gleich mitgeteilt habe, dass der Großvater sich eine Erdbestattung und keine Feuerbestattung gewünscht habe.)

Medikamente im Essen nur eine Schlussfolgerung der Tochter

Später, als die angeklagte 30-Jährige ihrem Mann von den Ereignissen am 4. August erzählte, habe sie geschlussfolgert, dass ihre Mutter Medikamente in das „Saure Lüngerl“ des Großvaters gemischt haben könnte. Diese Vermutung habe sie nach der Beerdigung sowohl der besten Freundin des Großvaters, als auch weiteren Familienmitgliedern im Rahmen des bereits erwähnten Familientreffens im September erzählt. 

Die beste Freundin des Großvaters sei laut der Angeklagten S. zwei bis drei Mal im Monat zu Besuch gekommen. Der Vorsitzende Richter hatte der Mutter von S. bereits vorgehalten, dass diese nach Bekanntwerden des Todes ihres besten Freundes gesagt haben soll: „Das ist jetzt aber schnell gegangen. Meinst Du dass er nachgeholfen hat?“ 

Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler unterbricht die Hauptverhandlung. Diese wird am Donnerstag (15. September) um 9 Uhr fortgesetzt.

*** innsalzach24.de berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal ***

Update, 15.42 Uhr - „Das Tuch ging mir nicht mehr aus dem Kopf“: Die zweite Angeklagte sagt aus

Nach der Mittagspause befragt der Vorsitzende Richter Volker Ziegler die Angeklagte S. Die 30-Jährige wuchs – wie ihr älterer Bruder – bei den Großeltern auf. Ab dem zehnten Lebensjahr habe sie bei ihrer Mutter, der Angeklagten K. leben wollen, welche sich gut um sie gekümmert habe.

Die Angeklagte hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung mit einem Mann türkischer Abstammung, mit dem es wegen seiner traditionellen Vorstellungen von Frauen zu vielen Streitereien und schließlich zum Bruch der Beziehung gekommen sei. Ihre Mutter habe der Angeklagten S. damals viel mit der Betreuung ihrer Tochter helfen müssen. 

Zu ihrer Ehe befragt sagt die Angeklagte: „Natürlich hat man auch einmal seine Streitereien, aber es passt.“ Der Richter hakt nach, warum es zu den angesprochenen Streitereien zwischen dem Ehemann und der Mutter gekommen sei. Laut S. hatte ihr Ehemann Alkoholprobleme, die er aber inzwischen überwunden habe.

Damals sei es zu Überlegungen gekommen, dass die Beziehung beendet werden sollte. Streit mit dem Großvater habe ihr Ehemann nicht gehabt. Richter Ziegler zitiert aus den Akten, dass sich der 75-Jährige darüber beklagt habe, dass seine Enkelin und ihr Mann nichts tun würden. Der Angeklagten S. sei so eine Aussage nicht bekannt.

„Der Arzt kommt heute nicht mehr“

Der Großvater habe schon manchmal gesagt, dass er nicht mehr wolle, so die Angeklagte. „Aber das ist nicht so zu verstehen, dass er lebensmüde war.“ Der Halbbruder der Angeklagten S. sei wegen seines Studiums zwar nur noch zu Feiertagen gekommen, habe sich aber um die finanziellen Angelegenheiten des Großvaters gekümmert. Sie selbst sei nicht mit der Pflege des Großvaters überfordert gewesen, weil der Pflegedienst bereits seit einiger Zeit gekommen war. 

Die Mutter der Angeklagten S. hatte bei der Befragung durch den Richter angegeben, dass die Schwester, welche ebenso ausgebildete Altenpflegerin sei, seit der Kindheit eifersüchtige Gefühle gegen sie gehegt habe. Auch die 30-Jährige bestätigt, dass es öfter Streit zwischen ihrer Mutter und ihrer Tante gegeben hatte. Von einem Streit wegen dem Pflichtanteil der Tante habe sie nichts mitbekommen.

Zu den Geschehnissen am 4. August sagt die Angeklagte S., dass gegen 16 Uhr ihre Mutter mit einem Teller zu ihr hoch gekommen sei, den sie abspülen habe sollen. Die Mutter habe an dem Tag ein „Saures Lüngerl“ für den Großvater gekocht. Normalerweise habe sie das nicht getan. 

„Später bin ich runter, um eine Zigarette zu rauchen“, so die Angeklagte S. „Da ist er auf seiner Couch gesessen und war ganz leblos.“ Die Angeklagte habe dann ihre Mutter zu Hilfe gerufen. „Aber als ich einen Notarzt rufen wollte, sagte sie ,Der Arzt kommt heute nicht mehr. Ich habe ihm Medikamente gegeben.’ Als ich später wieder in das Zimmer kam, hab ich meine Mutter gesehen, wie sie mit einem orangen Tuch am Mund des Großvaters tupfte.“

Die Mutter soll dann zur Angeklagten S. gesagt haben: „Jetzt is’ vorbei.“ Sie selbst sei dann eine Weile in der Küche gesessen und habe nicht mehr gewusst, was los ist, während die Mutter das Haus verlassen habe. Das Tuch sei der Angeklagten S. lange nicht aus dem Kopf gegangen.

Update, 12.57 Uhr - Angeklagte über ihren Sohn: „Mein Vater wollte das Erbe in sicheren Händen wissen“

Der Rechtsanwalt Dr. Georg Karl übernimmt die Befragung seiner Mandantin, der 55-jährigen Angeklagten. „Die Überschreibung des Hauses an Ihren Sohn fand 2016 statt. Von wem haben Sie das erfahren?“ Die Angeklagte sagt aus, ihr Sohn habe sie darüber informiert. Früher habe der Sohn der Angeklagten im Haus des Großvaters gewohnt, seine Halbschwester, Angeklagte S., sei mit ihrer Familie erst 2019 eingezogen.

Bereits 2014 sei der Sohn als Alleinerbe eingesetzt worden. Warum 2016 dann die Schenkung durchgeführt wurde, obwohl er schon Alleinerbe war, fragte der Vorsitzende Richter bereits früher in der Verhandlung. „Wollte denn der Vater auf jeden Fall, dass Sie nichts kriegen?“ Darauf antwortete die 55-Jährige: „Er wollte es einfach in sicheren Händen haben. Ich hätte mir das Haus ja gar nicht halten können mit meinem Verdienst.“

Für Pflichtanteil der Schwester hätte das Haus verkauft werden müssen

„Ich habe immer wieder zu meinem Sohn gesagt, ich will meinen Pflichtteil nicht“, so die Angeklagte zu Richter Ziegler. „Ich hab immer gewusst, dass meine Schwester ihren Pflichtteil will.“ Auch einen Tag vor dem 4. August habe es einen Streit zwischen der Schwester und dem Vater über den Pflichtanteil der Schwester gegeben.

„Zwischen mir und meinem Vater ist über die Hausüberschreibung nicht geredet worden“, so die Angeklagte. Rechtsanwalt Dr. Karl nimmt das Thema in seiner Befragung erneut auf: „Warum streiten Sie mit ihrer Schwester über den Pflichtteil?“ „Weil mir klar ist, dass mein Elternhaus dafür verkauft werden muss. Das war auch meinem Vater immer klar“, antwortet die Angeklagte. Ihr Sohn habe sich aus der Diskussion immer herausgehalten. 

Stammbuch lag auf dem Küchentisch

Vorher hatte der Vorsitzende Richter bereits nachfragt, wo die Verpackung der Medikamente nach dem Tod des Vaters denn verblieben sei. Angeklagte K. mutmaßte, dass diese von ihrem Schwiegersohn S. entsorgt worden sein könnte. Sie habe ihren Vater auf der Couch liegend vorgefunden, und dann den Hausarzt gerufen, welcher um halb acht am Morgen des 5. August gekommen sei. Am Küchentisch sei das ganze Stammbuch gelegen, welches normalerweise im Wohnzimmerschrank verstaut war.

Update, 12.10 Uhr - „Ich war einfach ein Störfaktor für ihn“ - Angeklagte K. über ihren Schwiegersohn

Nach einer kurzen Pause, möchte der Vorsitzende Richter Volker Ziegler von der Angeklagten noch einmal wissen, wann genau die Angeklagte K. die Medikamente zu ihrem Vater gebracht haben will. Sie antwortet, dass sie die Tabletten gegen Mittag gebracht habe, aber nicht wisse, wann das „Essen auf Rädern“ an diesem Tag geliefert wurde. Weil der Vater eine Haushaltshilfe zum Säubern der Wohnung hatte und die Tochter der Angeklagten mit ihrem eigenen Haushalt und den Kindern viel zu tun hatte, sei am Ende auch ein Pflegedienst für die Betreuung bestellt worden. Dies habe laut der Angeklagten K. dann auch zur Entlastung ihrer Tochter geführt

Richter Ziegler führt an, dass es zwei polizeiliche Vernehmungen waren, die zur Anklage gegen die 55-Jährige geführt hätten: Ihr 33-jähriger Sohn und die Schwester der Angeklagten K. seien vernommen worden. Laut deren Angaben bei der Polizei in Rosenheim, sei es im September 2021 zu einer heftigen Auseinandersetzung bei einem Familientreffen gekommen.

„Der Mann meiner Tochter ist bei meiner Schwester aufgetaucht und hat sich mordsmäßig aufgeführt. Dann hat meine Schwester bei mir angerufen und gesagt ich solle vorbeikommen, sie habe Angst“, so die Angeklagte.

„Er hat nicht mehr zuschauen können.“

Bei dem Familientreffen im Garten ihrer Schwester habe der Schwiegersohn die Tochter der Angeklagten K. gedrängt zu erzählen, wie es zum Tod des 75-jährigen Tögingers gekommen sei. Sie habe dann gesagt, was der Schwiegersohn von ihr verlangte.

„Mein Schwiegersohn hat ausgesagt, dass er am 4. August nach der Arbeit von der Terrasse meines Vaters aus beobachtet hat, wie ich meinem Vater Essen verabreicht und ihm einen Lappen in den Mund gesteckt hätte“, so die Angeklagte K. Auch bei der nun folgenden Befragung durch den Staatsanwalt Markus Andrä sagt die Angeklagte: „Ich war einfach ein Störfaktor für ihn (*Anmerkung der Redaktion: den Schwiegersohn).“

Der Vater der Angeklagten habe mitunter zusehen müssen, wie der Schwiegersohn im Garten auf seiner Enkelin gesessen und diese geschlagen habe. „Er hat nicht mehr zuschauen können. Er hat einfach nicht mehr gekonnt.“

Staatsanwalt Andrä bezieht sich in seiner weiteren Befragung auch auf das Familientreffen bei der Schwester der Angeklagten K.: „Was war das Erste, das sie bei dem Treffen gefragt wurden?“ Die Angeklagte sagt aus, dass ihre Schwester fragte, ob es stimme, dass die Angeklagte K. den gemeinsamen Vater umgebracht habe. „Dann habe ich meinen Schwiegersohn gefragt: Wie kommst du auf diese Behauptung? Dann ist er mit meinem Schwager weg, ich bin geblieben und habe auf meine Tochter und meinen Enkel gewartet.“ Ihre Lebensgefährtin habe die 55-Jährige erst zwei Tage danach über das tatsächliche Geschehen informiert. 

Update, 11.04 Uhr - „Er muss da weg!“ – Verstorbener soll den Mann der Enkelin nicht gemocht haben

Die Angeklagte K. sagt, ihr Schwiegersohn S. sei krankhaft eifersüchtig und habe die Beziehung zwischen ihr und seiner Frau - der Tochter der Angeklagten K. - nicht gut geheißen. Außerdem habe er auch den Kontakt zu ihrer eigenen Enkelin nicht gerne gesehen. Es sei im Laufe der Ehe ihrer Tochter auch zu körperlichen Auseinandersetzungen des Paares gekommen. „Er trinkt ziemlich viel und ziemlich oft“, so die Angeklagte K. über ihren Schwiegersohn.

Gerade vor dem Tod ihres Vater sei S. sehr oft betrunken gewesen. Weil das Ehepaar mit den beiden Enkeln der Angeklagten K. im Obergeschoss des Hauses ihres 75-jährigen Vaters in Töging lebten, habe er deren Streitigkeiten oft mitbekommen und sogar selbst den Schwiegersohn schon darauf angeredet. Gegenüber dem 33-jährigen Sohn der Angeklagten K. habe der 75-Jährige wortwörtlich gesagt: „Er (*der Mann seiner Enkelin) muss da weg“. 

Verstorbener soll gesagt haben, er wolle nicht mehr

„Meistens war ich vormittags und nachmittags da, weil ich da mit dem Hund meines Vaters raus ging“, so die Angeklagte K. Vor knapp einem Jahr habe ihr Vater angefangen davon zu reden, dass er nicht mehr wolle. Als sie am Vormittag des 4. August ihren Vater besucht habe, soll er dies erneut wiederholt haben. Auch an diesem Tag habe der Vater sich erneut negativ wegen der Streitigkeiten seiner Enkelin mit ihrem Ehemann geäußert.

„Er hat zu mir gesagt, er will nicht mehr, und dass ich ihm was geben soll“, so die Angeklagte. „Er hat mir über den Kopf gestreichelt und mich gebeten, dass sein Hund nicht ins Tierheim kommen soll. Dann habe ich die Tabletten geholt.“ Die Medikamente habe K. nur wegen einer eigenen Verletzung zuhause gehabt. Sie habe ihrem Vater die Tabletten in der Originalverpackung auf den Küchentisch gelegt. 

Danach sei die Angeklagte K. nach Hause gefahren, um etwa 17 Uhr sei ihre Tochter, die Angeklagte S. mit ihren Kindern zu Besuch gekommen und etwa drei Stunden später wieder nach Hause gefahren. Am nächsten Morgen gegen sieben Uhr früh sei sie zum Haus ihres Vaters, um mit ihrer Tochter zu frühstücken.

Weil sie den Vater fragen wollte, ob er auch etwas brauche, sei sie zu ihm in die Wohnung und habe dort den Leichnam des 75-Jährigen auf der Couch vorgefunden. „Er hatte die Arme wie immer vor der Brust, aber er war schon ganz kalt“, so die Angeklagte. „Ich habe ja nicht gewusst, nimmt er’s oder nimmt er’s nicht. Aber ich wusste, dass es sein könnte.“ Der Hund des Verstorbenen sei laut der Angeklagten vor der Couch auf dem Boden gelegen. 

Update, 10.19 Uhr - Richter zitiert den Verstorbenen aus den Akten

Pünktlich beginnt der erste Verhandlungstag im Prozess gegen zwei Frauen aus Töging, denen vorgeworfen wird, ihren 75-jährigen Vater und Großvater im August 2021 vergiftet zu haben. Die 55-jährige Angeklagte K. soll heimtückisch einen tödlichen Medikamentencocktail in das Lieblingsessen ihres Vaters gemischt haben.

Mitwissend und beihelfend soll deren Tochter, Angeklagte S., an der Tat beteiligt gewesen sein. Sie habe mit ihrer Familie im ersten Stock des Hauses ihres Großvaters gewohnt und diesen in den letzten Jahren gepflegt. Neben der Versorgung ihrer beiden Kinder und der Pflege ihrer Ehe, sei dies eine erhebliche Last gewesen.

Beide Kinder der Angeklagten K. lebten lange bei den Großeltern

Nach Verlesung der Anklageschrift durch den Staatsanwalt Markus Andrä, bittet der Vorsitzende Richter, Volker Ziegler, darum die familiären Verhältnisse vorab zu besprechen. Zunächst befragt er dazu die 55-jährige Angeklagte. Die Altenpflege-Helferin war zuletzt in Töging wohnhaft und ist Mutter zweier Kinder: Eines 33-jährigen Sohns und der anwesenden 30-jährigen Tochter, Angeklagte S.

Der Sohn wuchs ab seinem zweiten Lebensjahr gänzlich bei seinen Großeltern auf. Die Angeklagte habe zu der Zeit Probleme mit Drogen gehabt, habe aber dennoch regelmäßig ihren Sohn besucht. Am Ende habe dieser aber gänzlich bei den Großeltern gelebt. 

Großvater schenkte Enkel sein Anwesen

Seit dem 16. Lebensjahr ihres Sohnes habe der verstorbene Vater der Angeklagten K. bereits angekündigt, dass sein Enkel das Haus bekommen würde. Dieses habe er ihrem Sohn dann 2016 geschenkt. Die Angeklagte K. wusste, dass ihr Pflichtteilergänzungsanspruch zehn Jahre nach der Schenkung verfallen würde. „Das war ok für mich. Mein Sohn steht im Leben, hat studiert – das war für meinen Vater wichtig. Ich war halt nicht so, und das hat ihm nicht gefallen. Er hat meine Lebensweise nicht akzeptieren können“, so die Angeklagte K. 

Daraufhin verliest Richter Ziegler ein Zitat aus den Akten. Der Verstorbene soll einmal gesagt haben: „Ich muss noch zehn Jahre leben, dass die zwei Hexen nichts kriegen.“ Vom Richter befragt, ob ihr diese Aussage bekannt sei, verneint die Angeklagte K. Eine solche Äußerung sei ihr nicht bekannt. Richter Ziegler befragt daraufhin die Angeklagte, ob sie ihrem Vater zutraue, eine solch drastische Äußerung von sich gegeben zu haben, was sie ebenso verneint.

Der Vorbericht zur Verhandlung am 13. September

Traunstein, Töging – Der verstorbene Töginger (75) hatte zwei Töchter, zwei Enkel und zwei Urenkel. Die letzteren waren die Kinder seiner 30-jährigen Enkelin. Mit ihrem Mann und den Urenkeln wohnte sie schon einige Jahre im Obergeschoss seines Hauses. Nachdem der Großvater pflegebedürftig geworden war, übernahm sie nach Absprache mit weiteren Familienmitgliedern dessen Pflege. Neben der Versorgung ihrer kleinen Kinder, und neben ihrer Ehe, die laut Anklageschrift „zeitintensiver Pflege“ bedurfte.

Die Mutter der 30-jährigen Enkelin wohnte ebenfalls in Töging. Der Großvater soll ihrem Sohn laut Anklage zwei Jahre nach dem Einzug seiner Enkelin das Anwesen geschenkt haben, in dem er lebte. Darüber habe sich die Mutter des Erben erzürnt, weil ihr eigener Pflichtteilergänzungsanspruch spätestens zehn Jahre nach der Schenkung unberücksichtigt bleiben würde. Diese Wut soll der Hintergrund für einen heimtückischen Plan geworden sein: Gemeinsam mit ihrer Tochter und der Schwester des Beschenkten soll sie Anfang August 2021 die Ermordung des eigenen Vaters geplant haben.

Überdosis im Sauren Lüngerl

Am 5. August sollen die beiden Frauen den 75-Jährigen mit einem tödlichen Medikamentencocktails vergiftet haben. Die Mutter, Angeklagte K., habe diesen in das Lieblingsessen des Vaters gemischt. Als der nach seinem „Sauren Lüngerl“ nicht gleich sterben wollte, habe sie noch nachgeholfen und ihm laut Anklage einen „orangefarbenen Lappen“ auf Mund und Nase gedrückt. Ihr wird nun heimtückischer Mord aus Habgier vorgeworfen. Die Enkelin, Angeklagte S., habe gemeinsam mit ihrer Mutter Beihilfe geleistet und Hilfe unterlassen.

Exhumierung ergab Spuren von Gift

Etwa eine Woche nach seinem Tod sei der 75-jährige auf dem Friedhof in Töging regulär erdbestattet worden.  Die Familie des Toten hatte laut Medienberichten zunächst an eine Urnenbestattung gedacht, welche glücklicherweise nicht durchgeführt worden war. Wegen dringender Verdachtsmomente wurde am 1. Oktober 2021 die Exhumierung der Leiche durchgeführt. Nur wenige Tage vorher war die Tochter des Verstorbenen, Angeklagte K., festgenommen worden. In der Rechtsmedizin München waren schließlich Nachweise für eine Vergiftung festgestellt worden. Die entscheidenden Hinweise auf eine Vergiftung sollen laut Medienberichten aus dem Umfeld des Verstorbenen stammen.

Zu dem Prozess am Landgericht Traunstein sollen zahlreiche Zeugen geladen sein. In 13 Verhandlungstagen soll über den Fall entschieden, und das Urteil im November verkündet werden.

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