Der Helfer mit dem starken Arm

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An "Europas schönster Baustelle" passen die Arbeiter die schweren Beton-Fertigteile für die Tribüne millimetergenau ein.

Inzell - Tonnenschwere Betonquader für die neue Eishalle in Inzell? Kein Problem für den riesigen Kran, der sogar in 30 Metern Auslegerweite noch 15 Tonnen stemmen kann.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus der Chiemgau-Zeitung:

Tonnen von Beton unterwegs

"Ich bin völlig begeistert", sagt Architekt Andreas Leupold fast unisono mit Oberbauleiter Rainer Kemnitzer am Rande der Inzeller Eishallen-Großbaustelle. Ein riesiger Kran, der bis zu 250 Tonnen heben kann und sogar in 30 Metern Auslegerweite noch 15 Tonnen in die Höhe wuchtet - das entspricht 15 Kleinwagen - befördert schwere Betonquader von einem Schwertransporter auf die Baustelle.

Inzell - Per Funk dirigiert ein Arbeiter der Firma Hönninger den Kranführer. Seine Kollegen packen mit Hilfe von dicken Seilen und Werkzeug mit der Hand an bei der exakten Justierung der Tribünen-Basis. Seit Mittwoch werden die insgesamt 80 entsprechend dem Stadionoval leicht geschwungenen Beton-Tragbalken mit einem Gewicht von 18 bis 45 Tonnen angeliefert und eingebaut.

"Die ersten Teile wurden auf den Millimeter gesetzt, und der Arbeitsfortschritt ist voll in Plan", lobte Kemnitzer, der "Chef vor Ort" der Rohbau-Firma, seine Männer. Zurzeit arbeiten 20 erfahrene Mitarbeiter und 15 fremde Arbeiter von Subunternehmen, mit denen die Münchner Firma Hönninger seit über zehn Jahren kooperiert, an der Eishalle. Um sich für so diffizile Projekte weiter einen kompetenten Facharbeiterstamm zu sichern, bilde sein Betrieb aus und übernehme die jungen Leute auch, erklärte Kemnitzer. Sein Zeitplan ist straff und ehrgeizig: "Spätestens Anfang übernächster Woche werden die ersten Tribünenfertigteile reingehoben." Es handelt sich um mehrere Hundert Betonteile für die Winkelstufen.

Bereits um 6 Uhr früh wurde am Mittwoch der Spezialkran angeliefert, begleitet von einer Polizei-Eskorte. Ab 8 Uhr früh pendelten bis zu zehn Fahrzeuge der Schwertransport-Spedition Seitz zwischen dem Betonfertigteilwerk der Baufirma in Kirchseeon und Inzell. Sie waren jeweils mit rund 30 bis 40 Tonnen beladen, einem schweren oder zwei "leichteren" Teilen. "Wir haben auch das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin gebaut. Daher sind wir logistische Herausforderungen gewohnt", sagte der Oberbauleiter. Für den Transport der drei schwersten Teile wurde am Mittwoch sogar eine Brücke in Unterau einseitig gesperrt.

Bis Ende Mai soll der Rohbau abgeschlossen werden und damit auch die Erstellung der 40 zwischen vier und neun Meter hohen Hauptstützen für das Dach. Zwei Trupps gießen die "Ort-Beton"-Säulen mit je einem Meter Durchmesser. "Der Statiker hat einen extrem hohen Bewehrungsgrad vorgeschrieben", verriet Kemnitzer: Der Kern der Stützen sind zwei ineinander gesteckte Stahl-Gestänge, wobei der Stahl mit 40 Millimetern so dick wie ein Treppen-Handlauf ist. "Stahl dieser Dicke wird nicht bei allen europäischen Stahlherstellern produziert. Dieser hier ist aus Luxemburg", erläuterte der Oberbauleiter. Pro Woche entstehen drei bis vier Stützen. Ebenfalls vor Ort wird der Betonboden der Tribünen gegossen.

"Das geht jetzt Ruck-Zuck", meinte Andreas Leupold. "Diese Baustelle ist auch für uns Architekten etwas Besonderes. Es ist die schönste Baustelle Bayerns, Deutschlands, ja Europas", schwärmte er. Die Dimensionen der Halle - das Dach überspannt quer ganze 82,5 Meter - könne man sich jetzt gut vorstellen.

Auch Damen-Bundestrainer Markus Eicher verschaffte sich am Mittwoch ein Bild vom Baufortschritt und war beeindruckt. Eicher freut sich schon darauf, wenn in Inzell künftig wieder Weltrekorde und Bestzeiten gelaufen werden. Leupold zeigte sich zuversichtlich, dass dies klappt und das Inzeller Eis schnell wird: Dank der Raumluft-Spezialisten der Firma Transsolar in Kooperation mit der Universität Kaiserslautern habe man ein optimales und zugleich äußerst energiesparendes Heizungs- und Lüftungskonzept ausgearbeitet.

vm/Chiemgau-Zeitung

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