Auch Menschen mit Behinderung arbeiten

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Interessiert verfolgten die Gäste des EuRegio Dialogs bei den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten in Traunreut die Produktionsprozesse wie hier die Montage von Teilen für Kranbremsen.

Traunreut - Die erste Veranstaltung des EuRegio Dialogs 2012 führte am Donnerstag, 19. April, zu den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten nach Traunreut.

Die erste Veranstaltung des EuRegio Dialogs 2012, in dessen Rahmen die EuRegio sechsmal pro Jahr gemeinsam mit einem Produktionsunternehmen und ihren Partnern aus der Wirtschaftsförderung zu interessanten Betriebsbesuchen einlädt, führte am Donnerstag, 19. April, zu den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten nach Traunreut im Landkreis Traunstein, die einer der großen Arbeitgeber in der EuRegio für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungsgraden sind.

Geschäftsführer Wolfgang Enderle freute sich mit seinem Team, EuRegio-Geschäftsführer Steffen Rubach und Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger, die Gäste aus dem EuRegio-Gebiet im Unternehmen begrüßen zu können. Bürgermeister Parzinger betonte die gute Zusammenarbeit am Standort Traunreut zwischen den großen Industriebetrieben und den Sozialeinrichtungen in der Stadt wie etwa auch den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten. Wolfgang Enderle hob die Herausforderung hervor, Arbeit so in einzelne Schritte zu zerlegen, dass sie von Menschen mit Behinderung erledigt werden kann und diese dabei auch etwas lernen und sich weiter entwickeln können. „So gelingt es uns auch immer wieder, behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.“, freute sich Enderle.

Enderles Kollegin Ulrike Reitelshöfer rückte einige Mythen, die sich um die Beschäftigung behinderter Menschen ranken, ins rechte Licht. So entbehrt etwa der Glaube, dass behinderte Beschäftigte unkündbar seien, jedweder Grundlage. In einer sechsmonatigen Probezeit gilt der ganz normale Kündigungsschutz und danach ein besonderer Kündigungsschutz auch nur bei behinderungsbedingter Kündigung. Die Regelungen in Österreich sind dabei ähnlich gelagert. Auch die Mythen der geringeren Leistungsfähigkeit, einer negativen Auswirkung auf das Betriebsklima oder einer allgemein negativen Einstellung der Arbeitgeber gegenüber Menschen mit Behinderung wurden von Reitelshöfer entkräftet. In Abhängigkeit vom Grad der Behinderung und der Passgenauigkeit des Arbeitsplatzes haben Menschen mit Behinderung oft sogar weniger Fehltage, ihre Beschäftigung hat sehr häufig eine positive Wirkung auf das gesamte Team und auch die Arbeitgeber zeigen eine große Integrationsbereitschaft, die bei professioneller Beratung und Unterstützung viele Möglichkeiten für die Beschäftigung behinderter Menschen eröffnet. Das Leitungsteam der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten spannte den fachlichen Bogen noch weiter und ging auf die Steuerungsmöglichkeiten des Unternehmens durch das Qualitätsmanagement nach EFQM ebenso ein wie auf die Herausforderungen in der Personalentwicklung für die festangestellten Betreuungskräfte und für die Werkstattbeschäftigten. Zwei 100%-ige Tochterunternehmen der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten sind die Chiemgau-Kiste gGmbH, über die ein Vollsortiment an Obst-Gemüse-Naturkost aus nahezu vollständig regionaler Produktion vertrieben wird, und die im Aufbau befindliche Chiemgau-Maßarbeit gGmbH, in der etwa auch Produktionsunterstützung bis hin zur Komplettübernahme von Produktionsabläufen für andere Firmen möglich sein wird. Beide Töchter sind integrative Unternehmen, d.h., die Belegschaft umfasst bis zu 50% Menschen mit Behinderung, die in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden.

Beim Betriebsrundgang durch die Werkstätten erlebten die Besucher ein überaus herzliches und warmes Arbeitsklima. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten intensiv und produktiv zusammen, wobei hervor gehoben wurde, dass es seitens der auftraggebenden Unternehmen keinen „Sozialbonus“ gibt. Das heißt, dass die Lebenshilfe-Werkstätten genauso kalkulieren, auf Qualität achten und Termine einhalten müssen, wie dies allgemein in der Wirtschaft gefordert ist. So müssen auch die Betreuer immer mal wieder mit Hand anlegen, um die Produktionsziele beim Konfektionieren von Klebstoffen, bei der Montage von Bergankern oder bei der Qualitätssicherung von Elektrogeräten zu erreichen.

Beim abschließenden Imbiss tauschten sich die Gäste noch intensiv zu Fragen rund um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung aus und so manch neuer Kontakt über die Grenze wurde geknüpft. Die nächste Veranstaltung des EuRegio Dialogs 2012 findet am 24.05.12 bei der Reststofftechnik GmbH in Henndorf statt.

Pressemitteilung EuRegio

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