40 Jahre Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten

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Traunreut - Mit einem abwechslungsreichen „Tag der offenen Tür“ feierten die Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten (CLW) am Samstag ihr 40-jähriges Bestehen.

Zahlreiche Besucher, darunter viele Angehörige und Freunde der dort arbeitenden Menschen mit Behinderung, begaben sich schon am Vormittag auf einen informativen und spannenden Rundgang durch die „Nordwerkstatt“, in der 204 Menschen mit Behinderung in 19 Arbeitsgruppen beschäftigt sind. Jene Besucher, die erstmals zu Gast waren, staunten über die Größe der Einrichtung und auch darüber, dass für die freie Wirtschaft produziert wird.

Zu den Auftraggebern gehören namhafte Firmen aus nah und fern. Wer wollte, konnte in den Montagegruppen selbst Hand anlegen und sich von den abwechslungsreichen und teilweise sehr anspruchsvollen Tätigkeiten überzeugen. Ein Großteil dieser Arbeiten gehört zum Bereich „Montage/Verpackung“. Zudem wird genäht, abgefüllt, sortiert, konfektioniert, mit Metall und Holz gearbeitet sowie gekocht. Es gibt sogar eine KFZ-Werkstatt.

Sehr positiv ist, dass jeder Mensch mit Behinderung an einem auf ihn zugeschnittenen Arbeitsplatz einer passenden Arbeit nachgeht. Auch wenn die Gemeinschaft und das Miteinander im Vordergrund stehen, wird stets auf die Befindlichkeiten der Einzelnen eingegangen. In der SHT-Gruppe, bestehend aus Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen, spiele die individuelle Trauma-Bewältigung eine große Rolle, so die Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung Bettina Wimmer.

Die CLW beschäftigen derzeit an sechs Standorten 417 Menschen mit Behinderung. Neben dem Traunreuter Hauptstandort „Nordwerkstatt“ und den Außenstellen in der Porschestraße und Werner-von-Siemens-Straße gehören die Holzwerkstatt Höhenstetten/Palling, die „Südwerkstätte“ Traunstein-Haslach und die Gärtnerei in Großornach/Obing zum Verbund. Insgesamt kümmern sich 120 Fachkräfte um die 38 Arbeitsgruppen. Geschäftsführer Wolfgang Enderle, der die Geschichte des Hauses in einem vormittags stattfindenden Festakt mit einer Powerpoint-Präsentation Revue passieren ließ, bezeichnete die Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten GmbH als Anschauungsbeispiel für andere Werkstätten in Bayern. Menschen mit Behinderung erhalten hier seit vielen Jahren verschiedene Angebote für die Entwicklungsbegleitung im Persönlichkeitsbereich und zur fachlichen Qualifizierung und sollen erfolgreich in das Arbeitsleben, möglichst auf dem ersten Arbeitsmarkt, integriert werden. „Wir wollen auch weiterhin etwas bewegen“, so Enderle, deswegen stehe in Aiging bei Nußdorf bereits ein neues Projekt in den Startlöchern.

Mit Blick auf die finanzielle Unterstützung vom Bezirk Oberbayern bedauerte es der Geschäftsführer, dass zeitnah „mit keinen Verbesserungen“ zu rechnen sei. „Wir feiern heute vier Jahrzehnte Einsatz für diejenigen Personen und deren Familien, die der besonderen Hilfe bedürfen“, betonte Altlandrat Jakob Strobl in seiner Funktion als langjähriger CLW-Aufsichtsratsvorsitzender und lobte die Ausdauer der Gründergeneration, die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter sowie der zahlreichen Helfer, Betriebe und Spender. Er erinnerte auch an die Grundgedanken der Lebenshilfegründer, den Schutz der Würde des Menschen in seiner Ganzheit, den Anspruch auf die Entfaltung seiner Persönlichkeit und die Vorgabe, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe. Lobend erwähnte Strobl die klugen und umsichtigen Weichenstellungen der CLW-Geschäftsführer, die mit fachlicher Unterstützung und Beratung der ehrenamtlich wirkenden Aufsichtsräte und Vorsitzenden, die Einrichtung Zug um Zug vergrößerten, dabei aber nie das Wohl der Menschen mit Behinderung aus den Augen verloren.

Großes Jubiläum der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten

Den dringenden Appell, in den jetzigen, wirtschaftlich schwierigen Zeiten, „zusammenzuhalten und an einem Strang zu ziehen“, richtete Strobl an alle CLW-Mitarbeiter. Das Thema „Integration“ in den Mittelpunkt politischer Bemühungen zu stellen, sei wichtig, stellte Landrat Hermann Steinmaßl klar und bezeichnete die CLW als „treibende Kraft für soziale Integration und Inklusion“. Bei ihr sei der Name Programm, denn „Menschen mit Behinderung finden hier Lebens- und Arbeitsperspektiven“. Steinmaßl wünschte sich für das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen weiterhin Mut, Vertrauen und Solidarität.

Der Vorsitzende der Lebenshilfe Kreisvereinigung Traunstein und Vorstandsvorsitzende der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten-Stiftung, Peter Bantlin, strich das ehrenamtliche Engagement jener Eltern heraus, aus deren Lebenshilfe-Initiative vor 40 Jahren die Werkstätten hervorgegangen sind und beschrieb, wie aus den kleinen Anfängen in der ehemaligen Volksschule in Eisenärzt die heutige CLW entstanden ist. Für den ersten Auftraggeber, die Saline in Bad Reichenhall, ergriff Franz Furtner das Wort: Keiner habe sich damals vorstellen können, dass hier einmal „so wirtschaftlich gearbeitet und so große Mengen produziert werden“. Furtner lobte die Spontanität der CLW, die unkomplizierte, zuverlässige Abwicklung von Aufträgen und den Erfindergeist der Mitarbeiter. Von einer „wichtigen sozialen Einrichtung“, auf die er sehr stolz sei, sprach Erster Bürgermeister Franz Parzinger.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von den CLW-Mitarbeitern Monic Büchel und Andrzej Mendrela. Um das leibliche Wohl kümmerte sich den ganzen Tag das Küchen- und Hauswirtschaftsteam. Die jüngsten Besucher vergnügten sich beim Kinderschminken oder als „Feuerwehrler“ an der Löschwand. Konzentration und Körperbeherrschung waren beim „gesicherten“ Bierkistenkraxeln gefragt. „Unser Tag der offenen Tür wurde super angenommen“, freute sich nachmittags die Assistentin der Geschäftsleitung Petra Herbst.

mmü

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