„Bürgerdasein besteht nur noch aus Verpflichtungen“

Rund 100 Teilnehmer: Demo gegen Corona-Maßnahmen in Traunreut

Querdenken-Demo in Traunreut am 9. April
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Rund 100 Teilnehmer folgten dem Aufruf der Querdenkerbewegung im Landkreis Traunstein zur Demonstration am Traunreuter Stadtplatz. Dabei nutzten zahlreiche Redner die Möglichkeit des „offenen Mikrofons“ und machten ihren Unmut in Zusammenhang mit dem Coronavirus Luft.

Knapp 100 Personen erschienen bei der Corona-Demonstration in Traunreut am 9. April. Schon im Mai soll eine weitere Kundgebung stattfinden.

Traunreut - Die Querdenkerbewegung im Landkreis Traunstein hatte auf dem Traunreuter Stadtplatz zur Kundgebung geladen. Knapp 100 Teilnehmer folgten dem Aufruf und nutzten recht fleißig die Möglichkeit des offenen Mikrofons. Im Mittelpunkt der Ansprachen standen die Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der Coronamaßnahmen, die Situationen an den Schulen und Betreuungseinrichtungen, die Situationen in Behinderten- und Senioreneinrichtungen, die Testpflicht beim Besuch von Ladengeschäften aber auch die unterschiedlichen Regelungen von Discountern im Gegensatz zu anderen Geschäften.

Der Versammlungsleiter Florian Obermüller zeigte sich im Gespräch mit chiemgau24.de insgesamt recht zufrieden. „Wir wollen mit allen reden und Dinge kritisch hinterfragen, da bin ich froh, dass heute rund 100 Menschen gekommen sind und ihre Meinung öffentlich kundgetan haben.“ Die örtliche Polizei hat für die Einhaltung der Auflagen gesorgt. Unterstützt wurde sie von mehreren überörtlichen Beamten.

Verschiedene Rednerinnen und Redner nutzen offenes Mikrofon

Als eine der ersten Rednerinnen nutzte Olga Ritter aus Traunreut die Möglichkeit des offenen Mikrofons. Den Worten der dreifachen Mutter zur Folge „besteht das Bürgerdasein derzeit nur noch aus Verpflichtungen“ und die Maskenpflicht sei obendrein eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen. Zudem sehe sie sich in Zusammenhang mit den Impfungen als „Versuchskaninchen“ und stellte die Frage, „was ist das für eine Pandemie, die man nur durch Testungen beweisen kann?“.

Für den ebenfalls in Traunreut lebenden Wissenschaftler Dacian Ianc steht fest, „unsere Demokratie wird seit den 90er Jahren systematisch kaputt gemacht und die Verantwortung dafür trägt die CDU“, so seine Worte. Anhand der Definition von Demokratie erklärte er, warum man sich derzeit in einer „Post Demokratie“ befinde. „Kaufen auf Bestellung macht keinen Spaß“, so Angela Bork aus Traunreut, sie hält die neue Teststrategie beim Einkauf für eine „bodenlose Schikane“.

Situation in Alten- und Pflegeheimen

Die angehende Altenpflegerin Tatjana Komisarenko schilderte ihre Situation bei der Versorgung von alten und pflegebedürftigen Menschen. „Viele alte Menschen haben monatelang keine Angehörigen gesehen und mussten völlig einsam sterben“, sagte sie mit trauriger Stimme und informierte über die körperlichen und seelischen Belastungen eines achtstündigen Arbeitstages mit Schutzmaske und Kittel. Zudem verstehe sie nicht, „warum auch die Geimpften eine Schutzmaske tragen müssen!?“.

Die Alten sind komplett untergegangen“, so die Worte von Darina Baumgartner. Die angehende Sozialarbeiterin aus Traunreut forderte den Schulterschluss der Querdenker indem sie feststellte, dass „wir alle zusammenhalten und querdenken müssen, da dies hier alles viel zu weit gehe“. Zuvor schilderte sie ihre Eindrücke von einem Praktikum im Altenheim. „Insbesondere das Besuchsverbot und die daraus resultierende Einsamkeit sei eine enorme Belastung für alle Beteiligten“, so die Traunreuterin.

Auch Testpflicht für Schüler ein großes Thema

Mehrere kritische Stimmen gab es zudem gegenüber der Testpflicht für Schüler und der oftmals nichtnachvollziehbaren Regierungsentscheidungen in Zusammenhang mit „Corona“. Darüber hinaus schilderte eine Rednerin die Situation in Behinderteneinrichtungen. Dort leben Menschen die den Hintergrund der Maßnahmen nicht verstehen oder keine Maske tragen können und deshalb schlichtweg Angst haben. Kritik übten die Redner zudem an der unfairen Situation bei „Aldi, Lidl und Co., hier war noch nie etwas von einem Hotspot zu hören und die kleinen Ladengeschäfte mit wenigen Kunden seien zu gefährlich“, sagte unter anderem eine Teilnehmerin.

Durch die zweistündige Veranstaltung führte Florian Obermüller aus Erlstätt. Er dankte den Traunreutern, dass sie so zahlreich gekommen und ihrem Unmut Luft gemacht hatten. Seinen Worten nach „ist dies ein deutliches Signal weiter zu machen“ und deshalb habe er für den 8. Mai in Traunstein eine Demonstration mit einem Fußmarsch durch die Stadt angemeldet und er hoffe, dass er dafür das behördliche Einvernehmen bekommt.

hob

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