Tradition trifft Moderne

CSU Traunreut lud zum virtuellen Starkbierfest ein

CSU Traunreut lud zum virtuellen Starkbierfest ein.
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 Zu den etwa 50 Live-Zuschauern gehörten neben einigen CSU-Stadtratsmitgliedern auch MdB Peter Ramsauer und Altbürgermeister Franz Parzinger, die als Zuschauer eingeblendet waren.

Not macht erfinderisch: Wegen der andauernden Corona-Beschränkungen veranstaltete die CSU Traunreut ein virtuelles Starkbierfest.

Bürgermeister Hans Peter Dangschat war Gastgeber des virtuellen Starkbierfestes der Traunreuter CSU, das über Youtube live übertragen wurde und weiterhin im Netz abrufbar ist. Ihm zur Seite stand „im Studio“ Stadträtin und CSU-Schriftführerin Angelika Zunhammer. Zu den etwa 50 Live-Zuschauern gehörten neben einigen CSU-Stadtratsmitgliedern auch MdB Peter Ramsauer und Altbürgermeister Franz Parzinger, die als Zuschauer eingeblendet waren.

Dangschat begrüßte in einer Zuschaltung aus München Monsignore Thomas Schlichting, den ehemaligen Traunreuter Stadtpfarrer, der bereits in seiner Traunreuter Zeit in der Sportplatzgaststätte und im K1 seine Fastenpredigten bei der CSU hielt. Mittlerweile ist Schlichting Domkapitular und Abteilungsleiter im Ordinariat, und erklärte sich bereit, über seine Sicht der Corona-Pandemie etwas zu sagen, was „eigentlich nur fast eine Predigt sein sollte“, wie er am Schluss seiner Ausführung bemerkte.

Zu Beginn seiner Rede setzte sich Schlichting „eine FFP2-Maske vom letzten Sommer auf, um darin die CSU-Luft zu schnuppern.“ Die virtuelle Veranstaltung sei jedenfalls virulent und viral sicher, deshalb habe er gerne zugesagt, dabei zu sein.

„Im letzten Jahr hätten wir fast Urlaub gemacht, wären wir fast beim Schoppen gewesen, hätten fast Lockerungen erlebt, wären die Schüler wieder fast in den Unterricht gegangen“, so der Geistliche. „Unter diesen Umständen breitet sich der Wahnsinn in Vollform aus“, deshalb haben die Verschwörungstheoretiker Konjunktur, indem sie das World Wide Web nutzen, um wahre und falsche Geschichten kombiniert in Umlauf zu bringen. Dies wolle er am Beispiel des Klopapier-Phänomens zu Beginn der Pandemie aufzeigen. In seiner unnachahmlichen selbst kreierten „Szenarien-Logik“ erfand Schlichting einen typischen Schwaben namens Häberle aus Esslingen, den er im Original-Dialekt als Vertreter des Wirtschaftswunder-Ländles aus dem Jahr 1949 vorstellte. Dessen Frau Erna kam auf die Idee, das große Geschäft doch künftig „im Gschäft“ zu erledigen, weil dies dem Privathaushalt Klopapier und Wasser sparen helfe. So mutierte der Arbeitsplatz wegen dem „großen Gschäft“ als Ort der Erleichterung zum Glücksort. Und weil sich mit Corona der Arbeitsplatz zum Home-Office oder Home-Schooling gewandelt habe, habe sich der „kanonisierte Verhaltenskodex der Deutschen“ in den „brutalen Szenen“ der Supermärkte gezeigt als es darum ging, den Bedarf des Hygienepapiers sicherzustellen. Dies alles sei natürlich nur denjenigen Bürgern bekannt, die die Geschichte vom Klopapiernotstand aus dem Jahr 1948 kennen.

Im zweiten Teil seiner Pandemie-Betrachtungen griff Schlichting auf die Oberammergauer Passionsspiele zurück, die ihren Ursprung im Pandemie-Schwur von 1633 haben. Parallelen der Passionsgeschichte zur gegenwärtigen Politik seien bei Karl Lauterbach zu sehen, der gerade die dritte Ankündigung des Leidens auf den Weg bringe. Ein gewisser Pontius Marcus Soderius stehe in Analogie zur Passionsgeschichte (und wohl auch zu Schneewittchen) vor seinem Spiegel und fragt den Messias: „Bist du der König?“ – Doch er erhält darauf keine Antwort. Ministerpräsident Söder könnte aufgrund seiner Aussagen „Mein Platz ist in Bayern“ die Staatskanzlei zum Bundeskanzleramt umfunktionieren, und den Job des Bundeskanzlers nebenbei noch mitmachen – die Idee dazu habe bereits sein Amtsvorgänger Franz Josef Strauß konzipiert.

Während bei den realen Passionsspielen der Ausgang klar mit Tod und Auferstehung des Herrn vorgegeben sei, „ist bei den Politischen der Ausgang noch offen“, so Schlichting. – „Die großen theologischen Fragen kommen aber auch in der aktuellen politischen Passionsgeschichte vor: Freiheit, Leben, Tod, Rettung der Menschen, Schuld und Verzeihung – Vergebung als politisches Thema – wer hätte dies vor Corona jemals gedacht?“ – In Anspielung zu Angela Merkels Entschuldigung der vergangenen Woche.

Schlichting zeigte sich aber auch dankbar für Verantwortungsträger in diesen Zeiten: „Auch wenn man um drei Uhr früh nicht immer die besten Ideen hervorbringt, man merkt: Die Menschen setzen sich ein.“

Abschließend stellte Schlichting die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn sich die Leute bei ihren Tests und Hygienemaßnahmen verteilen würden: Auf Theatersäle, Kinos, Sportstätten drinnen und draußen, Kirchen und auf alle Geschäfte, anstatt in den Wohnungen unkontrollierbar aufeinander zu hocken? „Die Angela hat das in ihrer Regierungserklärung bereits angesprochen: Kommunale Verantwortung.“ – „Also, lieber HP Dangschat.und Team: Traunreut-Pass für Bewegung in der Stadt, statistisch weitest mögliche Verteilung als Verdichtung. Kurz: Freiland statt Käfig.“ Abschließend nahm Schlichting ein Ei in die Hand und sagte: „Hühner stecken sich bevorzugt im Käfig mit Krankheiten an, deshalb bevorzugen wir Eier von Freilandhühnern. Da möchte ich aber jetzt nicht weitermachen mit diesen österllichen Gedanken, die auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Ich möchte auch nicht mit ‚Amen‘ enden, denn es ist ja nur fast a Predigt.“

Alexander Gruber, seit einem Jahr für die CSU im Stadtrat, plauderte aus dem Nähkästchen von seinen Eindrücken als neuer Stadtrat. Dabei kamen ihm die schauspielerischen Qualitäten zugute, die er sich bei diversen Engagements auf den Theaterbühnen rund um Traunreut als Laiendarsteller bereits erworben hat. Dass er als Nachredner von Monsignore Schlichting fungieren dürfe, das sei für ihn so als wenn man als Dorfband neben den Rolling Stones auf einem Plakat stehe.

Als Schauspieler sei man normalerweise vor dem Auftritt in der Maske, heutzutage bedürfe es während des Auftritts der Maske. Zur momentanen Corona-Lage nahm „StR Gruber“ Bezug auf Karl Valentin: „Über kurz oder lang kann das nicht mehr so lang dauern, und wenns amoi länger dauert wird’s dann Zeit, dass ma sogd, des braucht alles seine Zeit, aber dann wird’s Zeit, dass es moi wieder anders wird.“ – „Da hat er vollkommen Recht, der Valentin“, ergänzte Gruber.

Als Förderer seiner politischen Karriere stellte Gruber „den Herrn Bürgermeister, den Hans Peter Dangschat“ heraus. Bei einem bierseligen Anlass in Pirach und nach dem Besuch von Markus Söder im K1 sei der Groschen zwischen Gruber und dem „HP“ gefallen, und Dangschat wollte ihn für dessen Stadtratsteam gewinnen. „Mir hat die Kompetenz, Kompetenz, Kompetenz und sein Herzblut gut gefallen, und ich hab zum Herrn Bürgermeister nicht nicht gesagt „dir wird ich helfen“, sondern „ich helfe dir.“ Gruber sei nicht sofort auf den Dangschat-Zug aufgesprungen, dazu bedarf es einer Überredungskunst, deshalb stehe er heute hier. „Von Referenten-Jobs im Stadtrat hielt ich mich fern, aber ich bin jetzt im Verkehrs- und Bauausschuss.“ Lustiges gäbe genug zu berichten aus dem Stadtrat: „Wenn ein Finanzler einem Verkehrsprofi die 30er-Zone erklärt: Kann man mit einem Q3 überhaupt 30 fahren? – Jetzt song ma einfach 30, weil dann fahren die meisten 50.“ Oder im Bauausschuss: Wenn ein Advokat einem Landwirt erklärt, wie hell es um acht Uhr morgens ist. „Da hat der Bauer des dritte Hemd durchgeschwitzt, und beim Advokaten springt des erste Brot aus dem Toaster.“ Eine Straßenlampe zwischen Weisbrunn und Sankt Georgen sei für manche Stadtratskollegen nicht nötig, weil die Autos von der Bundesstraße rauf leuchten. Ein anderer Stadtratskollege wusste, dass der Strom nicht aus der Steckdose komme, als es um erneuerbare Energien durch Windkrafträder aus dem Siebeneichen-Forst ging. „Bei mir kommt er allerdings schon aus der Steckdose, denn würde dieser aus dem Wasserhahn kommen, würde dies zu unerwünschten Problemen in meinem Haus führen“, so Gruber.

„Manche Stadträte merken bei den Zoom-Meetings nicht, dass sie nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden. Sie machen Brotzeit, genießen ihr Weißbier, manche schlafen ein oder verwenden interessante Hintergrundbilder, vom Meeresstrand bis zur Bibliothek.“

Seitens der Presse kommt es immer wieder zu Namens-Verwechslungen. So wurde Gruber bereits als „Simon von den Grünen“ benannt. Aber als ehemaliger Ministrant habe er kein Problem, wenn er von Alexander dem Großen zu einem Apostel umbenannt werde.

Angetan habe es Gruber auch der Bürgermeistertisch im Sitzungssaal: Zur Rechten immer eine Kaffeekanne, das Tablet, das Protokoll mit 3 Textmarkern, „seit neuestem als Spielzeug eine Kamera, mit der er alle Redner heranzoomen kann: Da hat der Herr Bürgermeister große Freude, wie mir scheint.“ Bei dessen Stellvertreter Reinhold Schroll falle das Mikrofon immer wieder mal runter, doch dessen Kompetenz sei beneidenswert, „geschuldet dem Alter – des Mikros“. Ein anderer Stadtrats-Kollege stehe auf Naturmaske in Form eines Vollbarts. „Wenn dieser nun noch eine FFP2-Maske zusätzlich trägt, schaut das von oben gefilmt aus als wenn ein alter Handbesen die Borsten auseinanderspreizt.“ Trotzdem sei dieser Kollege der Motor der Truppe. „Und ein weiterer, grundsätzlich eher ruhiger Kollege, wurde bei einer einer nichtöffentlichen Sitzung so lautstark wie ein Muezzin, so dass das Fenster geschlossen werden musste, damit die Sitzung in Richtung Rathausplatz nicht öffentlich wurde.“ Auch negativ formulierte Beschlussvorschläge seien manchmal schwierig und führten bei Stadtratskollegen bisweilen zu falschen Abstimmungen. „Aber bei der Hochzeit wird man ja auch nicht gefragt: Bist du sicher dagegen, dass du sie nicht heiraten möchtest? – Da wird man gefragt: Mogsd das oder mogsd das ned?“ - Gruber beschloss sein Jahresfazit im Stadtrat mit: „Es lebe das Leben, die Freiheit und die Freude sowie der Herr Bürgermeister und das Freibier.“

Dangschat bedankte sich bei den Musikern Wasti Kiefersbeck, Andreas Niederbuchner, Florian Walter für deren musikalische Begleitung, bei Ideengeber Christian Zunhammer, bei Schatzmeister Holger Bittner und bei Stephan Mayer aus Chieming für die Technik.

Zu Wort kamen noch Bernhard Seitlinger als Fraktionssprecher des Traunreuter CSU-Stadtratsteams und MdB Peter Ramsauer, der „nach einer nicht vergnügungssteuerpflichtigen Woche im Bundestag“ die Abwechslung am Freitagabend spürbar genoss.

Arno Zandl

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