Im Notfall muss geschossen werden

Hunde töten Rehe: Chiemgauer Jäger reicht's

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Das gerissene Reh, das am 17. Januar nahe dem Traunreuter Klärwerk von der Polizei erlöst werden musste. Es wurde auch angefressen. Wie lange es lebendig im Schnee lag, weiß wohl nur der Hundehalter. 
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Traunreut/Schnaitsee - Ein aufgerissenes, totes Reh und blutgetränkter Schnee: In jüngster Zeit werden vermehrt Rehe von freilaufenden Hunden gerissen - ein Chiemgauer Jäger ist am verzweifeln.

Wie lange das Reh in der Nähe des Traunreuter Klärwerks noch lebendig im Holz lag, weiß man nicht. Es wurde von einem Hund gerissen, schwer verletzt und angefressen. Zum Teil hingen schon die Innereien aus dem Tier heraus. Gefunden und erlöst wurde es erst am 17. Januar. Die Polizei gab dem Tier den Gnadenschuss. Am Wochenende davor ein ähnlicher Fall bei Schnaitsee: Ein zerfetztes Reh und im Schnee daneben Spuren eines Hundes.

Jäger: "Der Hundehalter muss es gesehen haben, kein Hund geht da freiwillig weg"

Das Problem: Hundehalter die ihre Vierbeiner nicht an die Leine nehmen. Florian Höllthaler ist langsam ratlos, wie man dem Problem Herr wird. "An der Stelle im Gehölz gibt es keine Anleinpflicht. Vielleicht sollte man die Hundehalter einfach mit solchen Fotos abschrecken", meint Höllthaler. Er ist Leiter des Hegerings Trauntal, zwischen Chieming und Kammer. 

Was den Jäger Höllthaler besonders schockiert: "Der Hundehalter muss das ganze ja gesehen haben, weil freiwillig geht da kein Hund weg, wenn er ein Reh gerissen hat. Den muss man wegziehen, anders geht es nicht." Besonders jetzt im Winter seien Rehe besonders gefährdet. Um Energie zu sparen warten die Rehe oft länger bevor sie flüchten. Außerdem brechen sie im Schnee leicht ein, im Gegensatz zu einem Hund. 

Wann dürfen Jäger schießen?

Lesen Sie außerdem: Zur Zeit auch verstärkt Wilderer unterwegs

Tatsächlich gilt am Traunreuter Klärwerk laut Höllthaler keine Anleinpflicht. In Traunreut gilt dies - unabhängig von Größe oder Rasse - nur auf öffentlichen Grünflächen und Spielplätzen. Die Stadt appelliert trotzdem an die Hundehalter, den Vierbeiner bei Waldspaziergängen an die Leine zu nehmen: "Selbst bei einer umfassenden Ausbildung und Erziehung bleibt ein natürlicher Jagdtrieb erhalten. Außerdem werden in der Forst- und Landwirtschaft große Ernte- und Arbeitsmaschinen eingesetzt, die beim Freilauf den Vierbeinern zur Gefahr werden können."

Wie verhält es sich rechtlich, dürfen Jäger schießen? "Kein Jäger würde in so einem Fall gern schießen", stellt Florian Höllthaler klar, doch der bevollmächtigte Revierjäger sei sogar verpflichtet zu schießen - wegen der Tierquälerei. "Aber erst, wenn der Hund das Tier schon gefangen hat, bei der Verfolgung dürfte man noch nicht schießen." Juristisch sei dies im Nachhinein natürlich schwer zu beweisen, aber den Hundehaltern droht dabei ein Strafverfahren wegen Wilderei. 

"Als Jäger gilt man nur als Mörder"

"Mit den Hundehaltern selber kann man fast nie vernünftig reden. Da bist du als Jäger nur der Mörder oder der Depp der Nation", so Höllthaler. Dass es für Gemeindeverwaltungen oder die Polizei auch schwierig sei, Anleinpflichten zu kontrollieren, ist ihm auch klar: "Die haben natürlich oft besseres zu tun." Drum hoft Höllthaler, dass zumindest dieser Appell vielleicht wirkt - oder die Fotos gerissener Rehe.

xe

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