Experte erläutert Lage in der Stadt

Jugendgangs und soziale Schieflage: Jetzt reagiert Traunreut

Traunreut - Ein Teil der Jugend klinkt sich aus, findet sich in Gangs zusammen und droht abzurutschen - Probleme, die man nicht nur in Traunreut kennt. Doch nun soll ein Streetworker gegensteuern.

Er kennt die Zahlen und die Probleme der Jugendlichen im Landkreis: Kreisjugendpfleger Stefan Dufter. Der Stadtrat entschied sich dafür, einen Streetworker einzustellen und Dufter ging am Montag auf die spezielle Situation in Traunreut ein. Er machte aber auch klar: "Einen Streetworker einzustellen darf nicht als 'letzter Hilfeschrei' einer Stadt verstanden werden, aber so kann man Jugendlichen, die andere Strukturen nicht annehmen, ein niederschwelliges Angebot machen."


Wo liegen die Probleme, speziell in Traunreut?

"In Traunreut gibt es eine relativ große Gruppe von Jugendlichen, die auf einem ökonomisch niedrigen Status lebt. Und wir wissen, dass Armut die soziale Integration erschwert", so der Kreisjugendpfleger. Jedes vierte Kind in Traunreut wird allein erzogen, bei fünf Prozent braucht es laut der Statistik Erziehungshilfen - ähnliche Zahlen wie in Traunstein oder Trostberg. Dafür werden in Traunreut die meisten Strafverfahren gegen Jugendliche eingeleitet. Auch bei der Kaufkraft liegt Traunreut deutlich unter dem Landkreisschnitt: 30 Prozent der Haushalte haben weniger als 1500 Euro Nettoeinkommen

Der Kreisjugendpfleger ging schließlich auf zwei weitere "Charakteristika" von Traunreut ein: Zum die Jugendgangs, zum anderen viele Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrungen. "Die Gangs bereiten uns große Sorge, vor allem dass sich Nachwuchsmitglieder im Alter von zwölf oder 13 Jahren dort oft gut verstanden fühlen", so Dufter. Alkohol, Drogen und Gewalt wären "gängige Mittel" bei den Gangs - und die Jüngsten würden auch schon mal für Kuriertätigkeiten eingespannt, weil man sie noch nicht strafmündig sind.


"Nirgendwo so große Integrationsleistung wie in Traunreut"

Ein weitere Besonderheit Traunreuts liegt laut Stefan Dufter im hohen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Durch Sprachbarrieren hätten sie oft wenig Anschluss nach außen, man bleibt in der eigenen Gruppe. "In keiner anderen Stadt im Landkreis wird aber eine so große Integrationsleistung vollbracht wie in Traunreut. Es passiert auch verhältnismäßig wenig", so der Kreisjugendpfleger. Für politischen Extremismus bei Jugendlichen habe man keine belastbaren Zahlen. 

Was soll der Streetworker konkret machen? Jugendliche aufsuchen und langsam Beziehung zu den Gruppen aufbauen. "Es dauert mindestens ein halbes Jahr, bis man bei den Jugendlichen nicht mehr als Fremdkörper wahrgenommen wird", so Dufter. Die Plätze und Gruppen zu kennen und mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen sei schon ein erster Erfolg. Streetworker sind gelernte Sozialpädagogen mit einer Zusatzqualifikation. 

Auch Trostberg oder Traunstein haben ähnliche Probleme

Den Bedarf nach einem Streetworker gibt es aber mitnichten nur in Traunreut. Auch in Traunstein sprach sich der Stadtrat jüngst dafür aus. Wachgerüttelt wurde das Gremium von Berichten der Jugendtreff-Leiterin: Jeder zweite Besucher des Jugendtreffs habe schon Erfahrungen mit Drogen gemacht und die Konsumenten würden immer jünger. Ähnlich auch die Berichte aus Trostberg: Im dortigen Stadtrat wurde bereits festgestellt, dass die Stadt mittlerweile ein "sozialer Brennpunkt" bei der Jugend sei. 

xe

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