Reizthemen bei der Podiumsdiskussion

Die Kandidaten im Wahlkampfmodus: Wer macht in Traunreut das Rennen?

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Die sieben Bürgermeisterkandidaten bei der Podiumsdiskussion am Montagabend im k1 in Traunreut, von links: Martin Czepan, Markus Schupfner, Roger Gorzel, Christian Stoib, Hans-Peter Dangschat, Oliver Krogloth, Klaus Ritter.

Traunreut - Die Auswahl ist so groß wie nie: Gleich sieben Männer wollen Bürgermeister werden - bei der Podiumsdiskussion im k1 prallten ihre Ideen erstmals aufeinander.

Das Interesse war enorm, mit 450 Besuchern war das k1 am Montagabend gesteckt voll: Die sieben Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Traunreut lieferten sich bei der Podiumsdiskussion einen großen Wettstreit um die besten Ideen für die Stadt - Christian Stoib (SPD), Oliver Krogloth (AfD), Martin Czepan (Grüne), Roger Gorzel (Bürgerliste), Markus Schupfner (Bayernpartei), Hans-Peter Dangschat (CSU) und Amtsinhaber Klaus Ritter (Freie Wähler).


Reihenweise zusätzliche Stühle mussten ins k1 getragen werden. Rund 450 Interessierte fanden sich ein. 

Zu sieben großen Themenblöcken wurden die Ideen der Bürgermeisterkandidaten von Moderator Herbert Reichgruber, Chefredakteur des Traunreuter Anzeigers, abgetestet. Wir fassen die Kernaussagen der Kandidaten jeweils kurz zusammen.


Wo soll in Traunreut neuer Wohnraum entstehen?

1000 zusätzliche Wohnungen braucht Traunreut in den nächsten fünf Jahren laut einer Studie. "Wir müssen verdichten und höher bauen", bekannte Roger Gorzel. Früher sei die Wohnqualität in den großen Wohnblöcken an der Münchner und Salzburger Straße ja nicht schlecht gewesen. Gorzel sprach sich als einziger eindeutig für eine städtische Wohnbaugesellschaft aus, Stoib sah diese Aufgabe eher beim Landkreis.

Martin Czepan und Oliver Krogloth schlugen eine Wohnraumbörse vor, bei denen Bürger die Möglichkeit zum "Wohnungstausch" erhalten, wenn sich der Bedarf ändert. Dem Leerstand, das Hauptproblem in Czepans Augen, müsse mit einer Zweitwohnungssteuer und einer Leerstandserfassung begegnet werden. "300 neue Wohnungen haben wir schon ausgewiesen. Aber neuer Grund ist von den Landwirten ganz schwer zu bekommen", so Klaus Ritter. 

Wie kann die Einkaufsstadt Traunreut weiterentwickelt werden?

Einig waren sich alle: Der Munapark kann ein großer Gewinn für Traunreut werden. "Das kann uns städtisches Flair bringen, wodurch das Einkaufen attraktiver wird", so Christian Stoib. Er kritisierte aber, dass durch die Sortimentsliste neue Geschäfte auf dem alten BayWa-Gelände verhindert würden. "Wollen wir dort wirklich einen großen Edeka?", fragte Ritter. Der Bürgermeister betonte, dass durch die Sortimentsliste die Geschäfte der Innenstadt geschützt werden könnten. 

Moderator Herbert Reichgruber vom Traunreuter Anzeiger. 

Eine lokale Online-Plattform für die Einzelhändler der Stadt schlug Hans-Peter Dangschat vor. "Das was wir haben müssen wir pflegen", so Roger Gorzel, aber man müsse sich - angesichts der Konkurrenz aus dem Internet - "von dem Glauben lösen, eine Einkaufsstadt zu sein". Auch Markus Schupfner betonte: "Wir stehen nicht so schlecht da, wie es vermeintlich ausschaut."

Wie soll die Kreuzung in St. Georgen entschärft werden?

Ein tiefergelegter Kreisverkehr anstatt der Kreuzung in St. Georgen - dafür sprach sich der Stadtrat bereits vor Jahren aus, "denn die Kreuzung ist eine Katastrophe", so Roger Gorzel. Doch die Bahn sperrt sich. "Kurzfristig braucht es ein klares Lichtzeichen, ab wann man von St. Georgen aus fahren darf", schlug Dangschat vor. "Durch die Ampeln haben wir jetzt weniger Staus, aber die Unfälle bleiben", stellte AfD-Kandidat Krogloth fest.

Den Vorschlag des Staatlichen Bauamts, eine regulierende Ampel zwischen Anning und St. Georgen zu bauen, lehnte Christian Stoib ab: "Das wäre ein Krampf, wir brauchen den tiefergelegten Kreisverkehr" - die favorisierte Lösung auch von Klaus Ritter: "Das wäre das einfachste und auch der Platz für einen Kreisverkehr wäre da."

Kann der Stadtrat mit künftig acht Fraktionen noch gut regiert werden?

Zusätzlich zu den sieben Parteilisten der Bürgermeisterkandidaten will bekanntlich auch die "Liberale Initiative Zukunft" um Michael Mollner in den Stadtrat. Schaffen es alle, wären im nächsten Stadtrat acht Fraktionen vertreten, drei mehr als bisher. "Mehrheiten werden dann verdammt schwierig zu organisieren sein", befürchtet SPD-Kandidat Stoib. Oliver Krogloth und Hans-Peter Dangschat sprachen lieber von "30 Einzelpersonen" als von Fraktionen, der nächste Bürgermeister müsse nur seine "Eitelkeiten zurücknehmen", so Krogloth. 

"Im Kreistag sitzen 70 Leute und da funktioniert es auch. Das Problem in Traunreut ist, dass bisher viel Blockadepolitik gemacht wurde", meinte Markus Schupfner. Wenn Referenten und Fraktionssprecher früh genug eingebunden würden, seien einstimmige Beschlüsse auch weiterhin möglich, glaubte Grünen-Kandidat Czepan: "Momentan werden wir noch zu spät in die Planung mit einbezogen."

Wie mit unbeschrankten Bahnübergängen umgehen?

"Wir wollen die Zugstrecke stärken und mehr Leute in die Bahn bringen", so die klare Aussage von Bürgermeister Ritter. Je weniger beschrankte Bahnübergänge es noch gebe umso geringer sei auch die Lärmbelästigung durch pfeifende Züge. Roger Gorzel sprach sich für die Modernisierung der Bahnübergänge aus, "weil es nicht sein kann, dass Leute um 5 Uhr morgens vom Zug geweckt werden." 

Oliver Krogloth machte dagegen den Vorschlag, die Bahnstrecke für den Personenverkehr gleich ganz zu schließen und das Gleis nur noch für die Industrie zu erhalten. Czepan vertrat die gegenteilige Position: Er brachte einen Bahnanschluss von Matzing nach Traunreut ins Spiel - "das wäre eine wirkliche Verbesserung". 

Wirtshaus, Bank und Edeka zu - wie kann die Situation in Traunwalchen verbessert werden?

Einen Lichtblick gibt es bereits: In Traunwalchen wird ein Dorfladen eröffnen. "Da stecken zwei Jahre Vorarbeit drin, das war eine irre gute Leistung", so Klaus Ritter. Die Situation sei in Traunwalchen insgesamt "gut", nun müsse man sich auch um Stein oder St. Georgen kümmern.

Martin Czepan schlug für den Dorfladen ein Genossenschaftsmodell vor und Schupfner würde gerne die umliegenden Landwirte mit ihren Produkten dort einbinden. Der Traunwalchener Dorfladen wurde von allen Bürgermeisterkandidaten begrüßt. 

Wie kann die geplante Ostumfahrung weiter vorangebracht werden?

Für Martin Czepan stellte sich die Frage so nicht: Für ihn würde ein Ausbau der Frühlinger-Spitz-Straße als Staatsstraße reichen, denn die Ostumfahrung würde lange dauern und sei wegen des offenen Grunderwerbs und dem Naturschutz ohnehin nicht sicher. "Wir müssen frühzeitig mit den Grundeigentümern reden, damit die nicht aus der Presse erfahren müssen, wo die Trasse verlaufen soll", so dagegen Hans-Peter Dangschat.

"Der Ausbau der Frühlinger-Spitz-Straße wurde verschlafen, ich würde dazu nochmal mit der Firma Bosch wegen des Grunderwerbs sprechen", formulierte Markus Schupfner von der Bayernpartei sein Vorhaben - wozu Klaus Ritter längst eine Meinung hatte: "Natürlich muss die Frühlinger-Spitz-Straße zuerst ausgebaut werden, aber der Stadtrat hat mir mehrheitlich verboten, mit der BSH Grundstücksverhandlungen zu führen." 

xe

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