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Jetzt kommt praktisch alles auf den Prüfstand

Sondersitzung zur Energiekrise: Traunreut nimmt Millionen in die Hand

Die Energiekrise drängt und auch der Traunreuter Stadtrat will jetzt das Ruder herumreißen: In einer Sondersitzung wurden quasi alle Arten der „Erneuerbaren“ geprüft - und der erste siebenstellige Betrag lockergemacht.

Traunreut - Die Energiekrise treibt den Traunreuter Stadtrat quer durch alle Lager um: Bei einer Sondersitzung kamen am Donnerstag (3. November) ganze acht Anträge aus fünf verschiedenen Fraktionen auf den Tisch. Konkret umgesetzt werden jetzt vor allem Photovoltaikanlagen auf Dächern kommunaler Gebäude. Auch Geothermie, Fernwärme, Blockheizkrafte, Photovoltaik-Freiflächenanlagen oder neue Posten im Rathaus standen zur Debatte. Wir fassen das wichtigste thematisch geordnet zusammen.

Photovoltaik auf Dächern

Bis zu 1,7 Millionen Euro wird die Stadt in Photovoltaikanlagen auf Dächer eigener Gebäude investieren. Das mit Abstand größte Projekt sind dabei Anlagen auf Dächern des Bauhofs, eine Million Euro wird hier hineinfließen. Allein durch die Solaranlagen auf den Dächern des Bauhofs rechnet man mit 500.000 Kilowattstunden Strom. Fix geplant sind auch Anlagen auf dem Technikgebäude des Schwimmbads und auf dem Erweiterungsbau des Rathauses. Der Vorstoß kam von der CSU, der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Das Problem bei der Sache: „Man kriegt zur Zeit keine Module“, so Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU). Auf insgesamt 15 kommunalen Dächern sollen Schritt für Schritt und je nach Rentabilität Solaranlagen installiert werden, unter anderem auf Schulen, Turnhallen und Feuerwehrhäusern. Die Kosten von 1,7 Millionen Euro decken dabei aber nur die Anschaffung der Module - Baukosten oder mögliche Dachsanierungen nicht inbegriffen. Dort, wo es möglich ist, soll die Energie mit Batterien gespeichert werden. Im Rathaus-Erweiterungsbau sei dies laut Dangschat aus Platzgründen schon mal keine Option.

Zweites Geothermiewerk

Das Geothermiewerk nördlich von Traunreut gilt als Erfolgsmodell. Seit 2014 wird Wärme und seit 2016 Strom geliefert. Die Gesamtleistung beträgt maximal 18 Megawatt. Die L!Z-Fraktion forderte in einem Antrag, den Bau eines zweiten Geothermie-Kraftwerks zu prüfen: Wer könnte es betreiben? Welche Potenziale wären möglich? Sollen sich die Stadtwerke beteiligen? „Wir haben mit möglichen Betreibern und den Industriebetrieben schon Gespräche aufgenommen“, so der Bürgermeister. Auch Freie Wähler und Grüne sprachen sich in eigenen Anträgen dafür aus, den Bau eines weiteren Geothermiewerks zu prüfen.

Ein weiteres Geothermiewerk müsste mindestens 15 Megawatt bringen. Angesichts der teuren Probebohrungen rentiert es sich sonst nicht“, so Frank Wachsmuth von den Stadtwerken. Und: Je mehr Energie durch die Geothermie kommt, umso mehr müssen auch mögliche Alternativen bereitstehen - falls das Werk zur Förderung des heißen Tiefenwassers einmal ausfallen sollte, erinnerte Wachsmuth. Durch den Einbau einer neuen Pumpe könnte aber auch das bestehende Geothermiewerk noch etwas leistungsfähiger gemacht werden.

Klimaschutzmanager im Rathaus

„Es gibt keinen Zuständigen für Klimaschutz und Energie in der Stadtverwaltung, keiner fühlt sich hierfür verantwortlich“, stellten die Grünen in einem weiteren Antrag fest. Deshalb solle eine solche Stelle bei der Stadt geschaffen werden, die ein ganzes Team leitet und „notwendige Impulse setzt“. Der Klimaschutzmanager solle vorantreiben, dass die Stadt bis zum Jahr 2035 klimaneutral in der Energieversorgung ist, heißt es im Grünen-Antrag. Und tatsächlich: Eine interne Ausschreibung nach einem Klimaschutzbeauftragten wurde in der Stadtverwaltung bereits gestartet.

Nicht bei jedem stieß das auf Begeisterung: „Was treten wir denn da los? Wie viele Arbeitsstunden werden dadurch in der Verwaltung gebunden?“, fragte Sepp Winkler (Bürgerliste). Nach Sarah Wirth von der Verwaltung soll der Posten auf mehrere Schultern aus verschiedenen Abteilungen verteilt werden, um so eine Projektgruppe bilden zu können. Möglicherweise könnten auch externe Berater hinzugezogen werden. „Das Thema ist zu wichtig, daran kommen wir nicht vorbei“, so Bürgermeister Dangschat.

PV-Anlagen über Wiesen und Parkplätzen

Eine weitere Möglichkeit um Sonnenenergie zu gewinnen: Große Photovoltaikflächen auf Weiden und Wiesen. Die PV-Anlagen auf Dächern würden bei weitem nicht ausreichen, argumentierten die Freien Wähler in einem Antrag. Es brauche mehr Engagement für große PV-Freiflächenanlagen, eine landwirtschaftliche Nutzung sei auch unter den Solarmodulen möglich. Geeignete Flächen in den Augen der Freien Wähler: Die alte Mülldeponie in Stein oder die Öko-Ausgleichsflächen entlang der Waginger Straße. „Auch Flächen auf Wasserschutzgebieten könnte man prüfen. Wir müssen jetzt machen, machen, machen“, so FW-Stadtrat Paul Obermeier.

Wir bekommen laufend Anfragen PV-Freiflächen errichten zu dürfen“, berichtete Hans-Peter Dangschat - aber auf Öko-Ausgleichsflächen seien sie noch nicht erlaubt. Und die Fläche der ehemaligen Steiner Mülldeponie werde wohl vom Landratsamt und den Grundeigentümern eh saniert, so Dangschat. Der Stadtrat stimmte gegen den Antrag der Freien Wähler, dass die Stadt bei PV-Freiflächenanlagen selbst aktiv wird. Geht es nach der FW-Fraktion, sollten vermehrt auch Parkplätze mit PV-Flächen überdacht werden, wie beispielsweise auch schon in Burghausen.

Neues Hackschnitzel-Blockheizkraftwerk

Beispielsweise an der Traunreuter Kläranlage gibt es schon zwei Blockheizkraftwerke. Durch das Klärgas wird Strom und Wärme erzeugt, die wiederum in der Kläranlage verwendet werden. Die Bayernpartei will nun prüfen lassen, ein weiteres Blockheizkraftwerk in Betrieb zu nehmen, das über Hackschnitzel betrieben wird - zur Unterstützung des bestehenden Fernwärmenetzes. Der Antrag der Bayernpartei wurde lediglich zur Kenntnis genommen, die Verwaltung wird sich dem Thema noch annehmen.

Frank Wachsmuth von den Stadtwerken gab aber zu bedenken: Auch am Biomassemarkt, bei Hackschnitzeln oder Sägerestholz, gibt es aktuell starke Preiserhöhungen. „Es wird alles vermarktet, was sich vermarkten lässt“, so Wachsmuth. Die Nachfrage nach Holz steige rasant, das Angebot bleibe aber gleich. Sogar bei den kaum nachhaltigen Holzimporten aus Osteuropa seien die Preise um das Zwei- bis Dreifache gestiegen. „Holz zur thermischen Nutzung über längere Lieferzeiträume zu moderaten Preisen zu bekommen, wird anspruchsvoll.“

Weihnachtsbeleuchtung und PV-Anlagen-Förderung

Und wie steht es um den Stromverbrauch der Weihnachtsbeleuchtung? Die Anfrage der Freien Wähler bereitete dem Bürgermeister keine Sorge. Alles läuft über LED und soll strahlen wie gewohnt. Pro Tag sei mit Stromkosten von acht bis neun Euro zu rechnen. „Das abzuschalten wäre rein symbolisch, davon halte ich nichts“, stellte Hans-Peter Dangschat klar. Andere „dekorative Beleuchtungen“ wie am Erweiterungsbau des Rathauses, den Kirchtürmen oder den Schirmen am Rathausplatz seien schon seit einigen Wochen abgedreht.

Eine weitere Forderung der Freien Wähler: Die Stadt soll den Bau von Solaranlagen auf privaten Dächern mit bis zu 1000 Euro fördern. „Und man könnte auch PV-Anlagen bei neuen Baugebieten vorschreiben“, so FW-Stadtrat Matthias Bauregger. Beides wird auch in Traunstein schon so gemacht. Die PV-Anlagen-Vorschrift bei künftigen Baugebieten wäre eine Überlegung wert, so Dangschat. Bei Neubaugebiet Stocket hat man sich aber noch dagegen entschieden. Fördergelder für die Solaranlagen lehnte der Bürgermeister aber ab. Trotzdem stimmte der Stadtrat dafür, auch dieses Thema künftig nochmal neu zu diskutieren.

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage xe/dpa

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