Bedenken wegen Geothermiebohrung

Trinkwasserversorgung in Traunreut gefährdet?

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Die Stadt Traunreut befürchtet durch die in Walchenberg geplanten Bohrungen eine potentielle Gefährdung der Trinkwasserversorgung. In unmittelbarer Nähe der geplanten Bohrungen verlaufen die beiden Wasserschutzgebiete der Brunnen Traunwalchen und Niedling, die zirka 90 Prozent der Traunreuter mit Trinkwasser versorgen.

Traunreut - In der Stadt regt sich Widerstand gegen ein geplantes Geothermie-Projekt. 

„Sollten einst auf der mehr oder weniger bevölkerten Erde die Wälder so stark gelichtet und die Kohlenlager erschöpft sein, so ist es denkbar, dass man die Innenwärme der Erde sich mehr und mehr dienstbar macht, dass man sie durch besondere Vorrichtungen in Schächten oder Bohrlöchern zur Oberfläche leitet und zur Erwärmung selbst zur Heizung von Maschinen verwendet.“ Diese Prophezeiung von 1858 des Geologen Carl Bernhard von Cotta, hat sich 150 Jahre später bewahrheitet. Heute zählt die Geothermie oder Erdwärme zu den regenerativen Energieformen. 

In der Stadt Traunreut existiert bereits ein Geothermiekraftwerk in dem sowohl Wärme als auch Storm produziert wird. Ein weiteres, in Litzlwalchen geplantes Geothermie-Projekt, das allein zur Stromgewinnung genutzt werden soll, sorgt derzeit für Schlagzeilen. Widerstand regt sich dabei auch in der Stadt Traunreut.

Denn einer von zwei Bohrplätzen ist auf städtischem Grund in Walchenberg beziehungsweise in Schmieding geplant. Der Stadtrat befürchtet durch die Bohrungen eine potentielle Gefährdung der Traunreuter Trinkwasserversorgung. Deshalb wurde die Stadtwerksleitung aufgerufen, dafür zu sorgen, dass in Abstimmung mit den anderen Behörden keine Einschränkungen oder Gefahren von der geplanten Geothermiebohrung für die Traunreuter Trinkwasserversorgung ausgehen dürfen. 

Der Werkleiter der Stadtwerke, Frank Wachsmuth, hat sich wegen der Befürchtungen, dass durch die Bohrungen und durch die Verlegung einer Verbindungsleitung durch die Zone III der Wasserschutzgebiete die Wasserversorgung gefährdet sein könnte, in einem Schreiben an das Bergamt Südbayern der Regierung von Oberbayern gewandt und darin gefordert, dass es zu keinen gefährdeten Situationen in den Wasserschutzgebieten, zum Beispiel durch Borschlämme, Lkw-Transporte, Maschineneinsatz oder Leitungsverlegungen kommen dürfe. Für den Fall, dass während der Ausführung kritische Situationen entstehen, müsse im Zuge der Genehmigungsplanung eine Unbedenklichkeit des Vorhabens detailliert nachgewiesen und ein Havarie-Konzept beziehungsweise ein Maßnahmenplan vorgelegt werden. 

Ebenso müssten die erforderlichen baulichen Maßnahmen bei einem Rückbau oder einer Stilllegung aufgezeigt werden. Die Stadtwerke wollen das Projekt als solches nicht verhindern und sind ein „absoluter Befürworter der Geothermie“, heißt es in dem Schreiben an das Bergamt. Wegen der oben genannten Gründe, würden die Stadtwerke Traunreut den geplanten Standort eines neuen Geothermie-Kraftwerks in der Gemeinde Nußdorf jedoch für problematisch halten. 

In dem Antwortschreiben teilt das Bergamt Südbayern die Bedenken der Stadtwerke vor dem Hintergrund, dass sie als Trinkwasserversorger den für Trinkwasserbohrungen üblichen Brunnenbaustandard voraussetze. Im Gegensatz dazu würden jedoch bei Tiefenbohrungen die oberen Grundwasserhorizonte mittels eines sogenannten Standrohres, das in den Grundwasserstauer einbinde, abgedichtet. Im Schutze dieses Standrohres werde dann die eigentliche Bohrung abgeteuft. Die verwendete Bohrspülung für die Tiefenbohrung werde, im Gegensatz zu einer Brunnenbohrung, vom Landesamt für Umwelt (LfU) auf die städtische Wasserversorgung geprüft und freigegeben. Die Bohrung werde in regelmäßigen Abständen verrohrt und der Raum zwischen Bohrloch und Verrohrung werde mit Zement hinterfüllt, der ebenfalls vom LfU auf eine wasserverträgliche Zusammensetzung geprüft werde. 

All diese Maßnahmen würden dazu dienen, sowohl einen Zu- als auch einen Abfluss aus dem Bohrloch während der Errichtung und auch im folgenden Lebenszyklus zu verhindern. Dieses Antwortschreiben, das in der letzten Stadtratssitzung bekannt gegeben wurde, spiegeln auch die Aussagen des Bergbauingenieurs Thomas Neu, Investorenvertreter der Geothermie Traunstein AG. Auch Neu versuchte die Gemüter zu beruhigen. „Wir nehmen ihre Sorgen ernst und sind in einer frühen Phase, wo diese Themen abgearbeitet werden“, versicherte Neu. Nach Angaben des Bergbauingenieurs würden sämtliche Planungen beim Wasserwirtschaftsamt landen, deren Spezialisten die notwendigen Auflagen entsprechend zu prüfen hätten. Außerdem müssten Umweltverträglichkeitsprüfungen und geologische Untersuchungen gemacht werden „Wir müssen im Zuge des Genehmigungsverfahren entsprechende Nachweise erbringen und sind an harte Forderungen gehalten“, betonte Neu. 

Die CSU-Stadträte, 2. Bürgermeister Hans Peter Dangschat sowie Hans Kneffel hatten eingangs darauf hingewiesen, dass der Bohrplatz relativ nahe am Wasserschutzgebiet liege und deshalb ein gesteigerter Schutz unabdingbar sei. „Ich habe schon Bauchweh, immerhin betrifft es 90 Prozent unserer Wasserversorgung“, erklärte Kneffel. Wenn der Bohrplatz nicht im Ausströmungsbereich zu den Trinkwasserbrunnen läge, hätte er, Kneffel, kein Problem damit. 

Martin Czepan (Grüne) kritisierte, dass das geplante Kraftwerk nicht zur Wärmeversorgung genutzt werde, sondern ausschließlich Strom erzeuge, der in das allgemeine Strommetz eingespeist werden soll. Der geplante Standort des Geothermie-Kraftwerks liegt nordöstlich von Litzlwalchen (Gemeinde Nußdorf) an der Staatsstraße 2096 und der Gemeindegrenze zur Stadt Traunreut. Auf Nußdorfer Gemeindegebiet soll ein Bohrplatz mit zwei Förderbohrungen eingerichtet werden. Weitere Bohrungen zur Einleitung des Thermalwassers in den Untergrund sollen auf Traunreuter Gebiet (Schmieding und Walchenberg) niedergebracht werden. Die beiden Bohrungen sollen durch eine Leitung verbunden werden. 

Dazu erklärte Thomas Neu auf Nachfrage von Johannes Danner (Bürgerliste), dass diese Verbindungsleitung zwischen den beiden Bohrplätzen neben öffentlichen Wegen verlegt werden soll. Auch die Traun müsse dabei unterirdisch überquert werden. Diese Baumaßnahme setze eine Umweltverträglichkeitsprüfung voraus.

ga

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