"Wie kann es sein, dass es sowas noch nicht gab?"

Diese Erfindung aus dem Chiemgau kann Leben retten

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Patrick Pauliner (29) mit einem der Steigbügel. Mit zwei Freunden hat er die Anti-Rutscheinsätze in den Steigbügeln mit LED-Lichtern versehen - jetzt brummt das Geschäft. 

Traunreut - Fast wäre Patrick Pauliner mit seinem Motorrad in der Dunkelheit in ein Pferd gekracht - dann begann er zu überlegen. Nun hat er mit zwei Freunden ein Patent auf Steigbügel-LEDs und kommt mit dem Verkauf nicht mehr hinterher. 

Es klingt wie eine Geschichte aus dem TV-Format "Die Höhle der Löwen" (Vox) - doch bisher kommen Patrick Pauliner aus Traunreut sowie Brigitte und Tobias Proschko aus Chieming auch ganz gut ohne die Starthilfe klar. Im Frühjahr wurde ihr Patent auf Steigbügel-LEDs für Reiter ("lovelstar") genehmigt. Wie kleine Scheinwerfer leuchten sie auf den Boden. Die Idee lag fast auf der Hand, die Umsetzung ist praktisch und nun zahlt es sich aus. 


Nach dem Beinahe-Crash mit einem Reiter begann Pauliner zu tüfteln

Rund drei Jahre ist es her, da war Patrick Pauliner abends mit seinem Motorrad unterwegs. Kurz vor seinem Heimatort Matzing kreuzte eine Reiterin die Straße. Es war dunkel und Pauliner konnte gerade noch abbremsen. Die Frau hatte zwar eine Warnweste an, doch im tiefen Lichtkegel der Motorradscheinwerfer war sie kaum zu sehen: "Ich dachte mir, wie kann es sein, dass es da keine gescheite Beleuchtung gibt?", so Pauliner im Gespräch mit chiemgau24.de.

49,90 Euro kostet der LED-Einsatz, der in jeden Standard-Steigbügel passt im Online-Shop von "lovelstar". 

Dann setzt er sich mit seinen Freunden, den Proschkos zusammen, die ein Geschäft mit Reitbedarf führen und tüftelte. Genau dort, wo die Gummimatte in den Steigbügeln steckt, könnte man die LEDs einbauen. Außerdem befinden sie sich ganz an den äußersten Punkten von Pferd und Reiter - also umso besser für andere Verkehrsteilnehmer. Wenig später baute man einen Prototypen, testete ihn mit einer Reiterin und meldete ein Patent an

Steigbügel-LEDs: "Erstmal wurde alles schlechtgeredet"

"Zusammen mit der Spritzgussfirma Moderegger aus Berchtesgaden haben wir dann einfach mal 500 Rahmen produziert", erzählt Pauliner. Die LEDs passen in jeden Standard-Steigbügel. Mit der Erfindung ging man in Reitergruppen auf Facebook: "Da wurde erstmal alles schlechtgeredet". Er feilte weiter: am Namen, am Logo, an der Präsentation. "Ich war überzeugt davon und jetzt haben wir den Durchbruch." Schlüsselerlebnis war eine Reitermesse im Oktober in Wiener Neustadt: "Eigentlich hat mir jeder mit der Idee recht gegeben - und jeder Zweite hat's gekauft." 

Die LEDs hinterlassen deutlich ihre hellen Spuren auf dem Boden und markieren gleichzeitig die breitesten Punkte von Reiter und Pferd. 

300 Paar der Steigbügel-LEDs hat Patrick Pauliner mit seinen zwei Mitstreitern inzwischen verkauft. Gewinde schneiden, Kleben, Stecken, Löten - die drei Erfinder basteln jede Lampe selbst zusammen, nebenberuflich. Und immer wieder musste man schon "ausverkauft" melden. Das nächste Ziel wird es also sein, größere Stückzahlen produzieren zu lassen.

Damit Reiter nicht plötzlich von der Dunkelheit überrascht werden

Trotzdem fragt man sich, wer reitet schon im Dunkeln? "Das haben uns auch viele entgegnet. Aber dann wird man als Reiter doch immer wieder von der Dunkelheit überrascht und kommt später heim als gedacht", so Pauliner. Dann bräuchte man an kein zusätzliches Equipment denken, weil man die Steigbügel-LEDs sowieso verbaut hat. Und: Auch als Reiter muss man laut Straßenverkehrsordnung immer ausreichend beleuchtet sein.

xe

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