Nach außerordentlicher Mitgliederversammlung

TuS Traunreut steht vor einer Herkulesaufgabe

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Beim TuS Traunreut ist nicht nur die Stelle des 1. Vorsitzenden vakant. Den Verein plagen auch viele andere Sorgen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der frisch sanierten Sportheimgaststätte bemühte sich die Führungsspitze um eine sachliche Aufklärungsarbeit. Unterstützung sicherte auch Sportreferent und 2. Bürgermeister Hans Peter Dangschat zu.

Traunreut - In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des TuS wurden Forderungen nach einem hauptamtlichen Geschäftsführer laut. Es gibt einige Probleme, darunter auch "Herkulesaufgaben", denen sich der Verein stellen muss:

Der TuS Traunreut ist seit Anfang September dieses Jahres ohne 1. Vorsitzenden, aber nicht führungslos. Seit dem Rücktritt von Hans Mayer leiten Roger Gorzel und Markus Tesche als gleichberechtigte Stellvertreter die Geschäfte des größten Sportvereins der Stadt Traunreut. Auch die erweiterte Vorstandschaft ist weiterhin mit im Boot. Sowohl vereinsintern als auch öffentlich wurde seit dem Rücktritt des Vorsitzenden und über die Zukunft des Vereins viel spekuliert. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hat sich die Führungsspielte jetzt um eine sachliche Aufklärungsarbeit bemüht. Rund 60 Mitglieder waren dazu in die Sportplatzgaststätte gekommen. 

Wie mehrfach berichtet, hatte Hans Mayer aus „rein persönlichen Gründen“, wie er per E-Mail in seiner Kündigung erklärte, das Amt des 1. Vorsitzenden nach gerade mal gut einem Jahr niedergelegt. Noch während seiner Amtszeit wurde damit begonnen, an den Stellenschrauben zu drehen, um den TuS in eine sichere Zukunft führen sollten. In diese Zeit fiel auch die Kündigung des Sportheimpächters, die nicht ohne böses Blut und beiderseitigem Rechtsbeistand abging. Nach Angaben von Roger Gorzel habe man sich zwischenzeitlich über einen Vergleich zugunsten des Vereins einigen können und die Ablöse des ehemaligen Pächters sei auch schon auf dem Vereinskonto eingegangen. 

Probleme bei Neuverpachtung des Sportheims

Sorge bereitet dem Verein allerdings die Neuverpachtung des Sportheims. Es wurde zwar kurzfristig ein neuer Pächter gefunden, der dem Dafürhalten auch als geeignet schien. Die näheren Verhandlungen mit dem Pächter seien aber nicht so verlaufen, wie es sich der Verein vorgestellt habe, sagte Gorzel. Erschwerend kommt hinzu, dass der vorgesehene Pächter bereits in die Wohnung über der Gaststätte eingezogen ist. „Wir haben es hier mit einem Riesenproblem zu tun“, räumte Gorzel ein. Hans Mayer habe ohne Wissen der übrigen Vorstandschaft mit dem Pächter in seiner gutgläubigen Art einen Vorvertrag mit einer Absichtserklärung unterschrieben. Dies habe jetzt zur Folge, dass das Pächter-Ehepaar an diesem Vertrag festhalte und bis auf Weiteres mietfrei wohnen bleiben möchte. Der Kündigung des TuS zum 31. Januar nächsten Jahres habe die Pächterfamilie widersprochen. 

Für den TuS fängt die Suche nach einem Pächter jetzt von vorne an. „Wir suchen weiter und haben auch schon Gespräche aufgenommen“, teilte Gorzel mit. Kritik äußerte er auch darüber, dass beim Vorstandswechsel im Juli letzten Jahres durch den neuen Vorsitzenden Hans Mayer keine ordentliche Übergabe mit der alten Vorstandschaft stattgefunden habe. „Wir mussten uns durch ungeordnete Akten wühlen und dabei feststellen, dass viele Altlasten aufgearbeitet werden müssen.“ Diese Altlasten und die kommenden Aufgaben ehrenamtlich zu schultern, seien seines Dafürhalten ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb fordert er wenigstens einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen, mit dem auch Hans Mayer bei seinem Amtsantritt schon spekulierte. „Wir müssen einen Geschäftsführer und einen Buchhalter einstellen. Ohne die Besetzung dieser Positionen wird sich kein Vorsitzender finden“, ist sich Gorzel sicher. Er versicherte, dass die Vorstandschaft bis zu den Neuwahlen im April nächsten Jahres weiterhin gemeinsam an einem Strang ziehen werde. 

„Wir brauchen ein bis zwei Leute, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen“

Auch das übrige Vorstandsteam unterstützt die Forderung nach einem hauptamtlichen Geschäftsführer. Einen Verein mit über 2300 Mitgliedern ehrenamtlich zu führen, sei - zumindest was die Liegenschaften betreffe – schlichtweg nicht mehr möglich, sagte Markus Tesche. „Wir brauchen ein bis zwei Leute, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen“, forderte er. Hans Kaltenbacher würde sich eine hautamtliche Person mit handwerklichem Geschick wünschen. Der Baureferent und Leiter der Skiabteilung beklagte das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder. „Es sind immer nur eine Handvoll die mithelfen und meistens sind es die gleichen.“ Die Anlagen und Immobilien seien in die Jahre gekommen und vieles läge im Argen, sagte er. 

Die Brandschutzauflagen der TuS-Halle seien sträflich vernachlässigt worden, konnten jetzt aber mit finanzieller Hilfe der Stadt bereinigt werden. Viel Geld und über 300 freiwillige Arbeitsstunden seien unter anderem in die Pflege der Fußballplätze investiert worden. Desweiteren erinnerte er daran, dass vor der TuS-Halle in Eigenregie neue Stellplätze geschaffen wurden

Die "Herkulesaufgabe"

Als eine „Herkulesaufgabe“ bezeichnete er die Sanierungsmaßnahmen in der Sportplatzgaststätte. Eine der ersten Maßnahme sei die Entfernung des Wildwuchses an der Terrasse gewesen, bevor man sich an das Innenleben der Gaststätte gemacht habe. Die WC-Anlagen hätten sich - wie auch anhand von Fotos nicht zu übersehen war - in einem sehr unhygienischen Zustand befunden und wurden und seien erneuert worden. Auch einige Innentüren im Keller seien zum Teil verfault gewesen und hätten ausgewechselt werden müssen. Gefruchtet hat die zündende Idee eines Abteilungsleiters, beim Streichen der Wände alle Abteilungen mit ins Boot zu nehmen. „Das hat sehr gut funktioniert und wir haben uns damit 10.000 Euro gespart“, lobte der Abteilungsleiter. 

Die rege Teilnahme an der Streich-Aktion – Jede Abteilung musste einen Raum streichen – habe nach seinem Dafürhalten auch die Abteilungen näher zusammengeschweißt. Er appellierte aber daran, sich auf dem was bisher bewirkt und angepackt wurde, nicht auszuruhen und ihn weiterhin zu unterstützen: „Alleine kann ich das nicht mehr leisten“, so der Baureferent. 

Optimistischer Blick in die Zukunft 

Unterstützung wurde dem Verein auch seitens der Stadt zugesichert. Bürgermeister Klaus Ritter musste wegen anderweitigen Verpflichtungen die Versammlung zwar vorzeitig verlassen, sprach dem Verein aber Dank und Anerkennung aus. Er habe sich mit seinem Stellvertreter und Sportreferent Hans Peter Dangschat abgesprochen, den Part der Stadt zu übernehmen, so Ritter. Der Sportreferent zeigte sich trotz aller Probleme sehr optimistisch, was die Zukunft des TuS betrifft. Der persönliche Einsatz in den letzten Wochen und Monaten habe bewiesen, dass gemeinsam an einem Strang gezogen werde. „Das habt Ihr nicht zuletzt auch bei der Sanierung der Sportplatzgaststätte gezeigt“, lobte Dangschat. 

Dass das Aufgabenfeld eines Vereins in dieser Größenordnung ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen sei und die Unterstützung der Kommune benötige, darüber seien sich auch seine Kollegen im Stadtrat einig. Dafür eine zusätzliche Stelle in der Stadtverwaltung zu schaffen, wie Bürgermeister Ritter vorgeschlagen habe, davon halte er nichts, betonte der Sportreferent. Vielmehr wäre seines Erachtens ein Sonderzuschuss für die Unterstützung einer hauptamtlichen Person die bessere Wahl. Dies soll aber nicht heißen, dass es für den TuS ein komplettes Sorglos-Paket geben werde. „Wir haben viele Vereine und müssen die Gleichbehandlung wahren.“ Dangschat zeigte sich kämpferisch und versprach sich für den Verein einzusetzen. Wie immer sich auch die nächsten Wochen und Monaten entwickeln werden: „Meine Unterstützung habt ihr“, versprach er. 

In Anbetracht der Tatsache, dass in den Abteilungen hervorragende Arbeit geleistet werde und ein gesunder Spielbetrieb herrsche, appellierte Gitti Strohmayer daran, dass es sich zu kämpfen lohne.

ga

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