Neugestaltung der Kantstraße

Debatte um Baumfällung, Kreisverkehr, Blindenleitsystem

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Müssen die Bäume im Zuge der Umgestaltung der Kantstraße in Traunreut gefällt werden oder können wenigstens einige von ihnen gerettet werden? Dieser Frage will man jetzt noch genauer auf den Grund gehen. Das neue Straßenkonzept sieht vor, die vorhandenen Bäume durch neue zu ersetzen.

Traunreut - Wie kann die Kantstraße schöner und sicherer werden? Zur Diskussion steht nicht nur ein Kreisverkehr und der Baumbestand, sondern auch ein Blindenleitsystem und eine Gehsteigüberdachung.

Die vorhandenen Bäume im Zuge des geplanten Ausbaus der Kantstraße in Traunreut zu fällen und durch neue zu ersetzen haben den Stadtrat in seiner Sitzung dazu bewogen, den aktuellen Planentwurf nochmal zu überdenken. „Wenn wieder Bäume gefällt werden, gibt es Gezeter und das zu Recht“, vermutete Günther Dzial (SPD). Auch Gabi Liebetruth (Bürgerliste) bedauerte, dass die Bäume dem Ausbau zum Opfer fallen sollen. 

Deshalb soll jetzt genauer untersucht werden, ob eine Möglichkeit besteht, Bäume zu erhalten. „Wir werden genauer untersuchen und abwägen, ob es sinnvoll ist“, räumte der Vertreter des Planungsbüros, Daniel Sautter, ein. Sautter wiederholte seine Aussage von der Bauausschusssitzung, dass sich die neue Straßengeometrie nicht mit dem Rhythmus der vorhandenen Bäume vereinbaren ließe. 

5000 Euro je umgeplanztem Baum?

Bei dem Umbau sollen die bestehenden Bäume gegen neue ersetzt werden. Sautter gab aber auch zu bedenken, dass der Erhalt beziehungsweise eine Wiederpflanzung des bestehenden Baumbestandes mit nicht unerheblichen Kosten verbunden wäre. Sautter rechnet damit, dass bei einer Umpflanzung pro Baum 5000 Euro fällig werden könnten. Selbst dann sei nicht gewährleistet, ob der Baum auch erhalten werden könne

Das Für und Wider soll jetzt noch einmal näher untersucht werden. „Wir sollten unbedingt noch einmal über die Bäume reden und uns mit Stadtgärtnermeister Robert Kratzer unterhalten“, forderte Dzial. Gabi Liebetruth forderte ebenfalls, die Bäume zu erhalten: „Sollen die schönen Bäume jetzt wieder durch dünne Stangerl ersetzt werden?“ Nachgekommen ist das Planungsbüro zwischen der Bauausschuss- und Stadtratssitzung auch dem Vorschlag von Johann Jobst (CSU), bei der neuen Querungshilfe vor dem KFA Cityhaus einen Stellplatz zu streichen, um eine bessere Übersicht für die Fußgänger zu gewährleisten. 

Kreisverkehr statt Ampel

Auf Höhe des Cityhauses soll ein Kreisverkehr die bestehende Ampelregung ersetzen. Die neue Verkehrsregelung wurde zwar bereits beschlossen, gab jedoch abermals Anlass zur Diskussion. Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste), der sich entgegen der in der Planung enthaltenen abgesetzten Parkplätze für durchgängigen Parkstreifen aussprach, hält den Kreisverkehr für „denkbar ungünstig“ und lehnte deshalb den Planentwurf ab. In seinen Augen wäre auch das geplante Blindenleitsystem zu überzogen

„Wir haben in der Stadt nur eine einzige blinde Dame“, sagte Gorzel. Diese Aussage widerlegte Bürgermeister Klaus Ritter postwendend. Das System sei äußerst wertvoll, entgegnete Ritter. Blindheit beginne bereits bei 20 bis 30 Prozent Sehschwäche. Martin Czepan (Grüne) lehnte den Entwurf deshalb ab, weil er in den geplanten Radschutzstreifen ein großes Risiko sieht. Grundsätzlich sei die Planung sehr gelungen, zumal die Durchgängigkeit zwischen der Kant- und Munastraße gestärkt werde und der Kreisverkehr in diesem Bereich eine positive Wirkung habe, so Czepan. 

3,6 Millionen Euro Kosten?

Bernhard Seitlinger (CSU) erklärte, dass er die Planung grundsätzlich für gut halte und er in einem Kreisverkehr auch keine größere Gefährdung sehe als bei einer Ampelanlage. In diesem Zusammenhang appellierte er auch daran, dass sowohl die Radfahrer und Fußgänger als auch die Autofahrer gegenseitig auf den Verkehr zu achten haben. Zu den Kosten stellte er fest, man sollte doch noch nachschauen, ob doch noch was eingespart werden könnte. 

Sein Fraktionskollege Reinhold Schroll lehnte den Planentwurf aus diesen Gründen ab. Die hohen Kosten von voraussichtlich 3,6 Millionen Euro seien seine größte Sorge, sagte Schroll. Er befürchtet, dass diesbezüglich die Anlieger, die mitbezahlen müssten, nicht mitziehen werden. Ähnlich argumentierte auch Dr. Michael Elsen von der CSU. Er regte an, die „Luxusplanung“ unter der Berücksichtigung der Anlieger etwas zu reduzieren. 

Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann geht davon aus, dass das Projekt im Rahmen der Städtebauförderung anerkannt werde und sich auch das Staatliche Bauamt Traunstein als Straßenbaulastträger der Kantstraße an den Kosten beteiligen werde. Die Kostenberechnung bezeichnete er als „vorsichtig“. In der Kostenberechnung seien vorsorglich auch Entsorgungskosten enthalten, die aber nicht unbedingt zum Tragen kommen müssen. 

Gätzschmann warnte auch davor, dass eine reduzierte Planung dazu führen könnte, dass die Regierung von Oberbayern die Förderfähigkeit in Frage stelle. Die staatliche Förderung könnte dabei die kritische Frage stellen: Wollt ihr überhaupt was Gescheites? 

Umsetzung wohl nicht vor 2019

In den Hintergrund gerückt bei der Debatte war der Vorschlag des Bürgermeisters in der Bauausschusssitzung, die westliche Häuserzeile zu überdachen und damit eine Fortführung der Überdachung des Rathausplatzes zu schaffen. Auf Nachfrage von Christian Stoib (SPD) stellte Sautter die ermittelten Kosten vor. Bei einer angenommenen Länge von 130 Metern würden sich die Kosten für das Glasdach bei 650.000 Euro bewegen. Damit hatte sich die Diskussion mehr oder weniger erübrigt. „Mir hätte eine Überdachung gut gefallen, aber die Kosten sind enorm hoch“, fand Ritter. Mit der Empfehlung von Konrad Unterstein „Wir sollten jetzt ins Rennen gehen und anschließend schauen, was an finanzieller Belastung für alle übrig bleibt“, endete die Diskussion. 

Mit 21:5 Stimmen wurden der Planentwurf und die Kostenberechnung abgesegnet. Die Planung soll als nächstes den Grundeigentümern der Kantstraße sowie dem Staatlichen Bauamt Traunstein als Straßenbaulastträger vorgestellt werden. Mit der Umsetzung der ersten Maßnahmen ist nach Angaben von Gätzschmann voraussichtlich nicht vor 2019 zu rechnen.

ga

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