Verbindung wird teils ausgedünnt

Petition gegen neue Buslinie zwischen Garching und Traunstein

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Traunreut - Die neue Omnibuslinie zwischen Garching und Traunstein, die ab 1. November gelten soll, wird vom Hauptausschuss des Traunreuter Stadtrats keineswegs akzeptiert. Die geänderten Fahrzeiten wirken sich vor allem auf der Strecke Traunreut-Trostberg für die Stadt Traunreut negativ aus.

Deshalb forderte der Hauptausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag geschlossen eine Nachbesserung des bereits genehmigten Konzeptes. Die Forderung, dass der Stadtrat und die Stadtverwaltung mit dieser Lösung nicht einverstanden sind, soll in Form einer einer Petition an die Regierung von Oberbayern und an den Landkreis Traunstein erfolgen. Gleichzeitig wurde angeregt, die Gemeinde Altenmarkt und die Stadt Trostberg von der Stimmung der Stadt Traunreut zu informieren mit der Bitte das Protestschreiben zu unterstützen. 

Wie berichtet hatte die Regierung von Oberbayern eine neue Genehmigung für den Omnibuslinienverkehr von Traunstein über Traunreut, Altenmarkt und Trostberg nach Garching erteilt. Antragsteller für diese Genehmigung waren die Firma Hövels & Co KG mit dem Regionalverkehr Oberbayern (RVO), die DeinBus Verkehrs GmbH sowie ein hilfsweiser Antrag des RVO zum Weiterbetrieb der sogenannten Linie 9442 inklusive des „Schnellen Traunsteiners“. Die Firma Hövels und der RVO haben diese Genehmigung erhalten. Über die Gründe, die zu einer Umstellung der Linien, beziehungsweise zu der Genehmigung geführt haben, konnten in der Sitzung keine Angaben gemacht werden. 

Die bisherige Linie 9442 soll demnach künftig in vier Teilabschnitte (Linien 7701, 7702, 7711 und 9442) aufgeteilt werden. Während sich dadurch auf der Strecke zwischen Traunstein und Traunreut für Traunreut Verbesserungen ergeben, verschlechtert sich die Linie zwischen Traunreut und Trostberg. Zwischen Traunstein und Traunreut sollen die Fahrten an den Wochentagen erhöht werden. Die Sonntagslinie soll jedoch um eine Fahrt reduziert werden. 

Massive Einschnitte ergeben sich auf der Strecke zwischen Traunreut und Trostberg. Hier sollen die täglichen Fahrten von bisher 22 auf 16 vermindert werden und ab 12.23 Uhr soll dann ab Traunreut nur noch statt bisher im halbstündigen Takt im Ein-Stunden-Takt gefahren werden. Das bedeutet, dass ab dieser Zeit sechs Linien entfallen würden. Die Haltestellen Weisham, Anning, Ziegelstadl und Fasanenjäger würden von Montag bis Freitag nur noch einmal anstatt wie bisher zehnmal angefahren. 

In der Gegenrichtung würde sich die tägliche Anzahl der Fahrten von 26 auf 17 verringern und der halbstündige Takt ab 13.50 Uhr würde entfallen. Die Haltestellen zwischen Weisham und Fasanenjäger würden dann nur noch dreimal täglich zwischen 6.50 und 7.40 Uhr angefahren. Bislang werden diese Haltestellen noch fünfmal zusätzlich verteilt über den Tag angefahren. 

An den Samstagen würde sich die tägliche Anzahl der Linien von bisher fünf auf acht, beziehungsweise in der Gegenrichtung von fünf auf zehn, erhöhen. An den Sonntagen sollen nur noch vier Fahrten angeboten werden. Die Linie 7702 würde dann zum Teil von Trostberg über Palling nach Traunreut führen. Hierdurch würde sich die Anzahl der täglichen Fahrten von Montag bis Freitag von vier auf sechs erhöhen und die Samstagsfahrten auf eine Fahrt reduzieren.

Nach Angaben der Stadtverwaltung habe die Stadt zu den einzelnen Anträgen auch eine Stellungnahme bei der Regierung von Oberbayern abgebeben und dabei nach Abwägung den hilfsweisen Antrag des RVO zur Erteilung der bisherigen Linie befürwortet. „Wir wollten ein Alternativangebot und haben das Problem, das durch die neue Linie im Norden von Traunreut entsteht, der Regierung von Oberbayern auch mitgeteilt“, sagte Werner Arndt vom Ordnungsamt.

Dass die Stadt Traunreut auf die neue Genehmigung keinen Einfluss habe, wie Bürgermeister Klaus Ritter erklärte, wies Ernst Ziegler (SPD) entschieden zurück. „Ich glaube nicht, dass die größte Stadt im Landkreis keinen Einfluss darauf hat“, ermahnte Ziegler den Bürgermeister, der gleichzeitig Gespräche für eine Nachbesserung mit dem Landkreis ankündigte. „Mir ist durchaus bewusst, dass das Konzept nicht glücklich ist für unsere Bürger", sagte Ritter. Die Neuausrichtung sei völlig verkehrt, kritisierte Ziegler weiter. „Wir bewegen und damit zurück, wo wir schon einmal waren.“ 

Kritisch äußerte sich Ziegler auch darüber, dass der RVO den Zuschlag erhalten habe: „Der RVO füllt sich nur die Taschen ohne dabei an die Bürger zu denken.“ Auch Dr. Michael Elsen (CSU) äußerte große Bedenken: „Es kann nicht sein, dass ich in Traunstein den Bus besteige, der in der Stadtmitte von Traunreut hält und ich dann eine halbe Stunde warten muss, bis ich nach Stein an der Traun komme.“ 

Alles was nördlich des Traunreuter Rathausplatzes wohne, werde dadurch eklatant benachteiligt. Mit der neuen Linie werde das Gegenteil erreicht, nämlich den ÖPNV auszudünnen anstatt zu stärken. Anknüpfend an die Worte von Elsen, erinnerten Gretl Gineiger (Grüne) und Christian Stoib (SPD) daran, dass damit auch der Schülerverkehr nicht mehr berücksichtigt werde. „Schüler, die Traunreuter Schulen besuchen und nach Stein wollen, kommen dann nicht mehr heim“, so Gineiger.

Auch Johannes Danner (Bürgerliste) kann die Neuausrichtung nicht nachvollziehen. „Durch den Zug und die Bahn ist die Anbindung Traunreut- Traunstein schon jetzt sehr gut. Dass diese Linie jetzt noch verbessert werden soll, ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagte Danner. Dort wo das Angebot notwendig wäre, werde jetzt ausgedünnt. Reinhold Schroll (CSU) schlug vor, das Protestschreiben an die Regierung von Oberbayern und an den Landkreis Traunstein mit einer entsprechenden Schärfe zu verfassen. Die Zeit eilt, denn laut Genehmigung soll die neue Linie zwischen Garching und Traunstein ab dem 1. November in Kraft treten. 

ga

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