Dezentrale Unterbringung gefordert

Traunsteins Grüne: Zustände in Asyl-Unterkünften sind "gesundheitsgefährdend"

Wiederholt standen die Gemeinschaftsunterkünfte in Trostberg und Traunreut in den vergangenen Wochen wegen Corona-Einsätzen in den Schlagzeilen. Die Grünen sehen in den Unterkünften "Virenbeschleuniger" - und fordern andere Arten der Unterbringung.

Mehrfach rückte die Polizei in den vergangenen Wochen zu Corona-Einsätzen in den Asyl-Unterkünften in Trostberg und Traunreut aus. Erst am Montag, den 27. April, rückten die Einsatzkräfte zuletzt zu einem Einsatz aus: Gleich 13 Bewohner wurden positiv getestet


Die Grünen melden sich nun mit deutlicher Kritik an der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zu Wort. Die Unterkünfte, so Grünen-Landtagsabgeordnete, seien "Virenbeschleuniger", eine Unterbringung in dezentralen Unterkünften oder Kleinwohnungen das Gebot der Stunde. 

Die Pressemitteilung im Wortlaut:


In Trostberg steht wegen positiver Corona-Fälle seit dem Wochenende die gesamte Gemeinschaftsunterkunft unter Quarantäne. In Traunreut wurde die Quarantäne für alle Bewohner*innen der Gemeinschaftsunterkunft wegen neuer Fälle soeben um noch einmal zwei Wochen verlängert. „Unter Umständen kann das für die Menschen, die hier leben, monatelanges Ausgangsverbot bedeuten“, sagt die Traunsteiner Landtagsabgeordnete Gisela Sengl. „Gemeinschaftsunterkünfte, in denen vielen Menschen nur eine Küche und Gemeinschaftsbäder zur Verfügung stehen,sind per se Virenbeschleuniger. Diese Krise zeigt, dass die Art der Unterbringung von Geflüchteten dringend überdacht werden muss. Ich fordere deshalb die Regierung von Oberbayern auf, hier endlich aktiv zu werden.“ Insbesondere die hygienischen Bedingungen in den Unterkünften müssten in einem ersten Schritt dringend überarbeitet werden.

In dezentralen Unterkünften oder Kleinstwohnungen mit eigener Küchenzeile und Nasszelle könnten sich die Menschen selbst besser ausreichend schützen. „Bestehende dezentrale Unterkünfte jetzt aufzukündigen, wie es die Regierung von Oberbayern derzeit in Trostberg plant, wäre deshalb in der jetzigen Situation unverantwortlich“, so Sengl.

Zur gesundheitlichen Gefährdung komme auch noch die Stigmatisierung von Betroffenen: „Ob man bekannte Corona-Fälle im Landkreis öffentlich macht oder nicht, ist eine politische Entscheidung, es gibt Für und Wider für beide Seiten“, betont Sengl. „Aber dann muss diese Entscheidung für alle gelten. Sicherheitspersonal vor den Unterkünften von infizierten Geflüchteten ist in diesem Zusammenhang für mich nicht vereinbar mit den Werten unserer Gesellschaft. Menschenrechte müssen immer gelten, auch und vor allem in Krisenzeiten.“

Pressemitteilung der Grünen

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa Stefan Sauer

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